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Swiss Observer

Der Streamingkrieg verschärft sich: HBO Max startet in der Schweiz

Der US-Streamingdienst HBO Max ist jetzt in der Schweiz verfügbar. Damit kommen preisgekrönte Serien wie «Game of Thrones» und «Succession» im Rahmen einer grossen europäischen Expansion von Warner Bros. Discovery direkt zum Schweizer Publikum.

Der Streamingkrieg verschärft sich: HBO Max startet in der Schweiz
AISWI swissinfo.ch

Das Warten hat endlich ein Ende. Am Dienstag veränderte sich die Schweizer Streaminglandschaft unwiderruflich, als der US-Medienriese HBO Max offiziell im ganzen Land startete. Das ist nicht bloss ein weiteres App-Symbol auf dem Smart-TV, sondern eine klare Absichtserklärung von Warner Bros. Discovery. Mit dem gleichzeitigen Start in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Liechtenstein und Luxemburg lanciert der Konzern eine gross angelegte, koordinierte Offensive auf dem europäischen Markt.

Für das Schweizer Publikum markiert dies das Ende des zersplitterten Zugangs zu einigen der renommiertesten Fernsehproduktionen der Welt. Mit HBO Max kommt die geballte Macht des Warner-Bros.-Imperiums unter ein digitales Dach, darunter das DC-Comics-Universum, die ungeschönte Wirklichkeit von Discovery+ und die journalistische Grossmacht CNN. Das Ausmass dieses Starts signalisiert, dass die Zeit des passiven Konsums vorbei ist: Der Kampf um die Bildschirmzeit in der Schweiz ist in eine entscheidende neue Phase eingetreten.

Schweres Geschütz: Ein Katalog, der auf Dominanz ausgelegt ist

Warner Bros. Discovery kommt nicht mit leeren Händen, sondern setzt ein kulturelles Arsenal ein, mit dem nur wenige Konkurrenten mithalten können. Der Dienst startet mit einem sofortigen, überwältigenden Vorteil: Er ist die exklusive Heimat der gefeiertsten Fernsehserien. Von den Machtkämpfen der Mafia in The Sopranos über den erbitterten Machtkampf in der Geschäftswelt von Succession bis zum Fantasy-Epos Game of Thrones: HBO Max bietet einen Katalog, der das goldene Zeitalter des Fernsehens geprägt hat.

Die Plattform blickt jedoch nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Abonnentinnen und Abonnenten können sofort auf neue, hochkarätige Inhalte zugreifen, darunter das viel gelobte Krankenhausdrama The Pitt, die historische Erzählung The Seduction und den mit einem Golden Globe ausgezeichneten Film One Battle After Another. Mit dieser Kombination aus neuen Publikumsmagneten und dem Fanliebling The White Lotus positioniert sich HBO Max offensiv als unverzichtbarer Dienst und nicht als optionaler Luxus für Schweizer Kulturbegeisterte.

Der Kampf um die Aufmerksamkeit: Ein gesättigter Markt

Der Schweizer Streamingmarkt ist längst kein unerschlossenes Gebiet mehr, sondern ein Haifischbecken. HBO Max stürzt sich in einen Markt, in dem sich bereits zahlreiche Spitzenprädatoren tummeln. Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und Apple TV haben ihre Gebiete seit Langem abgesteckt, während der einheimische Konkurrent Blue+ erbittert um lokale Bedeutung kämpft. Darüber hinaus bieten die umfangreichen Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender SRF, ARD, ZDF und Arte eine starke, kostenlose Konkurrenz, die auf treue Zuschauer zählen kann.

Diese Marktsättigung schafft eine harte Realität: Schweizer Haushalte haben ein begrenztes Budget und können nur eine begrenzte Zeit aufmerksam Inhalte konsumieren. Mit dem Start von HBO Max wächst der Druck auf die Kundschaft, ihre Abonnements sorgfältig auszuwählen. Es geht nicht mehr nur um die Qualität der Inhalte, sondern auch um das Preis-Leistungs-Verhältnis. Während sich die «Streamingkriege» verschärfen, sind aggressive Preisstrategien und Bündelangebote zu erwarten, denn die Giganten ringen um die Vorherrschaft in einem der wohlhabendsten, aber auch anspruchsvollsten Märkte Europas.

Europastrategie: Die weitere Expansion

Dieser Start ist ein kalkulierter Schachzug in einer umfassenderen geopolitischen Strategie. Warner Bros. Discovery bezeichnete den Ausbau ausdrücklich als «bedeutenden Schritt in seiner europäischen Expansion». Mit der Erschliessung der deutschsprachigen DACH-Region hat sich das Unternehmen zunächst eine Festung im Herzen Europas gesichert. Die Expansion soll weitergehen: Grossbritannien und Irland sollen im März dazukommen.

Der Betrieb in der Schweiz bringt jedoch besondere Verpflichtungen mit sich. Das jüngst verabschiedete «Lex Netflix» stellt sicher, dass diese internationalen Konzerne einen Teil ihrer Einnahmen wieder in die lokale Filmindustrie investieren müssen. Während HBO Max seinen Marktanteil ausbaut, wird der Dienst auch zu einem wichtigen Geldgeber für Schweizer Geschichten. Die Folgen sind weitreichend: Die von Schweizer Zuschauerinnen und Zuschauern bezahlten Abonnementgebühren fliessen letztlich in die Finanzierung einheimischer Produktionen zurück und könnten so eine neue Ära des Schweizer Films einläuten, finanziert mit US-Geldern.