Wirtschaft
Schweizerische Nationalbank belässt Leitzins unverändert, während sich die Wachstumsprognosen für 2026 eintrüben
Die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins angesichts der globalen Unsicherheit unverändert bei 0,0 Prozent belassen. Der Entscheid fällt, während die Expertengruppe des Bundes ihre Wachstumsprognosen für die Wirtschaft senkt und ein unterdurchschnittliches Jahr für die Schweizer Wirtschaft erwartet.

Null Prozent. Diese Zahl bestimmt ein weiteres Quartal lang die Schweizer Geldpolitik. In einem richtungsweisenden Entscheid beliess die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 0,0 Prozent. Damit hält sie ihn seit Juni 2025 zum dritten Mal in Folge stabil. Analystinnen und Analysten hatten diesen Entscheid zwar erwartet, doch das Umfeld ist alles andere als ruhig.
SNB-Präsident Martin Schlegel und sein Team bewegen sich in einem heiklen Umfeld. Die Inflation lag im Februar mit 0,1 Prozent auf einem vernachlässigbaren Niveau und damit gleich hoch wie zu Jahresbeginn. Für eine Zinserhöhung bestand für die Zentralbank somit kein unmittelbarer Anlass. Eine Zinssenkung lehnte sie jedoch ab und hält an ihrer defensiven Haltung angesichts der globalen Volatilität fest. Der Entscheid erinnert an die Vorsicht auf der anderen Seite des Atlantiks, wo auch die US-Notenbank Federal Reserve am Mittwoch ihren Leitzins unverändert beliess. Die Botschaft aus Bern ist klar: In einer Zeit grosser Unsicherheit zählt vor allem Stabilität.
Wachstumsmotor stottert: Prognosen deutlich gesenkt
Die Wirtschaftsaussichten für die Schweiz haben sich eingetrübt. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat seine Wachstumsprognose für 2026 offiziell auf bescheidene 1,0 Prozent gesenkt. Im Dezember hatte sie noch bei 1,1 Prozent gelegen. Das ist nicht bloss eine statistische Anpassung, sondern ein Warnsignal: Die Schweizer Wirtschaft steht vor einem unterdurchschnittlichen Jahr.
Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) zeichnet ein noch düstereres Bild. Sie teilt zwar die Grundprognose von 1 Prozent, warnt aber, dass das Wachstum auf magere 0,7 Prozent sinken könnte, falls die Ölpreise nicht zurückgehen. Die Unternehmensinvestitionen sind schwach, belastet durch geringe Erträge und lähmende politische Unsicherheit. Die Sparpläne des Bundes bremsen eine Wirtschaft zusätzlich, die nur schwer in Schwung kommt. Statt einer dynamischen Expansion zeichnet sich ein Jahr mit zähem, langsamem Fortschritt ab.
Die Stärke des Frankens: zweischneidiges Schwert
Der Schweizer Franken zeigt seine Stärke, und das hat seinen Preis. Seit Mitte Dezember ist sein handelsgewichteter Wert um rund 2,5 Prozent gestiegen. Eine starke Währung schützt zwar vor importierter Inflation und hält die Teuerung in der Schweiz im internationalen Vergleich sehr tief, sie bremst jedoch das Wachstum.
Martin Schlegel äusserte sich deutlich zur Stärke der Währung und sagte, diese Aufwertung habe zu einer «Verschärfung der monetären Bedingungen» geführt. Für Schweizer Exporteure ist dies ein empfindlicher Rückschlag, denn ihre Waren werden auf einem ohnehin hart umkämpften Weltmarkt teurer. Die SNB hat eine klare Warnung ausgesprochen: Bei einer zu raschen Aufwertung sei sie «eher bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren». Die Nationalbank bewegt sich auf einem schmalen Grat: Sie setzt den Franken ein, um die Inflation zu dämpfen, will aber zugleich die für das Land wichtige Exportwirtschaft nicht abwürgen.
Geopolitisches Minenfeld: Öl, Zölle und Handel
Die Schweiz bewegt sich durch ein geopolitisches Minenfeld. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat den weltweiten Energietransport beeinträchtigt. Deshalb hat die SNB ihre Inflationsprognose für 2026 von zuvor 0,3 auf 0,5 Prozent angehoben. Der starke Franken federt einen Teil dieses Schocks ab, doch anhaltend hohe Ölpreise belasten die Wirtschaftsmodelle der KOF erheblich.
Die Gefahr geht jedoch nicht nur von den Ölfeldern aus, sondern auch von den Handelsabkommen. Die drohenden US-Zölle bleiben ein erhebliches Risiko für die exportorientierte Schweiz. KOF-Ökonominnen und -Ökonomen warnen ausdrücklich, dass der Druck der US-Regierung, die Arzneimittelpreise zu senken, den wichtigen Schweizer Pharmasektor «erheblich beeinträchtigen» könnte. Während Bern versucht, mit Washington ein neues Handelsabkommen auszuhandeln, muss die SNB zudem vorsichtig vorgehen, um Vorwürfe der Währungsmanipulation zu vermeiden. Die Risiken liegen vor allem auf der Abwärtsseite, und die Schweiz ist diesen globalen Erschütterungen stärker ausgesetzt als der Durchschnitt.
Widerstandsfähiger Konsum: Schutzschild im Inland
Inmitten pessimistischer Prognosen und geopolitischer Bedrohungen stehen die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten als letzte Verteidigungslinie da. Der private Konsum bleibt robust und ist eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Dank tiefer Inflation und stabiler Lohnentwicklung geben die Schweizer Haushalte weiterhin Geld aus und trotzen damit der allgemeinen Konjunkturabkühlung.
Auch wenn die Arbeitslosenquote bis Mitte 2026 voraussichtlich leicht steigt, halten Fachleute den Arbeitsmarkt für stark genug, um diesen Konsum zu stützen. Der Dienstleistungssektor, darunter Finanzwesen, Handel, IT und Tourismus, trägt weiterhin seinen Teil bei und gleicht die Schwierigkeiten der Industrie aus. Während der Bund den Gürtel enger schnallt und Unternehmen bei Investitionen zögern, halten die gewöhnlichen Schweizerinnen und Schweizer mit ihrem Geldbeutel die Wirtschaft am Laufen. Vorläufig stemmt sich die Widerstandskraft im Inland gegen das globale Chaos.