Wohnraum
Wohnkosten setzen Arbeitskräfte in Schweizer Skiorten unter Druck
Eine Studie des Bundes kommt zum Schluss, dass Wohnkosten für Saisonarbeitskräfte in Schweizer Skiorten die grösste Schwierigkeit darstellen. Dies gefährdet die Fähigkeit der Destinationen, Personal zu rekrutieren und zu halten.

Wohnkosten sind für Saisonarbeitskräfte in Schweizer Skiorten zum grössten Hindernis geworden, wie aus einer am 11. September 2026 veröffentlichten Studie des Bundes hervorgeht. Der Befund setzt Destinationen unter Druck, die im Winter auf temporäres Personal angewiesen sind, um Hotels, Restaurants, Skischulen und andere Dienstleistungen zu betreiben.
Forschende der Universität Lausanne befragten mehr als 80 Saisonarbeitskräfte in Adelboden im Kanton Bern, in Leysin und Villars-sur-Ollon im Kanton Waadt sowie in Saas-Fee im Kanton Wallis. Die Studie wurde vom Bund und den drei Kantonen in Auftrag gegeben.
Die Forschenden stellten fest, dass sich die Wohnsituation von Skiort zu Skiort unterscheidet, die Bezahlbarkeit jedoch überall ein Thema ist. Wer einen zu grossen Teil des Lohns für die Miete ausgibt, hat während der Saison kaum Geld zum Sparen übrig. Das kann die Attraktivität saisonaler Beschäftigung schmälern, insbesondere für Menschen, die ohne bestehende Kontakte vor Ort in die Schweiz kommen.
Das Bundesamt für Wohnungswesen erklärte, dass geeignete Unterkünfte den Skiorten helfen, Arbeitskräfte anzuziehen und längerfristig zu halten. Angesichts der starken Arbeitskräftenachfrage im alpinen Tourismus ist der Zugang zu einem Zimmer in der Nähe des Arbeitsplatzes für die Skiorte selbst zu einer betrieblichen Frage geworden.
Arbeitskräfte suchen bezahlbare, saubere Zimmer in Arbeitsplatznähe
Bezahlbarer Wohnraum ist für Saisonarbeitskräfte wichtiger als Komfort und Luxus, wie die Studie ergab. Die Arbeitskräfte möchten in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen. Sauberkeit, praktische Einrichtung und genügend Platz sind ihnen wichtiger als hochwertige Annehmlichkeiten.
Diese Präferenz hängt mit der Struktur saisonaler Beschäftigung zusammen. Wer mehrere Monate in einem Skiort arbeitet, hat möglicherweise nur wenig Zeit und Einkommen, um lange Arbeitswege oder hohe Mieten in Kauf zu nehmen. Eine Unterkunft weit vom Arbeitsplatz entfernt kann zudem zusätzliche Transportkosten verursachen und den Umgang mit frühen Schichten, spätem Restaurantbetrieb oder wechselhaftem Wetter erschweren.
Gemeinschaftsunterkünfte sind bei Saisonarbeitskräften verbreitet, doch Privatsphäre bleibt wichtig. Die Studie hält den Wunsch nach Wohnformen fest, die persönlichen Freiraum bieten und zugleich erschwingliche Mieten ermöglichen. Wenn die Unterkunft zu viel vom Lohn verschlingt, bleiben am Ende der Saison nur geringe Ersparnisse. Damit fällt einer der wichtigsten finanziellen Gründe weg, aus denen Menschen in der Schweiz befristete Stellen annehmen.
Die Ergebnisse zeigen auch den Arbeitgebern deutlicher, was die Arbeitskräfte benötigen. Ein einfaches, sauberes Zimmer in der Nähe des Arbeitsplatzes kann wertvoller sein als eine grössere Unterkunft an einem entfernten Ort. Für Skiorte gehören Personalunterkünfte und Mietregelungen damit zur Personalplanung und sind keine freiwillige Zusatzleistung.
Lokale Netzwerke entscheiden, wer ein Zimmer bekommt
Der Mangel lässt sich nicht allein mit der Zahl verfügbarer Immobilien erklären. Laut der Studie schaffen auch die Art der Bereitstellung und die Zuteilung der Unterkünfte Hürden für Saisonarbeitskräfte.
Neuankömmlinge sind oft auf persönliche Kontakte oder frühere Erfahrungen in einem bestimmten Skiort angewiesen. Wer bereits mehrere Saisons am selben Ort gearbeitet hat, kennt eher Vermietende, Arbeitgebende und informelle Wege, ein Zimmer zu finden. Wer zum ersten Mal kommt, hat möglicherweise Mühe, Zugang zu diesem Netzwerk zu erhalten, selbst wenn geeignete Unterkünfte vorhanden sind.
Die Forschenden nennen Plattformen, Unterstützungsangebote und Arbeitgebende, die als Vermittler auftreten, als mögliche Wege, den Zugang zu verbessern. Ein zentrales Verzeichnis könnte Arbeitskräften helfen, verfügbare Zimmer bereits vor ihrer Ankunft zu finden. Unterstützung durch Arbeitgebende könnte zudem Unsicherheiten bei Verträgen, Kautionen und kurzen Mietdauern verringern.
Flexible Mietverhältnisse erwiesen sich bei Workshops und Gesprächen zum Thema als ein weiterer möglicher Ansatz. Übliche Mietverträge passen möglicherweise nicht zu Menschen, die jedes Jahr nur einige Monate in der Schweiz arbeiten. Klarere Optionen für kurze Mietdauern könnten Vermietenden helfen, ihre Immobilien zu belegen, und den Arbeitskräften gleichzeitig rechtliche und finanzielle Sicherheit bieten. Die Studie verweist auch auf die Bedeutung von Beratung und Vernetzung, insbesondere für Menschen, die den lokalen Wohnungsmarkt nicht kennen.
Skiorte müssen gemeinsam auf die Wohnungsfrage reagieren
Die Studie sieht die Verantwortung bei der gesamten Wirtschaft eines Skiorts, statt Wohnen als privates Problem einzelner Arbeitskräfte zu behandeln. Sie fordert Gemeinden, Arbeitgebende, Kantone, Tourismusorganisationen und private Vermietende dazu auf, ihre Massnahmen aufeinander abzustimmen.
Eine Möglichkeit besteht darin, gezielt Unterkünfte für Saisonarbeitskräfte zu bauen oder bereitzustellen. Solche Projekte könnten lokale Behörden und Tourismusbetriebe einbeziehen und auf die Gegebenheiten des jeweiligen Skiorts zugeschnitten sein. Die Forschenden betonen, dass sich die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche in Adelboden, Leysin, Saas-Fee und Villars-sur-Ollon unterscheiden. Ein einheitliches nationales Modell würde deshalb nicht allen lokalen Einschränkungen gerecht.
Arbeitgebende können auch als Vermittler zwischen Arbeitskräften und Vermietenden auftreten. Tourismusorganisationen könnten helfen, die Nachfrage mehrerer Betriebe zu koordinieren, während Gemeinden geeignete Standorte ausfindig machen oder Planungsvorschriften klären könnten. Private Vermietende bleiben ein wichtiger Teil des Angebots, insbesondere in Skiorten, in denen nur begrenzt neu gebaut werden kann.
Das Bundesamt für Wohnungswesen sagt, dass gemeinsames Handeln nötig ist, weil saisonale Arbeitskräfte die gesamte Besucherwirtschaft unterstützen. Hotels, Restaurants, Bergverkehrsbetriebe und andere Unternehmen konkurrieren auf denselben kleinen Wohnungsmärkten um Personal. Eine Koordination könnte verhindern, dass jeder Arbeitgeber allein versucht, das Problem zu lösen.
Wohnraum wird die nächste Wintersaison in den Alpen prägen
Rekrutierung und Mitarbeiterbindung hängen inzwischen teilweise davon ab, ob sich Arbeitskräfte das Wohnen an ihrem Arbeitsort leisten können. Die Studie des Bundes stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Wohnraum und der Fähigkeit der Schweizer Feriendestinationen her, ihre Belegschaft langfristig zu halten.
Dieser Druck entsteht in einer Zeit, in der die Unterkunftskosten den breiteren alpinen Tourismusmarkt prägen. Zu den Schweizer Skiorten gehören bereits einige der teuersten Feriendestinationen des Landes. Eine steigende Nachfrage von Gästen kann den Wettbewerb um den knappen Wohnraum verschärfen. Saisonarbeitskräfte erzielen oft nur während eines Teils des Jahres ein Einkommen. Deshalb sind die Mietpreise besonders bedeutsam, selbst wenn Arbeit vorhanden ist.
Die Studie gibt keine einzelne Lösung für alle Gemeinden vor. Stattdessen verweist sie auf lokale Partnerschaften, gezielte Personalunterkünfte, flexible Mietverträge, praktische Unterstützung und einen besseren Zugang zu Informationen. Diese Massnahmen könnten sowohl bereits ansässigen Arbeitskräften als auch Neuankömmlingen ohne lokale Kontakte helfen.
Die nächste Bewährungsprobe ist die Umsetzung. Gemeinden und Kantone müssen prüfen, wo Personalunterkünfte geschaffen werden können. Arbeitgebende müssen ihre Rolle klären, und Vermietende brauchen praktikable Regelungen für kurze Mietdauern. Für die Schweizer Skiorte könnte die Verfügbarkeit von Arbeitskräften zunehmend davon abhängen, ob genügend Zimmer verfügbar sind.