Technologie
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft beendet die UKW-Ära
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft schaltet 850 UKW-Sender aus und vollzieht damit den vollständigen Wechsel zum digitalen Rundfunk. Private Sender senden noch bis 2026 weiter.

Punkt 23.59 Uhr an Silvester beendete die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) eine hundertjährige Tradition und liess die analogen Funkwellen verstummen. Mit einem entschlossenen Schritt, der keinen Raum für Nostalgie lässt, wurden die Verbindungen zu sagenhaften 850 Ultrakurzwellen-Sendern im ganzen Land gekappt. Das anschliessende Rauschen markierte das definitive Ende der UKW-Ära beim öffentlichen Rundfunk.
Für die Hörerinnen und Hörer von Kultursendern wie SRF 1, SRF 2 Kultur und SRF 3 ist die Botschaft brutal und klar: anpassen oder abschalten. Die vertrauten analogen Signale sind verschwunden. Die Bevölkerung muss sofort auf digitales Radio (DAB+) oder Internetstreaming umsteigen. Das ist kein allmähliches Verklingen, sondern ein harter Schnitt. Während der Rest der Welt über die Zukunft traditioneller Medien diskutiert, hat die Schweiz mutig den Schalter umgelegt und zukunftssichere Technologien gegenüber veralteter Infrastruktur bevorzugt. Die Stille auf dem UKW-Band ist ohrenbetäubend und kündigt einen neuen, rein digitalen Morgen für den Schweizer Service public an.
Digitale Dominanz: Die Effizienzrevolution
Die Zahlen hinter diesem Wechsel zeigen einen enormen Effizienzsprung bei der Infrastruktur. Indem die SRG das aufgeblähte Netz analoger Sender aufgegeben hat, konnte sie ihren Betrieb deutlich verschlanken. Während es früher 850 Sender brauchte, um das Alpenland abzudecken, stützt sich die Rundfunkveranstalterin nun auf ein schlankes Netz von nur 260 Antennen, um eine bessere DAB+-Abdeckung zu gewährleisten. Das ist ein logistischer Erfolg: Der Wartungsaufwand sinkt, während die Signalqualität steigt.
Der Wandel im Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten war ebenso deutlich. Das Bundesamt für Kommunikation meldet einen stetigen Anstieg der digitalen Nutzung. Seit 2015 hat sich die Nutzung von DAB+ beinahe verdoppelt und ist bis 2023 von 23 auf 41 Prozent gestiegen. Gleichzeitig nahm die Nutzung von Internetradio kontinuierlich von 26 auf 39 Prozent zu. Die Entwicklung ist eindeutig: Das Schweizer Publikum hat sich bereits entschieden und setzt auf die klare Qualität des Digitalradios statt auf das ausklingende Knacken von UKW. Die Abschaltung ist nicht nur eine technische Aktualisierung, sondern eine notwendige Reaktion darauf, dass die Bevölkerung bereits weitergezogen ist.
Der private Widerstand: Durchhalten bis 2026
Der öffentliche Rundfunk hat die Bühne verlassen, doch das analoge Signal ist nicht vollständig verstummt. Im deutlichen Gegensatz zum aggressiven Zeitplan der SRG halten rund zwei Dutzend private Radiostationen ihre Sender weiterhin in Betrieb. Sie haben beschlossen, den treuen Nutzerinnen und Nutzern des Analogradios noch eine Möglichkeit zu bieten, und senden bis Ende 2026 über UKW.
In den kommenden zwei Jahren führt dies zu einer zersplitterten Medienlandschaft. Wer das Radio durchschaltet, findet dort, wo früher öffentliche Sender zu hören waren, eine Geisterstadt, unterbrochen von den verbliebenen Signalen privater Anbieter. Diese Übergangszeit bietet all jenen, die sich dem Wandel widersetzen, eine kurze Schonfrist, doch die Uhr tickt laut. Die privaten Sender schieben das Unvermeidliche lediglich hinaus und arbeiten auf Zeit, bevor das ganze Land vollständig auf digitalen Standard umgestellt ist. Die Realität mit zwei Systemen macht das Spannungsverhältnis zwischen der Effizienz des öffentlichen Auftrags und der Zurückhaltung des privaten Sektors sichtbar.
Das Armaturenbrett-Dilemma: Autofahrende bleiben zurück
Die wichtigste Herausforderung bei diesem Wechsel bleibt der Schweizer Strassenverkehr. Ende 2023 hörten noch beachtliche 33 Prozent der Radiohörerinnen und -hörer beim Autofahren UKW-Radio. Das Auto ist damit die letzte Bastion der Analogtechnik. Für die 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, die Ende 2024 ausschliesslich auf UKW angewiesen waren, ist der Arbeitsweg am Morgen nun deutlich stiller geworden.
Fahrerinnen und Fahrer älterer Fahrzeuge ohne DAB+-Empfang stehen vor einer klaren Wahl: Sie müssen ihre Geräte aufrüsten oder unterwegs auf öffentliche Nachrichten und Kultur verzichten. Dieses «Armaturenbrett-Dilemma» bereitet Tausenden Autofahrenden logistische Schwierigkeiten. Der technische Fortschritt ist zwar nicht aufzuhalten, doch das plötzliche Verstummen der SRF-Verkehrsmeldungen auf UKW dürfte viele Pendlerinnen und Pendler überraschen. Die digitale Revolution ist da, aber für alle, die am Steuer älterer Fahrzeuge sitzen, ist die Fahrt nach vorn etwas komplizierter geworden.