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Swiss Observer

Rekordzahl von Frauen beim Skirennen Patrouille des Glaciers

Beim bevorstehenden Skitourenrennen Patrouille des Glaciers wird es einen historischen Höchststand bei der Beteiligung von Frauen geben: 112 reine Frauenpatrouillen sind angemeldet. Die Organisatoren des legendären Walliser Anlasses feiern die zunehmende Inklusion bei einem der anspruchsvollsten Skitourenrennen der Welt.

Rekordzahl von Frauen beim Skirennen Patrouille des Glaciers
AISWI swissinfo.ch

Unglaubliche 112 reine Frauenpatrouillen werden an der Startlinie der Patrouille des Glaciers (PdG) stehen. Damit wird ein beispielloser Meilenstein in der Geschichte des härtesten Skitourenrennens der Welt erreicht. Dieser Anstieg der Beteiligung von Frauen ist nicht bloss eine Statistik, sondern ein grundlegender Wandel in einer Sportart, die einst von der militärischen Elite dominiert wurde. Diese Woche kommen über 5'500 Athletinnen und Athleten in den Kanton Wallis. Im Rampenlicht stehen jedoch die Frauen, die sich in Rekordzahl ihren Platz auf dem Eis erobern. Brigadier Yves Charrière, Kommandant der PdG, hat seine grosse Zustimmung zu diesem Wandel zum Ausdruck gebracht und darauf hingewiesen, dass sich der Geist des Rennens verändert. Wenn der Wettkampf an diesem Montag beginnt, werden die Alpen ein historisches Ausdauererlebnis miterleben, das beweist, dass die «Grande Dame» der Skirennen längst kein Männerclub mehr ist. Der Zustrom weiblicher Talente spiegelt eine breitere Schweizer Bewegung hin zu mehr Geschlechtergleichstellung im anspruchsvollen Bergsport wider. Die rauen Gipfel zwischen Zermatt und Verbier werden so zu einer Bühne der Selbstermächtigung.

Die «Grand Raid» des Schnees bezwingen

Zwischen den Athletinnen und Athleten und dem Ruhm liegen auf der legendären langen Strecke fast 4'400 Höhenmeter. Die Route führt über 57,5 Kilometer von Zermatt nach Verbier und stellt die menschlichen Grenzen auf eine harte Probe: Die Teams müssen bei Dunkelheit gefährliche Gletscher und messerscharfe Grate überwinden. Wer eine kürzere, aber nicht weniger intensive Herausforderung sucht, kann die Strecke von Arolla nach Verbier in Angriff nehmen. Sie führt über 29,6 Kilometer anspruchsvolles Gelände mit 2'200 Höhenmetern. Das sind nicht einfach Rennen, sondern Überlebensübungen, bei denen der Berg die Bedingungen diktiert. Die körperliche Belastung ist enorm, doch auch der logistische Aufwand ist riesig: Für 1'376 Teams muss ein präzise geplantes Sicherheitsnetz bereitstehen. Die schiere Höhe der Walliser Alpen erinnert daran, dass die PdG für Skitourengängerinnen und Skitourengänger weltweit weiterhin der ultimative Massstab ist. Jeder gewonnene Höhenmeter ist ein Sieg über Schwerkraft und Erschöpfung und festigt den Ruf des Rennens als «Everest» des Skitourengehens.

Die Elite gibt das Tempo vor

Weltklasseathletinnen und -athleten kommen ins Wallis und bringen olympische Intensität auf den Gletscher. Angeführt wird das Feld von der Olympiasiegerin Marianne Fatton, die auf die lange Strecke zurückkehrt, um gemeinsam mit dem Gesamtweltcupsieger Rémi Bonnet ihren Ruf zu verteidigen. Mit dabei sind auch zahlreiche Grössen des Bergsports, darunter die EM-Medaillengewinner Caroline Ulrich und Aurélien Gay. Mit dem Olympia-Silbermedaillengewinner Jon Kistler gewinnt das Teilnehmerfeld 2026 zusätzlich an Klasse. Diese Athletinnen und Athleten nehmen nicht einfach nur teil, sie dominieren und verschieben die Grenzen dessen, was in grosser Höhe körperlich möglich ist. Die PdG ist jedoch einzigartig, weil sie diese Superstars den Schnee mit gemischten Teams und Militärpatrouillen teilen lässt. So entsteht ein vielfältiges Feld mit unterschiedlichen Leistungsniveaus. Der Wettkampf ist härter denn je: Der Abstand zwischen Profirennfahrerinnen und -rennfahrern und engagierten Amateuren wird immer kleiner. Dazu tragen Fortschritte bei Ausrüstung und Training bei, die den Sport grundlegend verändert haben.

Vom Kriegsspiel zum Weltklassesport

Die Patrouille des Glaciers wurde 1943, mitten in den Spannungen des Zweiten Weltkriegs, als anspruchsvolle Prüfung der Einsatzbereitschaft zur Grenzverteidigung ins Leben gerufen. Bis heute bildet diese militärische Prägung das Rückgrat des Anlasses. 900 Angehörige des Militärs sorgen dafür, dass das Rennen mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks durchgeführt wird. Der Anlass hat sich zwar zu einem weltweiten Sportereignis entwickelt, bleibt aber ein starkes Symbol der Schweizer nationalen Identität und Widerstandskraft. Das alle zwei Jahre stattfindende Rennen begegnet der Moderne, indem es seine strenge militärische Herkunft mit wachsender Offenheit verbindet und mehr Zivilpersonen und Frauen als je zuvor willkommen heisst. Mit Blick auf die Zukunft ist die PdG mehr als ein Rennen: Sie ist ein kultureller Bezugspunkt, der sich den Zeiten anpasst und zugleich sein Erbe bewahrt. Wenn die 5'500 Teilnehmenden die Ziellinie in Verbier überqueren, führen sie eine Tradition der Meisterschaft in den Bergen weiter, die den Schweizer Geist seit über 80 Jahren prägt. Die Rekordbeteiligung von Frauen im Jahr 2026 ist nicht nur ein Erfolg für den Sport, sondern auch ein neues Kapitel in der alpinen Legende.