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Swiss Observer

Karte eines Studenten zu Mobilfunkantennen fordert die Schweizer Telekombranche heraus

Die umfassende Erfassung der Mobilfunkantennen der Schweiz durch einen Psychologiestudenten schafft beispiellose Transparenz bei den Angaben zur Telekommunikationsabdeckung.

Karte eines Studenten zu Mobilfunkantennen fordert die Schweizer Telekombranche heraus
AILe News

Die Zeit des blinden Vertrauens in die Werbung der Telekommunikationsanbieter ist vorbei. Ein einzelner Student hat mit einem Schritt, der in der Schweizer Telekommunikationsbranche für Erschütterungen gesorgt hat, geschafft, worum sich die Regulierungsbehörden jahrelang bemüht haben: Informationen für alle zugänglich zu machen. Leutrim Shallti hat carteantennesuisse.ch lanciert, ein digitales Werkzeug, das den Schleier der Geheimhaltung rund um die Mobilfunkabdeckung lüftet. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich nicht länger auf die glänzenden, oft optimistischen Abdeckungskarten von Anbietern wie Salt, Sunrise oder Swisscom verlassen. Mit einem Psychologiestudium und drei Jahren Elektronikstudium im Rücken hat Shallti ein Werkzeug entwickelt, das einer Branche, die ihre Infrastrukturdaten gern unter Verschluss hält, radikale Transparenz abverlangt. Die Plattform schätzt die Abdeckung nicht bloss, sondern zeigt den genauen Standort jeder 3G-, 4G- und 5G-Antenne in der Schweiz. Damit wird das nationale Netz erstmals umfassend überprüft und die tatsächliche Signalstärke direkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Botschaft ist klar: Die Zeiten, in denen man den Aussagen eines Unternehmens einfach Glauben schenkte, sind vorbei.

Detaillierte Daten machen das Netz sichtbar

Die Datentiefe, die der Öffentlichkeit nun zur Verfügung steht, ist beeindruckend. Shaltis Karte geht weit über eine einfache Standortbestimmung hinaus und liefert eine detaillierte Analyse der technischen Anlagen, die über den Schweizer Dächern stehen. Nutzerinnen und Nutzer können jetzt sofort wichtige Angaben zu jedem Mast abrufen: den Betreiber, die jeweilige Mobilfunkgeneration, die Abstrahlrichtung und die genutzten Frequenzen. Die Daten zur Sendeleistung, der einzigen Kennzahl, die die Branche weiterhin erfolgreich zurückhält, bleiben zwar unter Verschluss. Die übrige Infrastruktur ist jedoch, wie Shallti es ausdrückt, «entblösst» worden. Dieser Detaillierungsgrad macht aus passiven Nutzerinnen und Nutzern sachkundige Prüferinnen und Prüfer. Behauptet ein Anbieter, in einem bestimmten Tal oder Kanton eine besonders gute 5G-Abdeckung zu haben, liefert die Karte umgehend objektive Belege, um diese Aussage zu überprüfen oder zu widerlegen. Das ist ein Musterbeispiel für unabhängige Kontrolle und zeigt, dass technisches Fachwissen in Verbindung mit offenen Daten die Informationsasymmetrie aufbrechen kann, von der die Branchenriesen lange profitiert haben.

Der Rechtsstreit hinter der Karte

Dieser Durchbruch bei der Transparenz war kein Geschenk der Branche, sondern wurde in einem erbitterten Rechtsstreit erkämpft. Die Karte ist das direkte Ergebnis einer wegweisenden Auseinandersetzung zwischen dem öffentlich-rechtlichen Sender RTS und den Schweizer Telekommunikationsanbietern im Jahr 2021. Als RTS zunächst Zugang zu den Antennendaten verlangte, leisteten die Unternehmen heftigen Widerstand und stellten sich sogar gegen die Empfehlungen der eidgenössischen Transparenzbeauftragten. Der Streit gelangte ans Bundesverwaltungsgericht, wo der Geheimhaltungswunsch der Betreiber letztlich zunichtegemacht wurde. Sie legten Beschwerde ein und verloren. Dieses entscheidende Urteil ebnete Leutrim Shalltis Arbeit den Weg. Es erinnert eindringlich daran, dass Daten in der Schweiz zunehmend als öffentliches Gut betrachtet werden, trotz des Widerstands von Unternehmen. Der hier geschaffene Präzedenzfall deutet auf eine Zukunft hin, in der Infrastrukturdaten kein Geschäftsgeheimnis, sondern öffentlich zugängliche Informationen sind, die für unabhängige Überprüfungen und den Konsumentenschutz unerlässlich sind.

Die Macht verschiebt sich zu den Konsumentinnen und Konsumenten

Die Auswirkungen dieses Projekts reichen weit über eine einzelne Website hinaus. Wir erleben einen grundlegenden Wandel im Verhältnis zwischen Anbietern und Konsumentinnen und Konsumenten. «Es ist, als wären die Betreiber entblösst worden», sagte Shallti und brachte damit die neue Verletzlichkeit der Branche auf den Punkt. Indem Shallti beim Bundesamt für Kommunikation noch aktuellere Daten einfordert, sorgt er dafür, dass die Karte keine Momentaufnahme bleibt, sondern sich zu einer laufend aktualisierten Übersicht des nationalen Netzes entwickelt. Für die Schweizer Bevölkerung bedeutet dies, Entscheidungen auf der Grundlage überprüfbarer Fakten statt auf Grundlage von Werbesprüchen treffen zu können. Ob man einen Anbieter für ein abgelegenes Chalet oder eine Stadtwohnung auswählt: Die Überprüfung ist nun unabhängig und objektiv möglich. Während die digitale Landschaft immer dichter wird, ist diese Initiative ein Leuchtturm der Innovation. Sie zeigt, dass Transparenz im digitalen Zeitalter nicht freiwillig, sondern unvermeidlich ist. Die Telekommunikationsbranche muss sich nun mit einer neuen Realität auseinandersetzen: Sie wird von den Menschen, denen sie dient, beobachtet, kartiert und vermessen.