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Swiss Observer

CEO-Gehälter in der Schweiz steigen 2025: Zwei Manager verdienen über 20 Millionen Franken

Die Vergütungen der Spitzenmanager in der Schweiz setzten ihren Aufwärtstrend 2025 fort. Ein neuer Bericht zeigt, dass Novartis-CEO Vasant Narasimhan und Julius-Bär-Chef Stefan Bollinger beide Vergütungspakete von mehr als 20 Millionen Franken erhielten.

CEO-Gehälter in der Schweiz steigen 2025: Zwei Manager verdienen über 20 Millionen Franken
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Wirtschaftselite hat die gläserne Decke der Vergütung durchbrochen: 2025 markierte einen historischen Anstieg der Managervergütungen. Unglaubliche 24,9 Millionen Franken, das ist der Preis für Vasant Narasimhans Führung von Novartis in diesem Jahr. Die Vergütung des Pharmariesen stieg um 30 Prozent und festigte damit seine Position an der absoluten Spitze des Swiss Leader Index. Das ist kein einmaliger Geldsegen: Narasimhans Jahreseinkommen ist fast ein Jahrzehnt lang jedes Jahr um beinahe 20 Prozent gestiegen. Während die Weltwirtschaft mit Volatilität ringt, scheint die oberste Führungsebene der Basler Pharmabranche von der Schwerkraft unberührt. Diese beispiellose Vergütung setzt einen provokativen neuen Massstab für die Schweizer Industrie und signalisiert, dass für Spitzenkräfte der Himmel nicht mehr die Grenze, sondern der Ausgangspunkt ist.

Auf die Zukunft setzen: Bollingers Durchbruch

Julius Bär hat mit dem 24 Millionen Franken schweren Vergütungspaket für seinen neuen Chef Stefan Bollinger Schockwellen durch den Finanzsektor geschickt. Zur Einordnung: Bollinger verdient mehr als viermal so viel wie sein Vorgänger. Diese astronomische Summe hat jedoch einen Vorbehalt: 60 Prozent davon sind als Willkommensprämie gedacht und sollen die Boni ausgleichen, auf die er bei seinem früheren Arbeitgeber Goldman Sachs verzichtet hat. Diese aggressive Rekrutierungsstrategie zeigt, wie hart der Wettbewerb im Schweizer Private Banking 2025 ist. Die Bank setzt stark auf Bollinger, damit er sich in einem komplexen regulatorischen Umfeld zurechtfindet. Das zeigt, dass Schweizer Institute bereit sind, «Wall-Street-Preise» zu zahlen, um globale Talente zu gewinnen. Es ist ein riskantes Spiel, das Julius Bär ins Zentrum einer landesweiten Debatte über die «Abkauf»-Kultur in den Chefetagen rückt.

Gefallene Grössen: Ermotti und die Millionäre im Mittelfeld

In einer erstaunlichen Kehrtwende ist UBS-Schwergewicht Sergio Ermotti in der Rangliste der höchsten Einkommen der Schweiz auf den fünften Platz zurückgefallen. Obwohl er die komplexeste Bankenintegration der Schweizer Geschichte verantwortet, blieb Ermottis Vergütung mit 14,9 Millionen Franken unverändert. Gemessen an üblichen Massstäben ist das eine enorme Summe, verblasst aber im Vergleich zu den Höhen, die Konkurrenten aus der Pharma- und Private-Banking-Branche erreicht haben. Anderswo ist der Kontrast noch deutlicher: Flemming Ørnskov von Galderma verzeichnete einen Rückgang um 8 Prozent auf 17,6 Millionen Franken, und Partners-Group-Chef David Layton musste eine Kürzung um 6 Prozent hinnehmen. Auch beim mächtigen Nestlé-Konzern tut sich etwas: Der neue CEO Philipp Navratil erhielt in nur vier Monaten 4,8 Millionen Franken, doch das Unternehmen schweigt weiterhin zu seinem Vorgänger Laurent Freixe, nachdem dieser das Unternehmen unter skandalösen Umständen verlassen hatte. Die Botschaft ist klar: Auch an der Spitze beginnt die Schweizer Unternehmenswelt zwischen verlässlichen Führungskräften und wachstumsstarken Superstars zu unterscheiden.

Die gläserne Decke bleibt: Frauen in Führungspositionen in Zahlen

Die Vergütungsberichte für 2025 legen eine ernüchternde Realität offen: Die Spitze der Schweizer Wirtschaft ist nach wie vor überwiegend männlich. Von den 24 untersuchten grossen Konzernen ist Géraldine Picaud von SGS die einzige Frau unter den CEOs in den Top Ten. Ihr Gehalt von 8,1 Millionen Franken ist ein bedeutender Meilenstein, macht aber zugleich den grossen Unterschied zur Gruppe derjenigen mit mehr als 20 Millionen Franken deutlich. Hanneke Faber von Logitech erhielt zuvor 9,7 Millionen Franken. Der aktuelle Berichtszyklus zeigt jedoch erneut, wie langsam sich die Geschlechterparität auf Führungsebene entwickelt. Die Schweiz steht vor einer kritischen Talentlücke: Während Unternehmen Rekordsummen für männliche Führungskräfte zahlen, deutet der geringe Frauenanteil in diesen hoch dotierten Positionen darauf hin, dass die Schweizer Wirtschaft ihr gesamtes intellektuelles Kapital noch immer nicht ausschöpft. Bei den «Top Ten» geht es nicht mehr nur um Reichtum: Sie spiegeln auch den langsamen gesellschaftlichen Wandel in den Verwaltungsräten wider.

Leistung oder Privileg? Die Zukunft der Rechenschaftspflicht in der Schweiz

Während die CEO-Gehälter steigen, wird der Zusammenhang zwischen Vergütung und Leistung intensiv hinterfragt. Nicht alle profitierten 2025 von den hohen Vergütungen: Fast die Hälfte der untersuchten CEOs verdiente tatsächlich weniger als im Vorjahr. Bei Sika sanken die Gehälter zweistellig, nachdem das Unternehmen wichtige Umsatzziele verfehlt hatte. Diese Schwankungen zeigen, dass Schweizer Aktionärinnen und Aktionäre zunehmend Rechenschaft verlangen und Misserfolge nicht mehr mittragen, auch wenn sie aussergewöhnliches Wachstum belohnen. Dank aufgeschobener Aktienpakete bleibt ein grosser Teil dieser Millionenvermögen «Papiervermögen», dessen Wert noch jahrelang den Launen des Marktes unterliegt. In nächster Zeit werden statt der reinen Zahlen die «Say-on-Pay»-Abstimmungen von 2026 im Mittelpunkt stehen. Werden die Schweizer Öffentlichkeit und institutionelle Anlegerinnen und Anleger Gehälter von 24 Millionen Franken akzeptieren, wenn sich die Wirtschaftslage abkühlt? Die Ära des unantastbaren CEO geht zu Ende. An ihre Stelle tritt eine neue, risikoreiche Leistungsgesellschaft, in der jeder Franken durch eine entsprechende Rendite gerechtfertigt werden muss.