Wirtschaft
SNB senkt Leitzins angesichts sinkender Inflation auf null
Die Schweizerische Nationalbank nimmt eine bedeutende geldpolitische Kursänderung vor und senkt ihren Leitzins nach einem anhaltenden Rückgang der Inflation auf 0 Prozent.

Die Ära der positiven Zinsen ist offiziell vorbei. Mit einem entschlossenen Schritt, der die Grundlagen der Schweizer Finanzlandschaft erschüttert, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt und ihn per 20. Juni 2025 auf genau 0 Prozent gebracht. Das ist keine Übung, sondern ein kalkulierter Gegenschlag gegen eine stagnierende Wirtschaft. Die aggressive Kursänderung der Zentralbank folgt unmittelbar auf eine erstaunliche Erkenntnis: Die Inflation ist verschwunden. Nachdem das Preiswachstum erstmals seit 2021 negativ geworden ist, blieb der SNB keine andere Wahl, als zu handeln. Die Botschaft ist unmissverständlich: Der Kampf gegen die Inflation ist vorbei, der Kampf gegen die Deflation hat begonnen. Dieser Ausgangswert von 0 Prozent ist eine entscheidende Neuausrichtung für Hypotheken, Ersparnisse und die Gesamtwirtschaft. Er signalisiert, dass die SNB der Liquidität Vorrang vor Rendite einräumt, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.
Deflationskälte trifft hart
Die Preise stürzen ab, und die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild. Die Inflation kühlte sich nicht bloss ab, sie kam zum Erliegen und sank von 0,3 Prozent im Februar auf frostige minus 0,1 Prozent im Mai. Ursache für diesen Rückgang sind der starke Fall der Ölpreise und ein nachlassender Tourismussektor, dem es schwerfällt, an seine Dynamik nach der Pandemie anzuknüpfen. Die SNB räumt ein, dass das Preiswachstum nun deutlich unter dem Zielwert liegt, ein gefährlicher Bereich für jede Zentralbank. Ohne diese dringende Zinssenkung wäre die Prognose noch düsterer ausgefallen. Nun rechnet die Bank für das gesamte Jahr 2025 mit einer mageren durchschnittlichen Jahresteuerung von nur 0,2 Prozent. Dieser Deflationsdruck zwingt die Entscheidungsträger zum Handeln: Sie müssen nun die Ausgaben ankurbeln, und zwar in einem Umfeld, in dem es zunehmend attraktiv wird, Bargeld zu halten.
Globale Turbulenzen gefährden das Wachstum
Die Schweiz ist eine Insel der Stabilität in einem globalen Ozean des Chaos. Während die heimische Wirtschaft mit Deflation ringt, bleibt das internationale Umfeld verhalten und risikoreich. Das Wachstum im ersten Quartal 2025 war bestenfalls moderat, doch die Aussichten trüben sich ein. Die Handelsspannungen nehmen zu und werfen einen langen Schatten auf die Schweizer Exporte. Das Basisszenario der SNB ist düster und geht von einer weiteren weltweiten Abkühlung in den kommenden Quartalen aus. Wir erleben eine auseinanderlaufende Entwicklung: Während die Inflation in Amerika voraussichtlich steigen wird, dürfte sie in Europa weiter sinken. Diese Volatilität macht die Lage für die Schweizer Entscheidungsträger heikel. Sie warnen, dass die Risiken hoch bleiben. Zusätzliche Handelshemmnisse oder unerwartete finanzpolitische Schocks im Ausland könnten die fragile Erholung im Inland zunichtemachen.
Der Franken behauptet sich
An den Devisenmärkten herrscht Nervosität. Der Schweizer Franken, ein bewährter sicherer Hafen, legte nach der Ankündigung leicht zu und widersetzte sich damit den Erwartungen jener, die mit einer stärkeren Senkung gerechnet hatten. Experten der UBS erklären, dass der Markt gespalten war und viele eine drastischere Senkung um 50 Basispunkte erwartet hatten. Das Ergebnis: Der Franken weigert sich, gegenüber dem Euro deutlich an Wert zu verlieren. Die SNB hat ihre Bereitschaft zum Eingreifen bekräftigt, Analysten glauben jedoch, dass die Zentralbank vorerst nicht handeln wird. Ein Eingreifen ist wahrscheinlich nur dann zu erwarten, wenn der Franken rasch und destabilisierend aufwertet. Anders als bei der verzweifelten Verteidigung der Untergrenze von 1.20 vor einem Jahrzehnt verfolgt die SNB heute einen differenzierteren Ansatz. Sie lässt die Marktkräfte wirken und behält den Wechselkurs gleichzeitig aufmerksam im Auge.
Noch keine Rückkehr in den Negativzinsbereich
Die schattenhaften Erinnerungen an die Zeit mit einem Zinssatz von minus 0,75 Prozent, als Banken ihren Kundinnen und Kunden Gebühren für Einlagen verrechneten, sind im kollektiven Schweizer Bewusstsein noch präsent. Steuern wir zurück auf die verkehrte Welt der Negativzinsen? Vorerst lautet die Antwort offenbar nein. Die Senkung auf 0 Prozent ist zwar drastisch, aber eine kalkulierte Untergrenze und keine Falltür. Die Prognosen der SNB für 2026 und 2027 deuten auf eine langsame Rückkehr zur Normalität hin. Die Inflation dürfte auf 0,5 beziehungsweise 0,7 Prozent steigen. Der weitere Weg ist jedoch alles andere als sicher. Sollte sich die globale Abkühlung verstärken oder sich die Deflation festsetzen, könnte die SNB gezwungen sein, auf Instrumente zurückzugreifen, die sie hinter sich lassen wollte. Für Schweizer Sparerinnen, Sparer und Anlegerinnen und Anleger lautet die Botschaft: Vorsicht. Die Zeiten einfacher Renditen sind vorbei, und die Realität von Nullzinsen dürfte auf absehbare Zeit bestehen bleiben.