Wirtschaft
Mehr Firmenkonkurse: Schweizer Konkurse steigen um 19,5 Prozent
Schweizer Unternehmen geraten zunehmend unter finanziellen Druck: 2025 stieg die Zahl der Konkurse um 19,5 Prozent. Besonders betroffen sind das Baugewerbe, das Gastgewerbe und der Detailhandel. Hinzu kommen neue Gesetze zur Steuererhebung.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 ist die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz um beträchtliche 19,5 Prozent gestiegen. Das deutet auf eine kritische Veränderung der wirtschaftlichen Stabilität des Landes hin. Die vom Wirtschaftsauskunftsdienst Crif veröffentlichten Zahlen zeigen, dass zwischen Januar und September 8387 Unternehmen Konkurs gingen. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Dabei handelt es sich nicht um eine geringfügige Schwankung, sondern um ein klares Warnsignal für den Schweizer Markt.
Die hohe Zahl der Zusammenbrüche zeigt, dass die finanzielle Widerstandskraft in mehreren Branchen nachlässt. Die Schweizer Wirtschaft galt historisch als besonders stabil, doch die Zahlen legen nahe, dass die Puffer kleiner werden. Der starke Anstieg der Insolvenzen setzt Gläubiger, Arbeitnehmende und das Sozialversicherungssystem unmittelbar unter Druck. Während sich das Jahr dem letzten Quartal nähert, bleibt die Entwicklung alarmierend. Analystinnen und Analysten müssen sich nun fragen, ob es sich um eine vorübergehende Korrektur oder den Beginn einer anhaltenden Welle von Firmenkonkursen handelt. Die Zahlen sprechen für sich: In diesem Jahr haben fast 20 Prozent mehr Unternehmen ihre Türen geschlossen. Auf dem Markt hinterlassen sie eine Lücke, die sich nicht ohne Weiteres füllen lässt.
Baugewerbe und Gastgewerbe geraten unter Druck
Das Baugewerbe steckt in einer tiefen Krise und führt die Konkursstatistik mit bisher 1192 Fällen in diesem Jahr deutlich an. Diese Branche gilt oft als Gradmesser für die Gesamtwirtschaft und gerät unter dem finanziellen Druck ins Wanken. Sie ist mit der Krise nicht allein. Auch das Gastgewerbe kämpft mit starkem Gegenwind: Im Gastgewerbe wurden 872 Konkurse verzeichnet. Dicht dahinter folgt der Detailhandel mit 606 Unternehmen, die ihren Betrieb eingestellt haben.
Diese drei Säulen der Schweizer Binnenwirtschaft, Bauen, Essen und Einkaufen, sehen sich einer perfekten Kombination von Herausforderungen gegenüber. Die hohe Zahl der Konkurse im Baugewerbe deutet auf Projekte hin, die ins Stocken geraten sind, sowie auf eine angespanntere Liquiditätslage. Die Schwierigkeiten im Gastgewerbe weisen auf ein schonungsloses Wettbewerbsumfeld hin, in dem die Margen geschrumpft sind. Der Rückgang im Detailhandel verdeutlicht zusätzlich, wie sich Konsumverhalten und Betriebskosten verändern. Die Häufung von Konkursen in arbeitsintensiven Branchen wirft dringende Fragen zu möglichen Stellenverlusten und den Folgen für lokale Lieferketten auf. Die Daten sind eindeutig: Derzeit sind diese Branchen die riskantesten Geschäftsfelder in der Schweiz.
Neue Steuergesetze lassen Konkurszahlen steigen
Eine entscheidende Gesetzesänderung hat den Anstieg der Insolvenzen mit ausgelöst. Seit dem 1. Januar 2025 können Behörden Steuerschulden im Rahmen von Konkursverfahren geltend machen. Zuvor konnte der Staat ausstehende Steuern nur durch die Pfändung von Vermögenswerten einfordern. Dieses Verfahren dauerte länger und führte für angeschlagene Unternehmen oft weniger rasch zum Ende. Durch die verschärfte Durchsetzung können Steuerschulden für Unternehmen, die ohnehin am Abgrund stehen, nun direkt und rasch zur Liquidation führen.
Diese Gesetzesänderung hat Unternehmen, die trotz unbezahlter Steuerrechnungen über Wasser bleiben konnten, faktisch das Sicherheitsnetz entzogen. Der Staat ist nicht länger ein passiver Gläubiger, sondern beteiligt sich aktiv daran, Unternehmen aus dem Markt zu drängen.
Unternehmergeist trotzt dem Abschwung
Während etablierte Firmen ins Straucheln geraten, blüht der Schweizer Unternehmergeist in einem bemerkenswerten Gegensatz dazu auf. In den ersten drei Quartalen 2025 wurden 40 867 neue Unternehmen im Handelsregister eingetragen. Das entspricht einem kräftigen Anstieg von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese gegensätzliche Entwicklung zeichnet das komplexe Bild einer Wirtschaft im Wandel: Alte und ineffiziente Strukturen werden abgebaut, während gleichzeitig zahlreiche neue Unternehmen entstehen.
Der Detailhandel, der bei den Konkursen zu den Spitzenreitern zählt, steht bei den Neugründungen überraschenderweise mit 3287 neuen Einträgen an der Spitze. Das deutet auf ein Umfeld mit hoher Fluktuation hin, in dem traditionelle Geschäftsmodelle verschwinden und rasch durch neue Konzepte ersetzt werden. Es folgen die Unternehmensberatung mit 3273 Neugründungen und die Immobilienbranche mit 2920. Diese Welle von Unternehmensgründungen zeigt, dass das Vertrauen der Investorinnen und Investoren trotz der düsteren Schlagzeilen in bestimmten Nischen intakt bleibt. Die Schweizer Wirtschaft schrumpft nicht einfach, sondern entwickelt sich in rasantem Tempo weiter. Sie tauscht hoch verschuldete Traditionsunternehmen gegen agile Neulinge aus, die sich auf die neue Steuerrealität einstellen.