Revolut
Revolut beantragt Schweizer Banklizenz, der Wettbewerb verschärft sich
Revolut hat eine Schweizer Banklizenz beantragt, nachdem das Unternehmen im Land eine Kundenbasis von 1,3 Millionen aufgebaut hat.

Revolut hat in der Schweiz eine Kundenbasis von 1,3 Millionen aufgebaut, ohne eine Schweizer Banklizenz zu besitzen. Das in London ansässige Fintech will nun von der FINMA die Bewilligung für eine lokale Bank erhalten. Damit trifft seine rasche Expansion direkt auf den streng regulierten Schweizer Finanzmarkt.
Revolut reichte sein Gesuch am 16. September 2026 ein. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht prüft es, im Ausgangsbericht wird jedoch kein Zeitplan für einen Entscheid genannt. Eine Bewilligung würde den Weg für ein breiteres Angebot im Inland ebnen, darunter Lohnkonten mit Schweizer IBAN, Einlagenschutz nach dem Schweizer System und die Zahlungsabwicklung für Händler.
Das Ausmass des Gesuchs ist relevant. Laut eigenen Angaben gewann Revolut 2025 rund 240'000 Schweizer Kundinnen und Kunden hinzu. Damit ist das Unternehmen gemessen an der ausgewiesenen Nutzerzahl die grösste Neobank des Landes, vor Yuh und Neon. Viele Kundinnen und Kunden nutzen die App weiterhin hauptsächlich für günstige Zahlungen auf Reisen. Eine Schweizer Lizenz würde Revolut die regulatorische Grundlage geben, um einen grösseren Teil der Bankbeziehung abzudecken, darunter wiederkehrende Einkünfte und alltägliche Zahlungen.
Revolut besitzt bereits Banklizenzen im Vereinigten Königreich, in Litauen und in Frankreich. In der Schweiz muss das Unternehmen jedoch zunächst das lokale Bewilligungsverfahren durchlaufen, bevor es das gesamte angekündigte Dienstleistungsangebot anbieten kann.
Was die Lizenz für Kundinnen und Kunden ändern würde
Eine Schweizer IBAN und Einlagenschutz würden verändern, was Kundinnen und Kunden von Revolut erwarten können. Heute liegt der Reiz der App für viele Menschen in der Schweiz in günstigen Kartenzahlungen und der Nutzung von Fremdwährungen, insbesondere auf Reisen. Mit einer geplanten lokalen Bank würde das Angebot einem herkömmlichen Hauptkonto näherkommen.
Revolut sagt, dass es Lohnkonten mit Schweizer IBAN anbieten will. Damit könnten Kundinnen und Kunden einfacher Löhne erhalten, wiederkehrende Zahlungen organisieren und das Konto im inländischen Bankensystem nutzen. Der Schweizer Einlagenschutz würde für berechtigte Einlagen eine zusätzliche lokale Schutzebene bieten, vorbehaltlich der Regeln für bewilligte Institute.
Das Unternehmen prüft ausserdem Produkte für die Säule 3a, die steuerbegünstigte private Vorsorge in der Schweiz, sowie einen Twint-Dienst. Keines der beiden Angebote ist bestätigt. Im Ausgangsbericht heisst es, beide würden geprüft. Die Zahlungsabwicklung für Händler gehört zum geplanten künftigen Angebot und erweitert Revoluts Ambitionen über Karten und Überweisungen für Privatkundinnen und -kunden hinaus.
Eine Lizenz würde nicht automatisch bedeuten, dass alle geplanten Produkte gleichzeitig lanciert werden. Die Prüfung durch die FINMA läuft noch, und Revolut hat keinen Zeitplan für die Bewilligung oder die Einführung der Produkte bekannt gegeben. Kundinnen und Kunden müssten zwischen heute verfügbaren Dienstleistungen und solchen unterscheiden, die von einer Schweizer Bewilligung abhängen.
Die FINMA entscheidet
Die FINMA ist nun das Nadelöhr für Revoluts nächste Expansion in der Schweiz. Die Aufsichtsbehörde prüft das Gesuch. Aus den veröffentlichten Informationen geht jedoch nicht hervor, wann die FINMA entscheiden wird oder ob sie zusätzliche Unterlagen angefordert hat.
Diese Unsicherheit ist für ein Fintech bedeutend, das sich von einer beliebten Zahlungs-App zu einer vollwertigen inländischen Bank entwickeln will. Revoluts bestehende Lizenzen im Vereinigten Königreich, in Litauen und in Frankreich zeigen, dass die Gruppe bereits in mehreren Märkten unter Bankregulierungen tätig ist. Sie machen ein Schweizer Gesuch jedoch nicht überflüssig und garantieren dessen Erfolg nicht.
Die geplante Schweizer Struktur würde eine stärkere lokale Präsenz von Revolut erfordern. Das Unternehmen plant, in fünf Jahren mehr als 150 Millionen Franken zu investieren und die Mittel für neue Produkte, lokale Stellen sowie den Ausbau von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung einzusetzen. In Zürich beschäftigt es bereits rund 30 Personen.
Das Gesuch verbindet somit die aufsichtsrechtliche Prüfung mit einem beträchtlichen geschäftlichen Engagement. Die Prüfung der FINMA wird darüber entscheiden, ob und wann Revolut sich als Schweizer Bank mit lokalen Konten und geschützten Einlagen präsentieren kann. Bis zum Abschluss des Verfahrens bleibt die ausgewiesene Schweizer Kundenbasis des Unternehmens grösser als jene seiner lokalen Neobank-Konkurrenten, während seine Ambitionen im inländischen Bankgeschäft Zukunftspläne bleiben.
Revolut erhöht den Druck auf Yuh und Neon
Revoluts ausgewiesene 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden in der Schweiz setzen Yuh und Neon unmittelbar unter Wettbewerbsdruck. Laut den von Keystone-SDA zitierten Zahlen hat Yuh rund 400'000 Kundinnen und Kunden, Neon etwa 250'000. Dieser Vorsprung verschafft Revolut eine starke Ausgangslage, während das Unternehmen seine Kundenbeziehungen vertiefen will.
Die Grösse allein entscheidet den Wettbewerb nicht. Yuh und Neon sind in einem Schweizer Markt tätig, in dem lokale Zahlungsgewohnheiten, Lohnzahlungen und Produkte wie die Säule 3a besonders wichtig sind. Revoluts Gesuch signalisiert, dass das Unternehmen diese Lücken schliessen will. Konten mit Schweizer IBAN, Händlerzahlungen und ein möglicher Twint-Dienst würden das internationale Fintech stärker mit dem inländischen Finanzalltag verbinden.
Auch etablierte Schweizer Banken bekommen mit mehr als 80 Millionen Kundinnen und Kunden weltweit einen grösseren digitalen Konkurrenten. Revolut kann auf diese internationale Grösse zurückgreifen und gleichzeitig in Schweizer Personal und Produkte investieren. Bislang ist das Unternehmen besonders bei Kundinnen und Kunden bekannt, die günstige Zahlungen auf Reisen suchen. Die geplante Lizenz würde es ihm jedoch ermöglichen, um das alltägliche Bankgeschäft zu konkurrieren.
Die Reaktion der Konkurrenten wird die nächste Phase prägen. Schweizer Banken konkurrieren bereits mit mobilen Apps, Preisen und Zahlungsdiensten. Revoluts Zahlen zur Kundengewinnung zeigen, dass eine beträchtliche Kundschaft bereit ist, neben ihren bestehenden Bankbeziehungen einen digitalen Finanzdienstleister zu nutzen.
Der Schweizer Bankenwettbewerb tritt in eine neue Phase
Die nächste Bewährungsprobe ist, ob Revolut die Nutzung in der Schweiz in Schweizer Bankbeziehungen umwandeln kann. Das Unternehmen hat bereits die Nachfrage nach seiner App belegt: 2025 kamen rund 240'000 Kundinnen und Kunden hinzu, womit die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer im Land auf 1,3 Millionen stieg. Das Lizenzgesuch umreisst ein grösseres Ziel: Lohnzahlungen, Händlertransaktionen und möglicherweise Vorsorgegelder zu gewinnen.
Dieser Wandel würde Schweizer Kundinnen und Kunden mehr Auswahl bieten, insbesondere Menschen, die App-basierte Dienstleistungen und internationale Zahlungen schätzen. Gleichzeitig würde ein grosses ausländisches Fintech tiefer in einen Markt vordringen, der vom Schweizer Franken, lokalen Kontonummern, Twint und der Säule 3a geprägt ist. Die geplante Investition von mehr als 150 Millionen Franken deutet darauf hin, dass Revolut die Chance für gross genug hält, um einen umfangreichen lokalen Ausbau zu rechtfertigen.
Der Zeitplan ist noch offen. Die FINMA prüft das Gesuch, und im Ausgangsbericht wird kein Bewilligungsdatum genannt. Das künftige Angebot von Revolut in der Schweiz hängt vom Entscheid der Aufsichtsbehörde und davon ab, ob das Unternehmen die angekündigten Produkte umsetzen kann.
Für Kundinnen und Kunden ist die praktische Grenze klar: Zahlungen auf Reisen sind bereits verfügbar, während Schweizer Lohnkonten, Einlagenschutz und weitere inländische Dienstleistungen vom Bewilligungsverfahren abhängen. Das Gesuch markiert den Beginn dieses Übergangs, nicht dessen Abschluss.