Kultur
Schweizer Kinoeintritte auf tiefstem Stand seit 50 Jahren
Gemäss dem Bundesamt für Statistik sanken die Schweizer Kinoeintritte 2025 auf nur noch 9,47 Millionen. Damit erreichten sie den tiefsten Stand seit fast einem halben Jahrhundert und verdeutlichen die erheblichen Herausforderungen für die einheimische Filmbranche.

Die Zahlen liegen vor und zeichnen ein ernüchterndes Bild: Das Schweizer Kino befindet sich im freien Fall. Zum ersten Mal seit fast einem halben Jahrhundert, wenn man die aussergewöhnlichen Lockdowns während der Pandemie ausklammert, sind die jährlichen Eintritte unter die psychologisch wichtige Marke von 10 Millionen gesunken. Das Bundesamt für Statistik (BFS) bestätigte heute, dass 2025 nur 9,47 Millionen Tickets verkauft wurden. Das entspricht einem drastischen Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist nicht bloss ein Einbruch, sondern ein grundlegender Wandel des Kulturkonsums.
Zum Vergleich: Noch vor zehn Jahren begrüssten die Kinos 2016 beachtliche 13,7 Millionen Besucherinnen und Besucher. Der Trend zeigt eindeutig nach unten. Die Kinobetreiber versuchten, den Rückgang mit einer durchschnittlichen Erhöhung der Ticketpreise um CHF 0.30 (0.38 Dollar) aufzuhalten. Laut BFS konnte diese Massnahme den finanziellen Einbruch jedoch nur «teilweise» ausgleichen. Die Zeit, in der sich die Kinos auf einen verlässlichen Publikumszustrom verlassen konnten, scheint vorbei. Die Branche steht vor einer existenziellen Frage: Wo ist das Publikum geblieben?
Hollywood verliert an Einfluss: Die Blockbuster bleiben aus
Der Hauptgrund für diesen Einbruch ist klar: Hollywood hat den Hahn zugedreht. Das Angebot an amerikanischen Blockbustern, die traditionell den Schweizer Kinomarkt antreiben, ist deutlich geschrumpft. 2025 verzeichneten US-Filme nur noch 5,3 Millionen Eintritte. Ihr Marktanteil sank auf 56 Prozent, gegenüber 61 Prozent im Jahr 2024. Die Zeit der COVID-19-Pandemie ausgenommen, war die Dominanz amerikanischer Filme seit 2002 nicht mehr so schwach.
Das Vakuum an der Spitze hat die Kinolandschaft verändert. Während die amerikanischen Grossproduktionen schwächeln, schliesst das europäische Kino auf und erreicht einen wachsenden Marktanteil von 30 Prozent. Filme aus Deutschland, Frankreich und Grossbritannien kämpfen um die Aufmerksamkeit des Publikums. Doch ohne die zugkräftigen Kassenschlager aus Los Angeles leidet das gesamte Ökosystem. Die Botschaft ist eindeutig: Ohne einen stetigen Strom internationaler Hits bleiben die Schweizer Kinos gefährlich leer.
Die kulturelle Kluft: Drei Regionen, drei Entwicklungen
Die Krise trifft das Land nicht überall gleich stark. Zwischen den Kantonen hat sich ein tiefer kultureller Graben aufgetan. Während die Deutschschweiz den Schaden mit einem bescheidenen Rückgang von 3 Prozent begrenzen konnte, ist die Lage in den lateinischen Regionen geradezu katastrophal. In der Romandie gingen die Eintritte um drastische 16 Prozent zurück, während das Tessin einen ähnlich starken Einbruch von 13 Prozent verzeichnete.
Dieser Unterschied zeigt, wie wichtig Inhalte in der jeweiligen Sprache sind. Den französisch- und italienischsprachigen Regionen fehlten erfolgreiche Filme aus ihren jeweiligen Nachbarländern. Im deutlichen Gegensatz dazu profitierte das deutschsprachige Publikum von starken regionalen Hits wie Das Kanu des Manitu. Dieser «Röstigraben» bei den Kinoeintritten verdeutlicht, wie verletzlich die nicht deutschsprachigen Märkte sind, wenn die internationalen Lieferketten ins Stocken geraten.
Einheimischer Widerstand: Das Schweizer Kino behauptet sich
Mitten in den Trümmern des Kinogeschäfts von 2025 hat sich ein Bereich als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen: die einheimische Filmbranche. Schweizer Produktionen behaupteten sich mit einem stabilen Marktanteil von 9,1 Prozent und bewiesen, dass Geschichten aus der Schweiz das Publikum weiterhin bewegen. Mit über 860 000 Eintritten hat sich die Schweiz als drittbeliebtestes Produktionsland etabliert, hinter den USA und Deutschland.
Für diesen Erfolg sorgten grosse Publikumserfolge. Petra Volpes Heldin und Pierre Monnards Hallo Betty waren die unbestrittenen Spitzenreiter und vereinten zusammen beachtliche 36 Prozent des gesamten Marktanteils Schweizer Filme auf sich. Während sich die Branche insgesamt einer schwierigen Lage stellen muss, zeigen diese Zahlen: Wenn Schweizer Filmschaffende Qualität liefern, kommt das Publikum. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Erfolg auf ein ausreichend grosses Mass auszuweiten, um das Kinoerlebnis als Ganzes zu retten.