Sport
Unregelmässigkeiten bei Sportwetten nehmen in der Schweiz stark zu
Die Schweizer Glücksspielaufsicht meldet einen Anstieg verdächtiger Wettaktivitäten um 72 Prozent. Besonders betroffen sind Fussballspiele.

Verdächtige Wettaktivitäten haben sich in der Schweizer Sportlandschaft stark ausgebreitet. Die Behörden sehen sich mit einem markanten Anstieg der gemeldeten Vorfälle um fast 72 Prozent konfrontiert. Die Interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) bestätigte für 2024 einen deutlichen Anstieg: Sie erhielt 184 Meldungen über Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit 166 verschiedenen Sportwettkämpfen. Das ist ein erheblicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als 107 Meldungen zu 92 Wettkämpfen eingingen.
Das ist kein allmählicher Anstieg, sondern ein steiler, unbestreitbarer Aufwärtstrend, der sofortige Aufmerksamkeit verlangt. Auch wenn die Integrität des Schweizer Sports im Allgemeinen robust ist, deuten diese Zahlen auf einen Wandel in der Schattenwirtschaft des Sportwettens hin. Die hohe Zahl der Meldungen zeigt, dass die Überwachungssysteme Alarm schlagen und auf eine mögliche Manipulation in einem Ausmass hindeuten, das in den letzten Jahren nicht verzeichnet wurde. Die jüngsten Daten der Gespa sind ein Weckruf: Die bislang stille Welt der Schweizer Sportverwaltung sieht sich nun mit einer lauten, datengestützten Realität möglicher Korruption konfrontiert.
Fussball im Visier
Fussball dominiert diese beunruhigende Statistik. Auf ihn entfällt die grosse Mehrheit der gemeldeten Vorfälle, womit er das Hauptziel von Wett-Syndikaten ist. Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Die Meldungen zu Fussballspielen haben sich beinahe verdoppelt und sind von 74 im Jahr 2023 auf 140 im Jahr 2024 gestiegen. Als Sportart mit dem weltweit grössten Wettvolumen bietet Fussball aufgrund seiner Liquidität ideale Voraussetzungen für unerlaubte Manipulationen.
Der beliebte Sport steht unter dem Druck der Wettmärkte. Andere Sportarten sind weitgehend verschont geblieben, ihre Zahlen sind zu niedrig, um einen Trend festzustellen. Der Fussball hingegen ist das alleinige Epizentrum dieses Anstiegs. Der Zusammenhang ist unbestreitbar: Wo das Geld fliesst, folgen die Unregelmässigkeiten. Diese Konzentration verdächtiger Aktivitäten setzt Fussballverbände und Aufsichtsbehörden stark unter Druck, ihre Schutzmassnahmen gegen Spielmanipulationen zu verstärken, die die Glaubwürdigkeit der Liga grundlegend zu untergraben drohen.
Die globale Überwachung wird verstärkt
Nimmt die Kriminalität zu, oder greifen die Aufsichtsbehörden einfach konsequenter durch? Die Gespa führt einen erheblichen Teil des Anstiegs auf eine quantitative und qualitative Revolution beim Informationsaustausch zurück. Die «Group of Copenhagen», ein Netzwerk nationaler Plattformen zur Bekämpfung von Spielmanipulationen, hat ihre Kommunikationskanäle optimiert und dadurch die Erkennung von Unregelmässigkeiten verbessert. Das deutet darauf hin, dass der Anstieg der Zahlen eher eine bessere Überwachung als eine plötzliche Welle neuer Korruption widerspiegeln könnte.
Die internationale Zusammenarbeit ist zur schärfsten Waffe im Arsenal der Aufsichtsbehörden geworden. Durch den grenzüberschreitenden Austausch von Daten erkennen die Behörden nun Auffälligkeiten, die ihnen zuvor möglicherweise entgangen wären. Fussball wird aufgrund seiner weltweiten Verbreitung in diesem Netzwerk besonders genau überwacht. Die Gespa hält fest, dass die kommenden Jahre entscheidend sein werden, um festzustellen, ob der Anstieg eine nachhaltige, durch bessere Erkennung bedingte Entwicklung oder ein statistischer Ausreisser ist. Vorerst ist die Botschaft klar: Das globale Netz zieht sich enger zusammen, und Unregelmässigkeiten werden so häufig wie nie zuvor aufgedeckt.
Die rechtliche Realität in der Schweiz
Trotz des alarmierenden Anstiegs der Meldungen bleibt die Lage im Inland relativ ruhig, auch wenn Wachsamkeit weiterhin entscheidend ist. Meldungen mit einem klaren, konkreten Bezug zur Schweizer Gerichtsbarkeit sind nach wie vor selten. Im Berichtsjahr 2024 leitete die Gespa lediglich zwei Fälle an die Strafverfolgungsbehörden weiter, damit diese prüfen, ob in der Schweiz Straftaten begangen wurden. Bei den konkreten Fällen ging es um Auffälligkeiten auf dem Wettmarkt oder um auffällige Wetten auf Wettkämpfe im Ausland.
Die rechtliche Schwelle ist weiterhin hoch. Bemerkenswert ist, dass es 2024 in der Schweiz keine einzige Verurteilung wegen Spielmanipulation gab. Diese Diskrepanz zwischen der stark gestiegenen Zahl verdächtiger Meldungen und den fehlenden Verurteilungen verdeutlicht, wie schwierig es ist, Manipulation vor Gericht nachzuweisen. Zwar steigt der Rauch auf, doch das Feuer und die dafür Verantwortlichen zu finden, bleibt für die Schweizer Strafverfolgungsbehörden eine komplexe Herausforderung. Das System erkennt die Auffälligkeiten, doch diese Erkenntnisse in strafrechtliche Verurteilungen umzuwandeln, bleibt das letztlich schwer erreichbare Ziel.