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Swiss Observer

Schweizerischer Rundfunk kündigt für 2027 Kürzungen von CHF 80 Millionen an

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wird 2027 CHF 80 Millionen einsparen, darunter durch den Abbau von 20 % der Kaderstellen. Bis 2029 sollen die Einsparungen CHF 270 Millionen betragen. Die Umstrukturierung ist teilweise auf sinkende Einnahmen aus den Rundfunkgebühren zurückzuführen und dürfte sich auf das Programm auswirken.

Schweizerischer Rundfunk kündigt für 2027 Kürzungen von CHF 80 Millionen an
AISWI swissinfo.ch

CHF 80 Millionen werden dem Budget der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft für 2027 entzogen, während der öffentliche Sender ein Umstrukturierungsprogramm vorantreibt, das von sinkenden Einnahmen aus der Abgabe und dem Wandel hin zu einer digitalen Produktion geprägt ist. Die SRG gab das Massnahmenpaket am 14. September 2026 bekannt. Es soll die Organisation effizienter machen und gleichzeitig ihren Service-public-Auftrag schützen.

Die Massnahmen sind Teil des Projekts Enavant des Senders, das Strukturen, Prozesse und Produktionsmethoden in den Sprachregionen der Schweiz modernisieren soll. Das übergeordnete finanzielle Ziel sind Einsparungen von rund CHF 270 Millionen bis 2029. Die nationale Radio- und Fernsehabgabe, eine zentrale Finanzierungsquelle der SRG, wurde aufgrund eines Bundesratsbeschlusses gesenkt.

Die Ankündigung legt für den öffentlichen Sender ein konkretes Ziel für 2027 fest, lässt aber die Einzelheiten späterer Kürzungen offen. Die SRG teilt mit, dass weitere Massnahmen für 2028 und 2029 später festgelegt werden. Auch die konkreten Auswirkungen auf Programme und Mitarbeitende in den einzelnen Regionen will sie in den kommenden Tagen bekannt geben.

Damit treten die französisch-, deutsch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Angebote des Senders in eine Übergangsphase. Entscheidungen in Bern und am SRG-Hauptsitz werden sich letztlich in Studios, Redaktionen und Produktionsteams im ganzen Land bemerkbar machen.

Kader trifft es zuerst besonders stark

Mehr als 20 % der Kaderstellen werden abgebaut, womit die Führungsstruktur zu den klarsten Zielen der ersten Phase des Plans gehört. Generaldirektorin Susanne Wille sagte, der Abbau solle dazu beitragen, dass möglichst viele Einnahmen aus der Abgabe wieder in die Programme investiert werden.

Der Sender stellt den Abbau von Kaderstellen nicht als eigenständige Massnahme dar. Er ist Teil eines neuen Organisationsmodells, das Doppelspurigkeiten verringern und die Koordination zwischen den nationalen und regionalen Angeboten der SRG verbessern soll. Einige Stellen werden durch natürliche Fluktuation und Pensionierungen wegfallen. Für betroffene Mitarbeitende gilt der Sozialplan der Organisation.

Die Auswirkungen auf die Belegschaft sind bereits beträchtlich. Im November 2025 bestätigte die SRG Pläne, bis 2029 900 Vollzeitstellen abzubauen. Das Paket für 2027 ist somit eine Etappe einer mehrjährigen Umstrukturierung und keine abschliessende Lösung für den finanziellen Druck auf den Sender.

Laut SRG betreffen rund 95 % der Kürzungen im kommenden Jahr Strukturen, Prozesse und Produktionsmethoden. Diese Zahl zeigt, wo die Geschäftsleitung zuerst Effizienzgewinne erzielen will. Die Folgen für die Mitarbeitenden bleiben dennoch bestehen: Veränderungen bei Arbeitsabläufen, Teams und Zuständigkeiten können beeinflussen, wie Programme in Auftrag gegeben und produziert werden, auch wenn einzelne Sendungen weiterhin ausgestrahlt werden.

Programmschemata geraten unter Druck

Die SRG rechnet mit Änderungen am Programm und will gleichzeitig ihre Kernangebote schützen. Der Sender will nach eigenen Angaben zuerst bei bestehenden Formaten und durch eine engere Zusammenarbeit zwischen den Sprachregionen Einsparungen erzielen. Ganze Sendungen sollen nach Möglichkeit nicht gestrichen werden.

Dieses Vorgehen trägt der Struktur der Schweizer Medien des Service public Rechnung. Die SRG bedient ein Publikum in mehreren Landessprachen und bietet eine breite Mischung aus Nachrichten, Kultur, Sport und Unterhaltung. Eine Zusammenarbeit zwischen den Regionen kann doppelte Produktionsarbeit verringern, sich aber auch auf redaktionelle Prioritäten, Personal und die lokale Identität einzelner Angebote auswirken.

Eine detaillierte Liste der Programme oder regionalen Teams, die von den Massnahmen für 2027 betroffen sind, hat die Organisation noch nicht veröffentlicht. Die konkreten Folgen für Programme und Mitarbeitende in jeder Region sollen in den Tagen nach dem Sparbeschluss bekannt gegeben werden.

Die Formulierung lässt Raum für Effizienzgewinne, setzt den Zusicherungen des Senders aber auch klare Grenzen. Die SRG hat erklärt, dass Änderungen am Programmangebot unvermeidlich sind. Für das Publikum wird sich zeigen, wie sich die Einsparungen auf das ganze Land verteilen, sobald sie sich in Programmschemata, Formaten und der lokalen Berichterstattung niederschlagen.

Auf den Streit um die Finanzierung folgt die Umsetzung

Der Sparplan folgt auf ein Jahr intensiver politischer Debatten über die Finanzierung der öffentlichen Medien. Die Schweizer Stimmberechtigten lehnten im März 2026 einen Vorschlag ab, die jährliche Radio- und Fernsehabgabe für den nationalen Sender von CHF 335 auf CHF 200 zu senken und alle Unternehmen davon zu befreien. Das Parlament lehnte auch einen Bundesplan ab, der SRG die Unterstützung für ihren internationalen Auftrag, einschliesslich ihres Angebots Swissinfo, zu entziehen.

Trotz dieser politischen Entscheide muss der Sender aufgrund der Regelungen des Bundesrats weiterhin mit sinkenden Einnahmen aus der Abgabe rechnen. Der daraus entstehende Druck hat die SRG zu einem mehrjährigen Programm organisatorischer und finanzieller Veränderungen veranlasst. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Service public aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Kosten der dafür nötigen Strukturen zu senken.

Die nächsten Etappen sind konkret: Die SRG muss die regionalen Auswirkungen der Kürzungen für 2027 benennen, ihren Sozialplan umsetzen und die für 2028 und 2029 erforderlichen Massnahmen festlegen. Fluktuation und Pensionierungen können einen Teil des Stellenabbaus auffangen. Das bestätigte Ziel, bis 2029 900 Vollzeitstellen abzubauen, zeigt jedoch, dass die Umgestaltung weit über das Kader hinausgehen wird.

Für das Schweizer Publikum wird sich das Ergebnis an den genutzten Angeboten messen lassen: an verlässlicher nationaler und regionaler Berichterstattung, Programmen in den Schweizer Landessprachen und der internationalen Berichterstattung des Senders. Mit der Finanzierungsdebatte ist eine unmittelbare politische Herausforderung geklärt. Die betriebliche Umstrukturierung rückt nun in den öffentlichen Fokus.