Medien
Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft meldet für 2025 einen Verlust von CHF 2,9 Millionen
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) schloss das vergangene Jahr mit einem Verlust von CHF 2,9 Millionen ab. Sie führte das negative Ergebnis auf rückläufige Einnahmen aus Radio- und Fernsehabgaben sowie aus Werbung und auf gestiegene Betriebskosten zurück.

Der Schweizer Medienriese steht unter Beschuss. Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) ist offiziell in die roten Zahlen gerutscht und meldet für das Geschäftsjahr 2025 einen beträchtlichen Verlust von CHF 2,9 Millionen. Dieses negative Ergebnis markiert einen kritischen Wendepunkt für das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen, das sich mit einem perfekten Sturm aus sinkenden traditionellen Einnahmen und stark steigenden Betriebskosten konfrontiert sieht. Trotz eines Betriebsergebnisses von insgesamt CHF 1,56 Milliarden konnte die Organisation den finanziellen Schwund, der ihre Grundfesten angreift, nicht aufhalten. Das ist kein blosses Rundungsproblem, sondern ein deutliches Alarmsignal für die Zukunft der öffentlichen Medien in der Alpenrepublik. Das Defizit fällt in eine Zeit, in der die SRG bereits unter intensiver politischer Beobachtung steht. Sie muss jeden Franken ihrer Existenz rechtfertigen, während ihr finanzielles Fundament ins Wanken gerät.
Einnahmen aus Abgaben brechen um Millionen ein
Im Budget der SRG ist ein Loch von 33,4 Millionen Franken entstanden, weil die Einnahmen aus den Abgaben eingebrochen sind. Dieser dramatische Rückgang der öffentlichen Finanzierung wird durch einen Rückgang der Werbeeinnahmen um CHF 4,1 Millionen verstärkt und signalisiert einen grundlegenden Wandel im Medienkonsum des Schweizer Publikums. Die traditionelle «Serafe»-Abgabe, einst das Fundament der Stabilität der SRG, bietet nicht mehr den Schutz, den sie früher bot. Die SRG ist zwar weiterhin die dominierende Anbieterin auf dem Schweizer Markt, doch die Abwanderung des Publikums zu globalen Streamingriesen und sozialen Plattformen schwächt ihre kommerzielle Attraktivität. Dieser Rückgang der Einnahmen um mehrere Dutzend Millionen Franken stellt eine akute Gefahr für den heutigen Umfang des nationalen Programmangebots in den vier Sprachregionen der Schweiz dar.
Kosten der Umstrukturierung steigen trotz Stellenabbau
Effizienz hat ihren Preis: Die SRG hat ihre Belegschaft in einem verzweifelten Versuch, das Ruder herumzureissen, um 4,3 Prozent verkleinert. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 248 Vollzeitstellen abgebaut. Dadurch konnten die Personalkosten erfolgreich um CHF 15,6 Millionen gesenkt werden. Die Kosten dieses Umbaus sind jedoch selbst eine finanzielle Belastung. Die Betriebskosten stiegen tatsächlich um CHF 11,4 Millionen, was vor allem auf die Rückstellungen zurückzuführen ist, die für diese umfassende Umstrukturierung nötig waren. Die SRG gibt im Grunde Geld aus, um Geld zu sparen. Das ist ein schmerzhafter, aber notwendiger Widerspruch, während sie sich auf eine digitale Zukunft ausrichtet. Die menschlichen Kosten dieses Abbaus sind erheblich. Sie spiegeln eine schlankere und agilere, aber zweifellos stark geforderte Organisation wider, die mit deutlich weniger Personal mehr leisten muss.
Eurovision und Sport sorgen für eine wichtige Rettungsleine
Grossveranstaltungen erwiesen sich 2025 als finanzielle Rettungsleine für die SRG und verhinderten ein noch katastrophaleres Ergebnis. Der Eurovision Song Contest in Basel und ein dichtes Programm internationaler Sportereignisse liessen die Sponsoringeinnahmen steigen und glichen den Einbruch bei der Werbung teilweise aus. Diese «Leuchtturmveranstaltungen» sind in einem zersplitterten Markt weiterhin der grösste Trumpf der SRG. Sie zeigen, dass die SRG noch immer die Fernbedienung in der Hand hält, wenn sich die Schweiz vor dem Bildschirm versammelt. Sich jedoch auf den zyklischen Charakter des Sports und einzelne Megaereignisse zu verlassen, ist ein riskantes Spiel. Der «Eurovision-Effekt» brachte dringend benötigte zusätzliche Mittel, kann die strukturellen Defizite im laufenden Finanzmodell des Medienunternehmens aber nicht verdecken. Die Frage bleibt: Was passiert in Jahren ohne Eurovision Song Contest im eigenen Land oder ohne eine Fussball-Weltmeisterschaft?
Der weitere Weg: Transformation unter Druck
Die SRG steht an einem Scheideweg und blickt einer Zukunft entgegen, in der finanzielle Sparsamkeit zur neuen Normalität wird. Obwohl die Schweizer Stimmberechtigten kürzlich drastische Kürzungen bei der Abgabe abgelehnt haben, zeigen die internen Zahlen des Medienunternehmens, dass ein «Weiter wie bisher» keine Option mehr ist. Der Verlust von CHF 2,9 Millionen ist ein klarer Auftrag, den Wandel zu beschleunigen. Während die SRG ihre Transformation fortsetzt, muss sie den verfassungsmässigen Auftrag, die vier Sprachregionen zu versorgen, mit der harten Realität schrumpfender finanzieller Mittel in Einklang bringen. In den kommenden Jahren dürfte es zu einer weiteren Bündelung kommen, begleitet von einem konsequenten Fokus auf digitale Plattformen wie Play Suisse. Für die Schweizer Bevölkerung steht viel auf dem Spiel: Die Qualität und Vielfalt der nationalen Information hängen davon ab, ob die SRG dieses finanzielle Minenfeld erfolgreich durchqueren kann, ohne ihre redaktionelle Seele zu verlieren.