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Swiss Observer

Rekordeinsatz mit Drohnen rettet über 6’400 Rehkitze auf Schweizer Feldern

Schweizer Freiwillige retteten mit Wärmebilddrohnen 6’451 Rehkitze vor landwirtschaftlichen Mäharbeiten und stellten damit einen neuen Naturschutzrekord auf. Die Teams deckten dabei 62’693 Hektaren ab.

Rekordeinsatz mit Drohnen rettet über 6’400 Rehkitze auf Schweizer Feldern
AISWI swissinfo.ch

6’451 Leben gerettet. Das ist das beeindruckende Ergebnis der bisher erfolgreichsten Wildtierrettungsaktion der Schweiz. Bei einem gross angelegten, koordinierten Einsatz haben freiwillige Drohnenpilotinnen und -piloten neue Massstäbe im Naturschutz gesetzt, frühere Rekorde gebrochen und die entscheidende Rolle der Technologie für den Erhalt der Schweizer Tierwelt unter Beweis gestellt. Laut Rehkitzrettung Schweiz mobilisierte die diesjährige Aktion 722 engagierte Teams, die das Land durchkämmten, um gefährdete Rehkitze vor den Messern grosser Mähmaschinen zu schützen.

Die Zahlen sprechen für sich. Die Zahl der geretteten Tiere übertrifft dieses Jahr den Wert von 5’159 aus dem Jahr 2024 deutlich und markiert einen erheblichen Fortschritt. Das ist nicht bloss eine geringfügige Verbesserung, sondern ein grosser Erfolg für den Naturschutz. Freiwillige haben mit Wärmebildtechnik den Verlauf eines Kampfes gewendet, der auf unseren Feldern in der Vergangenheit Tausende Tiere lautlos das Leben gekostet hat. Der Erfolg dieser Aktion zeigt, wie stark das Bündnis zwischen Landwirtschaft und Naturschutz wächst.

Grosse Mobilisierung aus der Luft

Der Umfang des Einsatzes ist beispiellos. Freiwillige überflogen 62’693 Hektaren Schweizer Landwirtschaftsland, eine Fläche von rund 620 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Das ist mehr als die Fläche des Kantons Genf. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer deutlichen Zunahme um über 20’304 Hektaren und zeigt, wie rasch die Kapazitäten und das Engagement der Freiwilligen ausgebaut wurden.

Bei dieser Luftsuche richteten die Teams ihren Blick auf das hohe Gras auf den Feldern, das jungen Rehen trügerischen Schutz bietet. Indem sie diese grossen Gebiete systematisch absuchten, bevor die Mähmaschinen auffahren konnten, stellten die Drohnenteams sicher, dass die Felder frei waren. Der enorme logistische Aufwand, ein so weitläufiges Gebiet abzudecken, zeugt vom Einsatz der Freiwilligen. Sie sind nicht einfach Hobbyistinnen und Hobbyisten, sondern eine disziplinierte Einsatztruppe zwischen Natur und Maschinen, die dafür sorgt, dass die Erntezeit nicht zur Zeit des Tötens wird.

Die tödliche Falle des Instinkts

Ein Schutzmechanismus der Natur ist zu einem modernen Risiko geworden. Jahrtausendelang schützte der Instinkt eines Rehkitzes, im hohen Gras reglos und geduckt liegen zu bleiben, vor Raubtieren. Gegen die unbarmherzige Geschwindigkeit landwirtschaftlicher Maschinen ist derselbe Instinkt heute tödlich. Rehgeissen verstecken ihre Jungen während der Nahrungssuche auf diesen Wiesen und verlassen sich dabei auf das hohe Gras als Tarnung. Die Rehkitze laufen nicht davon, sondern warten.

Ohne Eingreifen sind die Folgen grausam. Offizielle Statistiken nennen rund 1’500 Rehkitze, die jedes Jahr durch Mähmaschinen getötet werden. Der Verein warnt jedoch, dass die tatsächliche Zahl wahrscheinlich deutlich höher liegt. Diese düstere Realität macht die Arbeit der Drohnenpilotinnen und -piloten unverzichtbar. Indem sie die Wärmesignaturen der versteckten Tiere aufspüren, überbrücken sie die Kluft zwischen uraltem biologischem Verhalten und moderner industrieller Landwirtschaft. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem Wärmebildsensoren das einzige Frühwarnsystem für die Tiere sind.

Sonne und Strategie im Einklang

Der wolkenlose Himmel trug zum Erfolg dieses Jahres bei. Der milde, sonnige Frühling 2025 schuf für die Rettungseinsätze eine «perfekte Ausgangslage», und zwar im positiven Sinn. Während regnerische Jahre die Rehgeissen zur Geburt in die Wälder treiben, ermutigte das warme Wetter sie in dieser Saison, ihre Jungen auf den offenen, trockenen Feldern zurückzulassen. Diese Verhaltensänderung brachte mehr Rehkitze direkt in die Bahn der Mähmaschinen, aber auch genau dorthin, wo Wärmebilddrohnen am besten funktionieren.

Die sonnigen Bedingungen ermöglichten effiziente Überflüge, sodass die Pilotinnen und Piloten ohne wetterbedingte Unterbrechungen mehr Fläche abdecken konnten. Der Zusammenhang ist klar: Wenn das Wetter mitspielt, kann die Technologie ihre Stärken ausspielen. Dieses Rekordjahr erinnert jedoch daran, dass die Strategien des Naturschutzes angesichts sich wandelnder Klimamuster anpassungsfähig bleiben müssen. Die Schweiz hat bewiesen, dass wir mit den richtigen Hilfsmitteln und Bedingungen mit unserer Tierwelt zusammenleben und dabei Tausende Leben retten können.