Artenschutz
Geburt von Schneeleoparden-Jungtieren im Zoo Zürich ist ein Erfolg für den Artenschutz
Der Zoo Zürich feiert die Geburt von drei männlichen Schneeleoparden-Jungtieren und unterstreicht damit den Erfolg seines Zuchtprogramms zum Erhalt bedrohter Arten.

Im Zoo Zürich sind drei neue Leben auf die Welt gekommen und markieren einen wichtigen Erfolg für den weltweiten Artenschutz. Die drei männlichen Schneeleoparden-Jungtiere wurden am 9. Mai geboren und sind weit mehr als eine fotogene Attraktion: Sie sind eine biologische Lebensader für eine bedrohte Art. Noch haben sie keine Namen, doch ihre Anwesenheit spricht Bände. Nachdem sie ihre ersten, empfindlichen Wochen sicher in einer Wurfbox verbracht haben, erkunden die zweimonatigen Raubtiere nun mutig ihr Revier in der Panthera-Anlage.
Die Geburt der Jungtiere ist ein gezielter Erfolg. Verantwortliche des Zoo Zürich bestätigten, dass die drei blind und taub geborenen Tiere die besonders gefährliche erste Lebensphase erfolgreich überstanden haben. Nun wagen sie sich nach draussen und machen aus der nachgebildeten Berglandschaft des Zoos einen Trainingsplatz für ihre Instinkte. Hier wird Artenschutz greifbar, dringlich und unbestreitbar erfolgreich umgesetzt. Mit ihren ersten vorsichtigen Schritten in die Öffentlichkeit sind die Jungtiere ein Beleg für die sorgfältige Arbeit, die nötig ist, um eine Art vor dem Aussterben zu bewahren.
Das bergige Gelände meistern
Die Natur hat den Schneeleoparden für extreme Bedingungen geschaffen, und die Jungtiere zeigen bereits die biologischen Besonderheiten ihrer Art. Schon bei der Geburt war ihr Fell mit den charakteristischen dunklen Rosetten und Flecken gezeichnet, eine Meisterleistung der evolutionären Tarnung, die sie im kargen, felsigen Hochland Zentralasiens nahezu unsichtbar macht. Diese unauffällige Färbung ist nicht bloss ästhetisch: In freier Wildbahn kann sie über Leben und Tod entscheiden. Sie schützt verletzliche Jungtiere vor Fressfeinden und tarnt sie später als tödliche Jäger.
Die Jungtiere erkunden derzeit den «Berg»-Bereich ihrer Anlage, doch ihre Ausbildung hat gerade erst begonnen. In den kommenden Wochen werden sie die Laubwald- und Trockenwaldzonen kennenlernen und dabei ihre Anpassungsfähigkeit erproben. Diese Tiere sind auf Kraft ausgelegt. Ein ausgewachsener Schneeleopard kann unglaubliche 16 Meter weit springen, eine körperliche Leistung, die der Schwerkraft zu trotzen scheint. Auch wenn die Jungtiere derzeit noch «Fellknäuel» sind, bringen sie die genetischen Voraussetzungen mit, um zu Geistern der Berge zu werden, die sich selbst in den unwirtlichsten Landschaften der Erde zurechtfinden.
Der Krise des Aussterbens begegnen
Die Zahlen sind äusserst alarmierend: Heute leben in freier Wildbahn nur noch 3000 geschlechtsreife Schneeleoparden. Diese erschreckend geringe Zahl macht die verheerenden Folgen menschlicher Übergriffe und Gier deutlich. Die majestätischen Katzen werden unermüdlich wegen ihres dichten, luxuriösen Fells gejagt, des dichtesten unter allen Katzenarten. Auch ihre Körperteile werden für die traditionelle Medizin gehandelt. Jedes in Gefangenschaft geborene Jungtier ist ein direkter Gegenschlag gegen diese düsteren Zahlen.
Die Lage in freier Wildbahn ist prekär. Während die Jungtiere in Zürich ihre Anlage sicher erkunden, sind ihre Artgenossen in freier Wildbahn täglich Wilderern und dem Verlust ihres Lebensraums ausgesetzt. Die Art steht auf Messers Schneide. Der Kontrast ist scharf und beunruhigend: Hier werden die Tiere gefeiert, in freier Wildbahn werden sie gejagt. Dadurch wird der Zoo Zürich von einem Ort der Beobachtung zu einer Festung des Artenschutzes. Wir beobachten nicht einfach Tiere, sondern erleben, wie eine Art erhalten wird, die die Menschheit andernorts aktiv verdrängt.
Die genetische Zukunft sichern
Das Überleben ist nicht länger dem Zufall überlassen, sondern wird durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) gezielt gefördert. Der jüngste Erfolg des Zoo Zürich ist ein wichtiger Beitrag zu dieser international koordinierten Anstrengung. Das Ziel ist klar und steht nicht zur Diskussion: einen stabilen, genetisch vielfältigen Reservebestand zu erhalten, damit der Schneeleopard nicht aus der Geschichte verschwindet. Diese drei Männchen könnten künftig wichtige Zuchttiere werden und die genetische Vielfalt mitbringen, die den Bestand widerstandsfähig macht.
Die Schweiz leistet in den weltweiten Artenschutzbemühungen weiterhin einen überproportional grossen Beitrag. Mit seiner Teilnahme am EEP übernimmt der Zoo Zürich eine wichtige Rolle für die Zukunft der Art. Wenn die Jungtiere heranwachsen, werden sie wahrscheinlich in andere Einrichtungen wechseln, um den Zuchtzyklus fortzusetzen und so ein Sicherheitsnetz über den Kontinent zu spannen. In einer Welt, in der die Artenvielfalt rapide abnimmt, erinnert diese erfolgreiche Geburt eindrücklich daran, dass wir mit sorgfältiger Planung und wissenschaftlichem Engagement eine Zukunft für die scheuesten Raubtiere der Erde sichern können.