Kriminalität
Rekordzahl an Bancomaten-Sprengungen gibt in der Schweiz Anlass zur Sorge
Die Schweiz ist mit einem beispiellosen Anstieg von Angriffen auf Bancomaten konfrontiert: In diesem Jahr wurden 25 Explosionen registriert, was Diskussionen über die nationale Sicherheit auslöst.

Der Ruf der Schweiz als Festung der Banksicherheit ist durch einen erschreckenden Anstieg der Gewaltkriminalität erschüttert worden. Bis Mitte Dezember 2024 hatten Kriminelle im ganzen Land erfolgreich 25 Bancomaten gesprengt. Damit wurde bei dieser spezifischen Art von Angriff ein beispielloser Rekord erreicht. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bestätigt, dass die Intensität dieser Straftaten in diesem Jahr dramatisch zugenommen hat. Zurück blieben zerstörte Infrastruktur und verunsicherte Gemeinden.
Dabei handelt es sich nicht bloss um eine statistische Auffälligkeit, sondern um einen direkten Angriff auf die physische Bankeninfrastruktur des Landes. Die Schweiz gilt seit Langem als sicherer Hafen, doch die Sprengstoffanschläge markieren den Beginn einer dreisten neuen Ära der Kriminalität. Die enorme Sprengkraft, die bei diesen Vorfällen eingesetzt wird, die sich oft in ruhigen Gemeinden ereignen, zeugt von einer rücksichtslosen Missachtung der öffentlichen Sicherheit und erfordert sofortige nationale Aufmerksamkeit.
Zunehmende Gewalt: Die Zahlen
Die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild zunehmender Aggression. Die Gesamtzahl der Angriffe auf Bancomaten ist deutlich gestiegen: von 32 Vorfällen im vergangenen Jahr auf 44 im Jahr 2024. Dieser Anstieg zeigt, dass die derzeitigen Abschreckungsmassnahmen kritisch versagen. Während es im Vorjahr 22 gezielte Angriffe auf Bancomaten gab, von denen die Hälfte scheiterte, schlagen Kriminelle nun häufiger zu und erzielen bei den Sprengungen offenbar auch öfter Erfolg.
Bei der Analyse dieser Verbrechenswelle ist der Kontext jedoch entscheidend. Zwar hält das Jahr 2024 den Rekord bei den Explosionen, doch die Gesamtzahl der Angriffe liegt tatsächlich unter dem Höchststand zwischen 2019 und 2022. So gab es 2022 insgesamt 57 Angriffe und 2019 56. Der beunruhigende Trend im Jahr 2024 betrifft nicht nur die Zahl der Angriffe, sondern auch ihre Unberechenbarkeit: Kriminelle setzen zunehmend auf explosive Methoden mit hohem Ertrag und hohem Risiko, statt auf eine grössere Anzahl von Angriffen.
Taktischer Wandel hin zu roher Gewalt
Die Vorgehensweise von Kriminellen im Schweizer Bankenumfeld hat sich auf gefährliche Weise weiterentwickelt. In den Vorjahren waren die Methoden technischer und vielfältiger. 2019 waren Werkzeuge die bevorzugte Waffe. 2020 und 2021 setzten Kriminelle stark auf Manipulationen an der Elektrik, um Sicherheitssysteme zu umgehen. Noch 2022 waren Gasangriffe und der Einsatz von Werkzeugen üblich.
2024 bildet dazu einen deutlichen Gegensatz. Die Hinwendung zu festen Sprengstoffen steht für eine Taktik roher Gewalt, bei der Geschwindigkeit und Zerstörung Vorrang vor Heimlichkeit haben. Dieser Wandel der Vorgehensweise deutet darauf hin, dass organisierte kriminelle Gruppen weniger Wert auf Raffinesse legen und eher bereit sind, militärische oder schwere industrielle Sprengstoffe einzusetzen, um an Bargeld zu gelangen. Dadurch steigt die Gefahr von Kollateralschäden an umliegenden Gebäuden und für die Anwohnerinnen und Anwohner erheblich.
Regionale Ziele und gescheiterte Versuche
Diese kriminellen Banden reichen tief ins Schweizer Kernland hinein. Insbesondere der Kanton Bern war mit konkreten Bedrohungen konfrontiert, die nicht einmal in der Hauptstatistik der «gesprengten» Bancomaten auftauchen. Zwei bemerkenswerte Sprengversuche ereigneten sich im Mai in Langnau und im November in Wynigen. Da die Versuche nicht zu einer vollständigen Detonation führten, sind sie nicht in der Hauptzahl von 25 enthalten. Das deutet darauf hin, dass die tatsächliche Bedrohungslage noch höher ist als angegeben.
Diese Vorfälle in kleineren Orten wie Langnau und Wynigen machen eine strategische Schwachstelle deutlich: Kriminelle nehmen ländliche und halbländliche Standorte ins Visier, an denen die Polizei möglicherweise längere Anfahrtszeiten hat. Dass die Banden trotz gescheiterter Versuche hartnäckig bleiben, unterstreicht ihren unerbittlichen Willen, jede vermeintliche Schwachstelle in der physischen Sicherheit des Bankennetzes auszunutzen.
Die dringende Notwendigkeit von Sicherheitsmassnahmen
Während Politikerinnen und Politiker Alarm schlagen und die Diskussionen über die nationale Sicherheit an Intensität gewinnen, steht der Bankensektor vor einem dringenden Auftrag: Er muss sich anpassen oder weitere Verluste hinnehmen. Die enorme Zerstörungskraft, die 2024 zum Einsatz kam, zeigt, dass herkömmliche Verstärkungsmassnahmen nicht mehr ausreichen. Bei 25 erfolgreichen Sprengungen werden die bestehenden Schutzvorkehrungen von der Feuerkraft moderner krimineller Organisationen übertroffen.
Die Schweiz steht an einem Scheideweg. Um ihren Status als sicherer Finanzplatz zu bewahren, müssen Behörden und Finanzinstitute unverzüglich fortschrittliche Gegenmassnahmen einführen. Ob durch Technologien zur Einfärbung von Banknoten, verstärkte Tresore oder geringere Bargeldbestände in gefährdeten Automaten: Die Reaktion muss ebenso entschlossen sein wie die Angriffe. Die Ära des ungeschützten Bancomaten ist vorbei. Jetzt muss die Ära des befestigten Bargeldautomaten beginnen.