Wirtschaft
SNB dürfte im zweiten Quartal einen Gewinn von über 20 Milliarden Franken erzielen
Nach einem kleinen Verlust im ersten Quartal erwarten die Ökonomen der UBS, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) wieder deutlich profitabel sein wird. Sie rechnen im zweiten Quartal mit einem Gewinn von 19 bis 24 Milliarden Franken, hauptsächlich dank einer kräftigen Erholung ihres Aktienportfolios.

Im Herzen der Schweizer Finanzwelt zeichnet sich eine verblüffende Kehrtwende ab. Nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) im ersten Quartal einen Verlust von einer halben Milliarde Franken verbucht hatte, steuert sie nun auf einen gewaltigen Gewinn zu, der allein im zweiten Quartal bis zu 24 Milliarden Franken erreichen könnte. Das ist nicht bloss eine Erholung, sondern ein Comeback mit voller Kraft. Die von Alessandro Bee und Florian Germanier angeführten Ökonomen der UBS signalisieren, dass die Zentralbank ihren Kurs entschieden korrigiert hat. Diese massive Wende verdeutlicht die extreme Volatilität, die der modernen Bilanz der SNB innewohnt, in der Milliarden im Handumdrehen verschwinden oder auftauchen können. Die schiere Höhe dieses Gewinns, der das jährliche Bruttoinlandprodukt vieler kleiner Staaten übertrifft, bekräftigt die Stellung der SNB als globaler Finanzriese. Während der zweite Zwischenbericht näher rückt, hat sich die Erzählung von Sorge zu Zuversicht gewandelt. Das sorgt für einen optimistischen Grundton für die Schweizer Wirtschaft, während sie sich in einem komplexen globalen Umfeld bewegt.
Aktien legen kräftig zu, Gold verliert an Glanz
Ein Anstieg der Aktienwerte um 14 Prozent hat die Bilanz der SNB im Alleingang gerettet. UBS-Analysten schätzen, dass das Aktienportfolio der Bank im zweiten Quartal um beeindruckende 30 Milliarden Franken zulegte. Dieses kräftige Wachstum bot einen entscheidenden Puffer gegen den brutalen Abschwung an den Rohstoffmärkten. Im Gegensatz zum boomenden Aktienmarkt sackte der Goldpreis, traditionell ein sicherer Hafen, um mehr als 10 Prozent ab. Dadurch sank der Wert der enormen Goldreserven der Schweiz schmerzhaft um 15 Milliarden Franken. Dieses Tauziehen zwischen den Anlageklassen zeigt, wie hoch das Risiko ist, das die SNB mit ihren diversifizierten Anlagen eingeht. Das Wertschriftenportfolio blieb weitgehend ausgeglichen und stand dabei hohen US-Renditen sowie sinkenden Zinssätzen in Frankreich und Deutschland gegenüber. Letztlich waren es jedoch die Aktienmärkte, die den Ausschlag gaben. Die Abhängigkeit der SNB von der Entwicklung der globalen Aktienmärkte war noch nie so offensichtlich. Sie zeigt, dass selbst eine Zentralbank den Launen der Wall Street und des Silicon Valley nicht entgeht.
Wechselkursschwankungen bringen Milliarden ein
Der strategische Rückzug des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar hat eine verborgene Quelle von Devisengewinnen erschlossen. Mit der Abwertung des Frankens stieg der Wert der auf US-Dollar lautenden Anlagen der SNB und brachte zusätzliche 3 Milliarden Franken Gewinn ein. Diese Wechselkursentwicklung, die Schweizer Exporteuren oft Kopfzerbrechen bereitet, ist für das Ergebnis der Zentralbank zu einem lukrativen Rückenwind geworden. Zudem steuerten stetige Zinserträge und Dividenden weitere 4 Milliarden Franken bei und bildeten ein verlässliches Fundament unter den volatileren Marktbewegungen. Jede Wechselkursbewegung und jede Dividendenausschüttung globaler Unternehmen ist nun ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Strategie für den nationalen Wohlstand. Diese Verflechtung bedeutet, dass die SNB nicht mehr bloss eine inländische Aufsichtsbehörde ist. Sie ist ein globales Anlagekraftzentrum, dessen Erfolg untrennbar mit der Stärke des US-Dollars und der Rentabilität internationaler Unternehmen verbunden ist. Die Fähigkeit der Bank, diese Schwankungen zu nutzen, zeugt von einer ausgefeilten, wenn auch riskanten Beherrschung der globalen Kapitalströme.
Was dieser Überschuss für die Schweizerische Eidgenossenschaft bedeutet
Angesichts eines möglichen Gewinns von mehr als 20 Milliarden Franken richtet sich die Debatte nun auf die unausweichliche Frage: Wer erhält das Geld? Das Hauptmandat der SNB ist die Preisstabilität, nicht der Gewinn. Ein derart hoher Überschuss entfacht jedoch die Debatte über Ausschüttungen an den Bund und die Kantone erneut. Nach Jahren mit geringen Ausschüttungen und technischen Verlusten bietet dieser Geldsegen eine wichtige Unterstützung für öffentliche Projekte und Sozialausgaben in der ganzen Schweiz. Dennoch ist Vorsicht geboten. Die Ergebnisse der SNB sind bekanntermassen volatil, und der heutige Gewinn in Milliardenhöhe kann bei einer Verschlechterung der globalen Märkte leicht zum morgigen Defizit werden. Der prognostizierte Gewinn zeugt von der Widerstandsfähigkeit der Anlagestrategie der SNB, erinnert aber auch an die Risiken, die mit der Verwaltung von Vermögenswerten im Umfang von fast einer Billion Franken verbunden sind. Während sich die Bank auf die Veröffentlichung ihres offiziellen zweiten Zwischenberichts vorbereitet, werden sowohl die Schweizer Bevölkerung als auch die Politikerinnen und Politiker genau hinsehen. Die Folgen sind klar: Die SNB schreibt wieder schwarze Zahlen, doch in der Welt der Zentralbanken ist der Wandel die einzige Konstante.