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Swiss Observer

Swiss Market Index (SMI) übertrifft erstmals die Marke von 14'000 Punkten

Der Schweizer Aktienmarkt hat einen neuen historischen Höchststand erreicht: Der Leitindex SMI durchbrach am Dienstag die Marke von 14'000 Punkten. Ausschlaggebend waren starke Kursgewinne bei Lebensmittel- und defensiven Aktien, trotz der Unsicherheit an den globalen Märkten.

Swiss Market Index (SMI) übertrifft erstmals die Marke von 14'000 Punkten
AISWI swissinfo.ch

Am Dienstag um exakt 14.34 Uhr wurde Geschichte geschrieben. In einem eindrücklichen Beweis finanzieller Widerstandskraft durchbrach der Swiss Market Index (SMI) erstmals seit seiner Einführung die psychologisch wichtige Marke von 14'000 Punkten. Während die globalen Märkte erzittern, behauptet sich Zürich. Um 15.35 Uhr hatte der Index die Marke nicht nur gehalten, sondern war weiter auf 14'020 Punkte gestiegen. Damit legte er gegenüber dem Schlussstand des Vortags kräftige 1,1 Prozent zu.

Das ist nicht einfach nur eine Zahl, sondern ein Bekenntnis zum Vertrauen in die Schweizer Wirtschaft. Der Durchbruch ist eine trotzige Antwort auf die Volatilität, die den internationalen Börsen zu schaffen macht. Während die Wall Street versucht, einen jüngsten Einbruch abzuschütteln, und die europäischen Nachbarn kaum vorankommen, hat sich der SMI vom allgemeinen Lärm abgekoppelt. Händler auf dem Börsenparkett beschreiben eine Atmosphäre kalkulierten Optimismus, getragen von einer Flucht in Qualität, die Kapital in Schweizer Vermögenswerte fliessen lässt. Die Botschaft ist klar: Wenn die Welt ins Wanken gerät, fliesst klug investiertes Geld in die Schweiz.

Schokolade und Pharma treiben den Höhenflug an

Kein Zweifel: Dieser Rekord ist den Schweizer Industriegiganten zu verdanken. Nicht spekulative Technologiewerte trieben den Höhenflug an, sondern das Fundament der Schweizer Wirtschaft: Lebensmittel und Pharmazeutika. Nestlé, das Schwergewicht im Index, legte kräftig um 2,7 Prozent zu und war damit der wichtigste Motor des Tages. Anleger greifen zu defensiven Aktien und suchen Schutz bei Unternehmen, die unabhängig vom geopolitischen Umfeld Erträge erzielen.

Noch kräftiger fielen die Gewinne bei den Schweizer Schokoladenherstellern aus. Barry Callebaut schoss um beachtliche 6,3 Prozent nach oben, während der Premiumhersteller Lindt & Sprüngli mit einem Plus von 2,7 Prozent mit Nestlé gleichzog. Auch die Pharmariesen leisteten wichtige Unterstützung: Roche stieg um 1,0 Prozent und Novartis legte um 0,9 Prozent zu. Der breite Aufschwung in diesem Sektor zeigt, dass der Markt in turbulenten Zeiten greifbare Produkte und defensive Stabilität höher bewertet als risikoreiche Spekulation. Diese «langweiligen» Aktien sind derzeit die spannendste Anlage auf dem Kontinent.

Eine Insel der Stabilität im volatilen Europa

Der Gegensatz könnte kaum deutlicher sein. Während der SMI in unbekannte Höhen stieg, geriet der deutsche DAX ins Straucheln und verlor 0,2 Prozent, während die Eurozone von Sorgen erfasst wurde. Der französische Markt verzeichnete nur geringe Gewinne. Das verdeutlicht die wachsende Divergenz zwischen der Schweiz und ihren Nachbarn. Die Schweiz hat sich faktisch von der negativen Stimmung abgekoppelt, die den Kontinent nach unten zieht. Verstärkt wird dies durch eine «Flucht in Qualität», die laut Händlern auch vom anhaltend starken Schweizer Franken begünstigt wird.

Diese Widerstandskraft ist angesichts der instabilen Lage an den US-Märkten besonders beeindruckend. Trotz eines jüngsten Einbruchs in New York hat sich die Schweizer Börse dem Sog des amerikanischen Pessimismus entzogen. Während die US-Märkte auf einen positiven Handelsstart zusteuern, hat die Schweizer Börse die Führung übernommen. Damit zeigt sich erneut, dass ihr Portfolio aus hochwertigen, global diversifizierten Unternehmen einen einzigartigen Schutz gegen regionale Abschwünge bietet. Die Schweiz übersteht den aktuellen Marktzyklus nicht nur, sie dominiert ihn.

Drohende Schatten: Zölle und Geopolitik

Trotz der knallenden Champagnerkorken in Zürich ist der globale Horizont weiterhin von dunklen Gewitterwolken verhangen. Der Markt erklimmt eine «Mauer der Sorgen», während Anleger nervös nach Washington blicken. Die Finanzwelt steht weiterhin unter dem Einfluss der unberechenbaren US-Zollpolitik. Die Folgen eines bevorstehenden Urteils des Obersten Gerichtshofs der USA zu Zöllen sind noch nicht absehbar. Die Gefahr eines Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie das disruptive Potenzial künstlicher Intelligenz halten die Risikoprämien hoch.

Alle Augen richten sich nun auf Mittwochabend, wenn US-Präsident Donald Trump voraussichtlich eine Rede an die Nation halten wird. Anleger hoffen dringend auf Klarheit über die Zollstrategie der Regierung. Diese könnte den Höhenflug weiter antreiben oder abrupt beenden. Vorerst hat sich der Schweizer Markt jedoch dafür entschieden, das geopolitische Rauschen zu ignorieren und darauf zu setzen, dass seine Blue Chips jedem Sturm aus dem Weissen Haus standhalten. Die Marke von 14'000 Punkten ist durchbrochen, doch ob sie gehalten werden kann, hängt von den nächsten Zügen auf dem globalen Schachbrett ab.