Finanzen
SIX Group kündigt im Rahmen umfassender Restrukturierung 150 Stellenstreichungen an
Der Schweizer Börsenbetreiber SIX kündigt an, bis Ende Jahr 150 Stellen abzubauen. Unter dem Druck des Wettbewerbs sollen so 120 Millionen Franken eingespart werden.

Die SIX Group schärft die Axt. Der Betreiber der Schweizer Börse hat angekündigt, bis Ende 2025 bis zu 150 Stellen abzubauen. Mit diesem entschlossenen Schritt sollen in den kommenden drei Jahren Kosteneinsparungen von über 120 Millionen Franken erzielt werden. Dabei geht es nicht bloss um einen kleinen Abbau, sondern um eine gezielte Restrukturierung angesichts des unerbittlichen Wettbewerbsdrucks. Das Unternehmen bezeichnet dies zwar als Effizienzsteigerung, doch die Dringlichkeit ist spürbar. Die Betriebskosten stiegen im vergangenen Jahr um 4,1 Prozent auf 1,14 Milliarden Franken. Diese Entwicklung will die Gruppe umkehren.
Der Restrukturierungsplan wird sofort und konsequent umgesetzt. Indem SIX innerhalb eines einzigen Kalenderjahres 150 Stellen abbauen will, signalisiert das Unternehmen, dass der Status quo nicht länger tragbar ist. SIX weist darauf hin, dass natürliche Fluktuation und Frühpensionierungen einen Teil der Auswirkungen abfedern werden. Die Botschaft ist jedoch klar: Die Organisation muss schlanker werden, um zu überleben und erfolgreich zu sein. Der Schritt erfolgt, während der Finanzinfrastrukturriese seine Abläufe straffen und «seinen Geschäftsmix besser nutzen» will. Das ist eine unternehmerische Umschreibung dafür, dort den Gürtel enger zu schnallen, wo es am wichtigsten ist.
Ehrgeizige Ziele: Der Kampf um eine Marge von 40 Prozent
Mittelmässigkeit ist für die SIX Group keine Option. Das Unternehmen hat sich eine neue, aussergewöhnlich hohe Rentabilitätsmarke gesetzt: Die EBITDA-Marge soll von respektablen 28 Prozent im Jahr 2024 auf stolze 40 Prozent bis 2027 steigen. Das ist kein sanfter Anstieg, sondern ein steiler Weg, der eine einwandfreie Umsetzung erfordert. Die Gruppe hat sich ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich zum Ziel gesetzt, gestützt auf eine Strategie, die organisches Wachstum mit möglichen Übernahmen verbindet.
Der Leistungsdruck ist gross. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) liegt derzeit bei 443,7 Millionen Franken, 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Sprung auf über 40 Prozent erfordert eine grundlegende Steigerung der betrieblichen Effizienz. SIX erklärt damit ineffizienten Abläufen den Kampf und verspricht, die Wachstumsstrategie zu beschleunigen, um den Eigentümern gerecht zu werden. Zu ihnen gehören einige der mächtigsten Finanzinstitute der Welt. Das ehrgeizige Ziel macht deutlich, weshalb der Stellenabbau gerade jetzt erfolgt: Er soll den Weg für eine profitablere Zukunft mit höherem Wachstumstempo ebnen.
Geografische Verschiebung: Die Schweiz schrumpft, Spanien wächst
Die Folgen der Restrukturierung werden auch in der Schweiz zu spüren sein. SIX ist zwar weltweit tätig, doch die Zahl der Beschäftigten in der Schweiz geht bereits zurück. Im vergangenen Jahr sank sie hierzulande um 1,4 Prozent, während die Belegschaft in Spanien deutlich um 9,6 Prozent zunahm. Derzeit entfallen 52 Prozent der gesamten Belegschaft auf die Schweiz, rund 2310 Mitarbeitende. Die Entwicklung verschiebt sich jedoch.
Ein SIX-Sprecher bestätigte gegenüber der AWP, dass «auch in der Schweiz Stellen abgebaut werden». Konkrete Zahlen zu den einzelnen Standorten wollte das Unternehmen jedoch nicht nennen. Dieses Schweigen verstärkt die Anspannung unter den Beschäftigten in der Schweiz. Die Übernahme der spanischen Börse BME im Jahr 2020 für 2,5 Milliarden Franken hat den Schwerpunkt der Gruppe eindeutig verschoben. Während der Geschäftsbereich in Spanien wächst und jener in der Schweiz schrumpft, werfen die bevorstehenden 150 Stellenstreichungen wichtige Fragen zur langfristigen geografischen Präsenz dieser typisch schweizerischen Institution auf. Der Trend deutet auf eine strategische Neuausrichtung hin: Die Arbeitskosten sollen optimiert werden, indem Stellen auf die europäischen Standorte verteilt werden.
Die Belastung durch Worldline: Sie drückt auf das Ergebnis
Trotz operativer Fortschritte hat SIX mit einem erheblichen finanziellen Bremsklotz zu kämpfen: Worldline. Der französische Zahlungsdienstleister belastet das Ergebnis der Gruppe erneut. Der Betriebsertrag stieg zwar um 4 Prozent auf 1,59 Milliarden Franken, doch die endgültigen Gewinnzahlen zeichnen ein deutlich turbulenteres Bild. Eine erhebliche Wertberichtigung von 167,7 Millionen Franken auf der Beteiligung an Worldline liess das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) einbrechen. SIX erzielte 2024 dadurch nur einen Reingewinn von 38,7 Millionen Franken.
Das ist eine Erholung, aber eine fragile. Sie steht in starkem Kontrast zum Vorjahr, als das Unternehmen einen katastrophalen Verlust von 1,01 Milliarden Franken erlitt, der grösstenteils auf Probleme mit Worldline und Abschreibungen in Spanien zurückzuführen war. Der Schatten dieses Verlusts in Milliardenhöhe wirkt noch immer nach. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist zwar ein positives Signal, doch die hohen Abschreibungen zeigen, wie schwankungsanfällig das Anlageportfolio von SIX ist. Das Kerngeschäft ist gesund, doch externe Beteiligungen belasten das Ergebnis weiterhin. Deshalb sucht das Unternehmen bei sich selbst nach den diese Woche angekündigten Kosteneinsparungen.
Zahltag für Aktionäre: Höhere Dividenden trotz Stellenabbau
Die Aktionäre erhalten mehr, während den Mitarbeitenden der Stellenabbau droht. Damit wird der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit deutlich. SIX hat eine Dividendenerhöhung um 10 Rappen angekündigt. Für das Geschäftsjahr 2024 steigt die Ausschüttung damit auf 5.30 Franken pro Aktie. Für die Eigentümer, rund 120 Finanzinstitute, darunter die Grossbank UBS mit einem dominierenden Anteil von 34,5 Prozent, verspricht die Restrukturierung schlankere Abläufe und höhere Renditen.
Die Dividendenerhöhung sendet eine deutliche Botschaft zu den Prioritäten des Unternehmens. Trotz des knappen Reingewinns von 38,7 Millionen Franken und des bevorstehenden Stellenabbaus ist das Vertrauen in den Cashflow hoch. Die Strategie ist klar: Kosten senken, Margen steigern und die Schwergewichte des Schweizer Finanzsektors belohnen, denen die Börse gehört. Während SIX diesen Wandel bewältigt, liegt der Fokus klar darauf, den Banken als Eigentümern Wert zu liefern. So soll die «Infrastruktur des Schweizer Finanzplatzes» ein lukratives Vermögen bleiben, ungeachtet der menschlichen Kosten des Effizienzprogramms.