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Swiss Observer

Schweizer Alpenbetriebe kämpfen mit akutem Personalmangel

Der alpine Landwirtschaftssektor schlägt wegen Personalmangels Alarm, insbesondere bei erfahrenen Milchviehhalterinnen und Milchviehhaltern. Trotz Stellenangeboten auf Jobportalen droht der bevorstehenden Alpsaison ein Mangel an gut ausgebildeten und engagierten Bewerberinnen und Bewerbern.

Schweizer Alpenbetriebe kämpfen mit akutem Personalmangel
AISWI swissinfo.ch

Die ikonischen Schweizer Alpenweiden stehen vor einem kritischen Wendepunkt, während die Alpsaison 2026 näher rückt. Obwohl das Portal Zalp im März 100 offene Stellen aufführte, verdecken die Zahlen eine beunruhigende Realität: Der Branche gehen die qualifizierten Arbeitskräfte aus, die nötig sind, um die Berge lebendig zu halten. Es handelt sich längst nicht mehr um eine gewöhnliche saisonale Schwankung: Die «BauernZeitung» hat offiziell den «Alpinen Alarm» ausgerufen. Die Tradition der Transhumanz, die die Schweizer Identität prägt, kämpft mit einer Belegschaft, die zunehmend häufig wechselt und unzureichend ausgebildet ist. Ohne einen Zuwachs an engagiertem Personal droht die hochalpine Milchproduktion, die zum Ansehen des Landes beiträgt, drastisch zurückzugehen. Die Lage ist dringend, denn das Zeitfenster, um vor dem Aufstieg im Mai Personal zu finden, schliesst sich rasch.

Die Erfahrungslücke: Warum «hingehen wollen» nicht genügt

Es braucht einen Überschuss von unglaublichen 33 Prozent bei den Bewerbungen, um überhaupt eine einzige kompetente Arbeitskraft zu finden, doch die Qualität der Bewerberinnen und Bewerber nimmt weiter ab. Giorgio Hösli, ein erfahrener Viehhirte, warnt, viele Bewerberinnen und Bewerber sähen die Alpen romantisch verklärt als «Bergferien» und nicht als das, was sie sind: harte Arbeit während 15 Stunden pro Tag. Aus einem Lehrbuch kann man weder lernen, eine kranke Kuh zu erkennen, noch erstklassigen Käse herzustellen. Diese Fähigkeiten werden durch jahrelange harte Arbeit erworben. Besonders beunruhigend ist, dass die grosse Mehrheit der Arbeitskräfte die Berge inzwischen vor dem dritten Jahr wieder verlässt. Dadurch wird die Weitergabe wichtigen überlieferten Wissens verhindert. Diese Fluktuation ist nicht nur eine organisatorische Herausforderung, sondern eine existenzielle Bedrohung für die Qualität des Schweizer «Alpine Food Heritage», das der Bund derzeit im Rahmen eines UNESCO-Status zu schützen versucht.

Arbeitskräfte aus dem Ausland: Italien und Deutschland schliessen die Lücke

Ein Drittel der Arbeitskräfte, die Schweizer Traditionen am Leben erhalten, kommt inzwischen aus dem Ausland. Da das Interesse im Inland nachlässt, ist die Schweiz stark auf Fachkräfte aus Südtirol, Deutschland und Österreich angewiesen, um die Lücken zu füllen. Diese internationalen Arbeitskräfte, häufig Studierende von landwirtschaftlichen Hochschulen oder erfahrene italienische Hirten, bilden das Rückgrat des Sommerbetriebs. Bewerberinnen und Bewerber aus Südtirol sind besonders gefragt, weil sie für ihre legendäre Ausdauer und mehrjährige Bindung bekannt sind. Damit heben sie sich deutlich von einheimischen Bewerberinnen und Bewerbern ab, denen es oft an der nötigen «Bissigkeit» für die Arbeit in hochalpinen Lagen fehlt. Die zunehmende Abhängigkeit von grenzüberschreitenden Arbeitskräften zeigt eine unbequeme Wahrheit: Den Schweizer Alpentraum halten derzeit Menschen von ausserhalb der Landesgrenzen aufrecht.

Die Zukunft sichern: über die Sommersaison hinaus

Um die Alpen zu retten, muss die Schweiz die alpine Landwirtschaft von einem Saisonjob zu einer nachhaltigen Karriere machen. Fachleute wie Hösli argumentieren, dass sich die «Spitzenkräfte» unter den Milchviehhalterinnen und Milchviehhaltern nur gewinnen und halten lassen, wenn sie ganzjährig wirtschaftliche Sicherheit erhalten. Für viele gehört die Suche nach einer Winterbeschäftigung noch immer zu einem jährlich wiederkehrenden, verzweifelten Ritual. Dadurch wechseln Fachkräfte in stabilere städtische Branchen. Wenn die Schweizerische Eidgenossenschaft ihre alpinen Lebensmittel auf die UNESCO-Liste setzen lassen will, muss sie zunächst in die Menschen investieren, die diese Produkte herstellen. Die Zukunft der Berge hängt davon ab, die Alpen zu einem attraktiven, modernen Arbeitsplatz zu machen, der Erfahrung und langfristiges Engagement belohnt. Die Wahl ist klar: Entweder wird das Beschäftigungsmodell modernisiert, oder eine tausendjährige Lebensweise geht ihrem Ende entgegen.