Militär
Schweizer Armee setzt Sparmassnahmen um und beschränkt die Abgabe der Ausgangsuniform
Die Schweizer Armee spart über zehn Jahre 55 Millionen Franken, indem sie die Abgabe der grauen Ausgangsuniform auf repräsentative Zwecke beschränkt. Dies ist Teil einer umfassenderen Optimierung des Verteidigungsbudgets.

Die ikonische «Tenü A» steht vor einem historischen Rückzug. Die Schweizer Armee will ihre berühmte graue Ausgangsuniform, die zur Identität der Milizarmee gehört, künftig nicht mehr flächendeckend abgeben. Es handelt sich nicht bloss um eine Anpassung der Bekleidung, sondern um eine gezielte finanzielle Massnahme, mit der über das nächste Jahrzehnt voraussichtlich 55 Millionen Franken (60,3 Millionen US-Dollar) eingespart werden sollen.
Generationenlang gehörte die Ausgangsuniform zur Grundausstattung. Allein Ersatzbeschaffungen und neue Uniformen kosteten den Staat jährlich 5,2 Millionen Franken. Damit ist die Zeit vorbei, in der jeder Soldat eine Ausgehuniform besass. Künftig ist die Uniform strikt repräsentativen Zwecken vorbehalten, etwa für Militärmusiken und hohe Funktionäre. Dieser deutliche Kurswechsel unterstreicht eine harte Realität: In der heutigen Sicherheitslage ist der repräsentative Auftritt ein Luxus, den sich das Budget nicht länger leisten kann. Die Botschaft von oben ist klar: Jeder für Stoff eingesparte Franken fliesst in wichtige Verteidigungsfähigkeiten.
Das Sparprogramm in Millionenhöhe
Die Kürzungen bei den Uniformen sind nur die Spitze des Eisbergs einer umfassenden Sparoffensive. Die Schweizer Armee steht vor dem grossen Auftrag, ihre Ausgaben zu optimieren. Bis 2030 sollen die Personalkosten um bis zu 3 Prozent gesenkt werden. Das entspricht einem Sparziel von rund 210 Millionen Franken.
Während der Bundesrat umfassendere Sparpakete zur Neustrukturierung der Finanzen skizziert hat, steht das Militär unter grossem Druck, die Kürzungen präzise umzusetzen. Es geht nicht nur darum, überflüssige Ausgaben zu streichen, sondern die Mittel grundlegend neu zu verteilen. Das Verteidigungsdepartement hat ausdrücklich erklärt, dass die frei werdenden Mittel für den Ausbau der Verteidigungsfähigkeiten bestimmt sind. Angesichts der instabilen Sicherheitslage in Europa verlagert die Schweizer Armee ihren Schwerpunkt von Verwaltungsaufwand auf Einsatzbereitschaft. Es gilt, die Finanzen diszipliniert zu führen, ohne die Fähigkeit des Landes zu beeinträchtigen, seine Grenzen zu verteidigen.
Weniger Flugshows, mehr Feuerkraft
Die Sparmassnahmen betreffen nicht nur die Kasernen, sondern auch den Luftraum. Als Zeichen dafür, dass militärische Stärke gegenüber Öffentlichkeitsarbeit Vorrang hat, hat die Armee beschlossen, die Zahl der Vorführungen und Ausstellungen der Luftwaffe zu halbieren. Damit reagiert sie direkt auf parlamentarische Beschlüsse, die eine Senkung der Betriebsausgaben verlangen.
Die Ausstellungen waren lange eine Quelle des Nationalstolzes und ein Mittel zur Rekrutierung. Doch die aktuelle sicherheitspolitische Lage in Europa verlangt einen pragmatischeren Ansatz. Die Armee tauscht Spektakel gegen Sicherheit. Jede bei einer Flugshow eingesparte Flugstunde bedeutet, dass Treibstoff und Wartungskapazitäten für Ausbildung und Einsatzbereitschaft zur Verfügung stehen. Der Entscheid steht im Einklang mit der jüngsten parlamentarischen Genehmigung von zusätzlichen 530 Millionen Franken für Rüstungsinvestitionen und bekräftigt die Haltung, dass die Schweiz ihre militärische Bereitschaft verstärkt. Der Schwerpunkt hat sich klar verschoben: weniger Show, mehr Substanz.
Stiller Stellenabbau in der Milizarmee
Hinter den Schlagzeilen über die hohen Budgetzahlen verbirgt sich ein weniger sichtbarer, aber wichtiger Wandel beim Personal. Die Armee verfolgt eine Strategie des «stillen Stellenabbaus», um ihr Sparziel von 210 Millionen Franken zu erreichen. Armeesprecher Stefan Hofer hat bestätigt, dass keine Massenentlassungen geplant sind. Stattdessen setzt das Militär auf die natürliche Fluktuation.
Wenn Mitarbeitende pensioniert werden, werden ihre Stellen nicht automatisch neu besetzt. So soll die Lohnsumme gezielt verkleinert werden, ohne die demoralisierende Wirkung von Entlassungen. Doch auch diese Strategie bringt Herausforderungen mit sich. Weniger Personal muss sich um ein zunehmend komplexes Sicherheitsumfeld kümmern. Die Planung der Personaleinsparungen für 2025 ist bereits abgeschlossen, die langfristigen Folgen bleiben jedoch abzuwarten. Mit dem Rückgang des Personalbestands dürfte die Belastung der verbleibenden Mitarbeitenden steigen. Dies wird die Betriebskultur der Schweizer Armee auf Jahre hinaus verändern.