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Swiss Observer

Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten von stark zunehmendem betrügerischem «Dropshipping» betroffen, warnt Konsumentenschutz

Eine Schweizer Konsumentenschutzorganisation hat über 1'500 Beschwerden im Zusammenhang mit Dropshipping registriert. Dabei verkaufen und versenden Onlineshops minderwertige Waren direkt aus dem Ausland, ohne selbst Lagerbestände zu halten. Der Bericht hebt hervor, wie schwierig es für Kundinnen und Kunden ist, Rückerstattungen zu erhalten, und mit welchen irreführenden Taktiken manche Anbieter arbeiten.

Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten von stark zunehmendem betrügerischem «Dropshipping» betroffen, warnt Konsumentenschutz
AISWI swissinfo.ch

Eine enorme Zahl von 8'640 Anfragen ist bei der Schweizer Konsumentenschutzorganisation Konsumentenschutz eingegangen und markiert einen kritischen Wendepunkt im Kampf des Landes gegen Onlinebetrug. Die deutschsprachige Organisation gab am Donnerstag bekannt, dass sie fast 1'500 formelle Beschwerden speziell gegen betrügerische Onlineshops bearbeitet hat. Das signalisiert einen beispiellosen Anstieg digitaler Täuschung. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Schwankung bei der Unzufriedenheit mit dem Markt, sondern um einen gezielten Angriff auf das Portemonnaie der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten.

Dropshipping, ein Geschäftsmodell, bei dem Händler Waren verkaufen, ohne selbst Lagerbestände zu halten, ist in der Schweiz zwar weiterhin legal, doch die Umsetzung ist zunehmend räuberisch. Die grosse Zahl der Meldungen zeigt, dass sich eine einst spezielle logistische Methode zu einem weit verbreiteten Betrugsmodell entwickelt hat. Konsumentinnen und Konsumenten sind nicht mehr nur mit Lieferverzögerungen konfrontiert, sondern mit einem systemischen Vertrauensverlust im digitalen Handel. Der explosive Anstieg dieser Zahlen erfordert sofortige Aufmerksamkeit, denn Tausende Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz müssen sich durch ein Minenfeld irreführender Angebote und nicht existierender Produkte bewegen.

Die Täuschung mit dem «Swisswashing»: Wie Betrüger eine Schweizer Identität vortäuschen

Die perfideste von der Organisation festgestellte Taktik ist das aggressive «Swisswashing» ausländischer Anbieter. Betrüger geben sich als traditionelle Schweizer Unternehmen aus und nutzen den Ruf des Landes für Qualität und Zuverlässigkeit, um ahnungslose Käuferinnen und Käufer anzulocken. Die digitalen Schaufenster sind sorgfältig so gestaltet, dass sie lokal wirken: mit Schweizer Domains, vertrauten Bildern und beruhigenden Formulierungen, die auf Lagerbestände und Dienstleistungen im Inland hindeuten.

Die Realität steht jedoch in starkem Gegensatz zur digitalen Fassade. Sobald die Transaktion abgeschlossen ist, zerplatzt die Illusion. Statt dass ein Paket aus einem Lager in Zürich oder Bern eintrifft, wird die Bestellung direkt an Fabriken in China weitergeleitet. Durch diese Täuschung warten Konsumentinnen und Konsumenten wochenlang auf Produkte, von denen sie glaubten, sie seien bereits im Land. Indem diese Anbieter das Vertrauen ausnutzen, das Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten lokalen Marken entgegenbringen, verkaufen sie nicht einfach Produkte, sondern eine Lüge. Die Diskrepanz zwischen dem gepflegten Schweizer Auftritt und der weit entfernten, nicht rechenschaftspflichtigen Lieferkette ist der Hauptgrund für diese Welle der Unzufriedenheit.

Die Qualitätslücke: Minderwertige Waren und die Sackgasse bei Rückerstattungen

Wenn die lange erwarteten Pakete endlich eintreffen, ist die Enttäuschung oft gross. Käuferinnen und Käufer berichten, dass sie Produkte erhalten, die weit minderwertiger sind und kaum Ähnlichkeit mit den online beworbenen hochwertigen Artikeln haben. Im schlimmsten Fall erhalten Konsumentinnen und Konsumenten überhaupt nichts. Laut der Organisation sind die Waren häufig von «sehr schlechter Qualität», wodurch der Kauf für die Käuferinnen und Käufer nahezu zu einem vollständigen Verlust wird.

Zusätzlich zum Ärger folgt eine finanzielle Sackgasse. Eine Rückerstattung zu erhalten oder die minderwertigen Waren zurückzusenden, sei «praktisch unmöglich». Diese anonymen Händler errichten bürokratische Hürden und gestalten die Rückgabe so umständlich oder teuer, dass sie von jedem Versuch abhalten, eine Lösung zu erreichen. Da sie in der Schweiz keine physische Präsenz haben, über die sie zur Verantwortung gezogen werden könnten, agieren diese Anbieter nahezu ungestraft. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bleiben auf minderwertigen Produkten sitzen, die sie nie gekauft hätten, wenn sie deren wahre Herkunft gekannt hätten.

Schwarze Listen und Beschwerden: Der Kampf gegen digitalen Betrug

Als Reaktion auf diese wachsende Bedrohung geht Konsumentenschutz in die Offensive: Die Organisation führt eine umfassende schwarze Liste betrügerischer Websites und meldete diesen Sommer mehrere Anbieter den Behörden. Das Problem geht jedoch über anonyme Dropshipping-Anbieter hinaus. Die Organisation beobachtet auch Abo-Fallen auf Datingseiten und aggressive Taktiken grosser Telekommunikationsanbieter. Bemerkenswert ist, dass der Verband 2024 wegen unlauteren Wettbewerbs Beschwerde gegen Sunrise eingereicht hat. Der Fall ist noch hängig und zeigt, dass fragwürdige Praktiken nicht auf die Randbereiche des Internets beschränkt sind.

Im Jahr 2026 ist die Botschaft an die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten klar: Wachsamkeit ist der einzige Schutz. Die schwarze Liste ist ein wichtiges Instrument, doch angesichts der Beweglichkeit der Betrügerinnen und Betrüger tauchen neue Websites so schnell auf, wie alte entlarvt werden. Die Fronten sind abgesteckt. Angesichts Tausender bereits eingegangener Beschwerden wächst der Druck auf die Regulierungsbehörden, diese irreführenden digitalen Praktiken stärker einzudämmen.