Umwelt
Schweizer Stiftung für CO2-Kompensation kündigt Stellenabbau an
Myclimate baut angesichts von Marktveränderungen und wirtschaftlichem Druck im Klimaschutzsektor 10 Prozent der Belegschaft ab.

Der Schweizer Klimaschutzriese Myclimate schrumpft. In einem entscheidenden Schritt, der die Volatilität der aktuellen Wirtschaftslage unterstreicht, hat die Stiftung bestätigt, dass sie ihre Belegschaft bis Ende Jahr um rund 10 Prozent abbauen wird. Dieser Abbau ist ein bedeutender Rückschlag für den Sektor und betrifft ein Team, das noch wenige Monate zuvor, Ende 2024, fast 200 Mitarbeitende zählte.
Die Stiftung hat versucht, die Folgen durch freiwillige Abgänge abzufedern, doch die Realität ist klar: Die Organisation wird kleiner. Direktor Kai Landwehr sagte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender SRF, bei den Kürzungen handle es sich nicht bloss um eine Umstrukturierung, sondern um eine notwendige Massnahme zum Überleben. Die Stiftung kämpft mit einem sich wandelnden Markt, der sie zu diesem Schritt gezwungen hat. Für eine Organisation, die sich dem ökologischen Fortschritt verschrieben hat, markiert dies einen ernüchternden Wendepunkt. Der Abbau um 10 Prozent ist ein deutliches Warnsignal dafür, dass selbst die etabliertesten Akteure der grünen Wirtschaft vor dem heftigen finanziellen Druck nicht gefeit sind.
Umstrukturierung führt zu Abgang von Führungskräften
«Aus wirtschaftlichen Gründen mussten wir seit Jahresbeginn sehr erhebliche Einsparungen vornehmen», erklärte Direktor Kai Landwehr und liess keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Lage. Die Stiftung nimmt nicht bloss kleinere Anpassungen vor, sondern verändert ihre Arbeitsweise grundlegend. Um die steigenden Kosten einzudämmen, zentralisiert Myclimate ihre Führungsstruktur konsequent. Dieser Schritt hat bereits prominente Abgänge zur Folge gehabt.
Die Zusammenlegung führte zum Weggang wichtiger Führungskräfte, die für die Aktivitäten in der Schweiz und Österreich verantwortlich waren. Die Zentralisierungsstrategie deutet auf einen Rückzug von der regionalen Eigenständigkeit zugunsten einer schlankeren und stärker kontrollierten Führungsstruktur hin. Landwehrs Aussage zeigt eine entscheidende Wende: Die Expansionsphase ist abrupt zu Ende gegangen, an ihre Stelle ist der Auftrag getreten, effizienter zu werden. Während die Organisation den Gürtel enger schnallt, wirft der Verlust regionaler Führungskräfte Fragen dazu auf, wie sich diese Zentralisierung künftig auf lokale Klimaschutzinitiativen und Partnerschaften auswirken wird.
Markt für CO2-Kompensation unter Druck
Die goldene Zeit des Jahres 2022, als der Markt für Emissionsreduktionen einen schwindelerregenden Höchststand erreichte, scheint heute weit zurückzuliegen. In den vergangenen zwei Jahren ist der Sektor in turbulente Gewässer geraten, erschüttert von Skepsis und regulatorischen Veränderungen. Landwehr räumte offen ein, dass die Branche vor einer Bewährungsprobe steht, und merkte an, dass auch andere Organisationen, die CO2-Kompensationsprojekte umsetzen, stark unter Druck stehen.
Entscheidend ist, dass die Stiftung anerkennt, dass die Kritik an der Branche berechtigt ist. «Angebote wurden teilweise stark diskutiert und manchmal auch kritisiert, und das nicht ohne guten Grund», sagte Landwehr. Dies ist ein seltenes und deutliches Eingeständnis der systemischen Probleme, die den Markt für CO2-Kompensation belasten. Von Projekten, die die versprochenen Reduktionen nicht erbrachten, bis hin zu Angeboten, die durch geänderte Gesetzgebung gebremst wurden: Die Glaubwürdigkeit des Sektors wird genau unter die Lupe genommen. Myclimate bewegt sich in einem schwierigen Umfeld, in dem das Vertrauen der Öffentlichkeit schwindet und sich die regulatorischen Rahmenbedingungen laufend verändern.
Zurückhaltung der Unternehmen bremst den Fortschritt
Die Schweizer Unternehmen treten bei den Klimaschutzausgaben auf die Bremse. Myclimate beobachtet eine spürbare Verhaltensänderung: Unternehmen prüfen ihre Klimaschutzverpflichtungen kritischer und gründlicher als je zuvor. Landwehr merkt an, dass diese Skepsis «manchmal durchaus zu Recht» angebracht sei, doch der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein.
Hinzu kommt eine fragile Wirtschaftslage, die die Budgets von Unternehmen branchenübergreifend belastet. Wenn das finanzielle Überleben zur Priorität wird, gehören freiwillige Klimaschutzverpflichtungen oft zu den ersten Ausgabenposten, die gestrichen werden. Das Zusammentreffen von wirtschaftlichem Abschwung und Zweifeln an der Wirksamkeit von Kompensationsmassnahmen hat eine schwierige Lage geschaffen. Ziehen sich Unternehmen zurück, droht der Kapitalfluss in wichtige Klimaprojekte zu versiegen, sodass Organisationen wie Myclimate die Folgen bewältigen müssen. Die Folgen sind alarmierend: Ohne erneute wirtschaftliche Stabilität und wiederhergestelltes Vertrauen in Kompensationsmechanismen droht das Tempo der Klimaschutzmassnahmen von Unternehmen in der Schweiz zum Erliegen zu kommen.