Gesellschaft
Ein Viertel der Jugendlichen in der Schweiz kauft erfolgreich illegal Alkohol
Jüngste Testkäufe zeigen eine Erfolgsquote von 25,2 Prozent beim illegalen Alkoholkauf durch Minderjährige. Die höchsten Verstossquoten wurden in Bars und an Veranstaltungen festgestellt.

Erstaunliche 25,2 Prozent der Kaufversuche von Minderjährigen in der Schweiz sind erfolgreich. Das offenbart eine erhebliche Lücke in der Strategie des Jugendschutzes. Obwohl die Bundes- und Kantonsbehörden 2024 mehr als 10’500 Testkäufe durchführten, gelingt es dem System nicht, ein Viertel aller illegalen Verkäufe zu verhindern. Dieser Wert ist gegenüber den 27,3 Prozent des Vorjahres zwar leicht gesunken, doch die Daten zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Sorglosigkeit.
Das Verkaufspersonal verlangte in 78,4 Prozent der Fälle einen Ausweis. Doch die letzte Hürde wird oft überwunden, sodass Minderjährige mit Bier, Wein oder Spirituosen nach Hause gehen können. Die hohe Zahl erfolgreicher Käufe zeigt, dass die bisherigen Schulungen und Sensibilisierungsmassnahmen nicht ausreichen. Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um einen weitverbreiteten blinden Fleck in der Gesellschaft. Der Bericht von Sucht Schweiz ist ein deutlicher Weckruf: Wenn jede vierte minderjährige Person das Gesetz umgehen kann, wird es nicht eingehalten.
Nachlässigkeit im Nachtleben: Bars und Veranstaltungen verschärfen die Krise
Während die Detailhandelsketten ihre Kontrollen verschärfen, lässt das Schweizer Nachtleben den Jugendschutz schleifen. Bars sind die mit Abstand schlimmsten Verstösse aufgefallen: Die Verstossquote liegt bei alarmierenden 43 Prozent. Wenn die Lichter ausgehen, scheint auch die Kontrolle zu schwinden. Veranstaltungen und Festivals folgen dicht dahinter: 35,7 Prozent der Minderjährigen konnten dort erfolgreich Alkohol kaufen. Diese Orte sind oft hektisch und von hohem Betrieb geprägt, doch es gelingt ihnen nicht, grundlegende Einlass- und Verkaufskontrollen wirksam umzusetzen.
Im deutlichen Gegensatz dazu setzen Tankstellenshops den Massstab bei der Einhaltung der Vorschriften: Mit 19,7 Prozent weisen sie die tiefste Verstossquote auf. Auch grosse Detailhändler schnitten besser als der Durchschnitt ab und lagen bei rund 25 Prozent. Der Unterschied ist augenfällig: Während Jugendliche an einer gut beleuchteten Tankstelle möglicherweise Mühe haben, ein Bier zu kaufen, ist die Chance, in einer Bar vor Ort bedient zu werden, beinahe fifty-fifty. Diese Nachlässigkeit in einzelnen Branchen erfordert gezielte Massnahmen, denn der bisherige Laissez-faire-Ansatz im Gastgewerbe untergräbt die Bemühungen um die öffentliche Gesundheit unmittelbar.
Der digitale Wilde Westen: Onlineverkäufe umgehen Kontrollen
Das Internet ist für Minderjährige zu einem rechtsfreien Raum geworden, wenn es um den Zugang zu Alkohol geht. Der Bericht zeigt, dass die Alterskontrollen im Onlinehandel praktisch vollständig versagen. In den allermeisten Fällen stossen Minderjährige auf keinerlei Widerstand, weder beim digitalen Bestellvorgang noch bei der physischen Lieferung. Die Bequemlichkeit des Onlinehandels hat unbeabsichtigt eine Schnellstrasse für den illegalen Vertrieb geschaffen.
Diese technologische Lücke macht Kontrollen von Ausweisen vor Ort hinfällig. Ohne digitale Identitätsprüfung oder strikte Ausweiskontrollen bei der Lieferung können Onlinehändler ungestraft handeln. Sucht Schweiz betont, dass wirksame Mechanismen, etwa die Integration eines digitalen Identitätsnachweises, technisch machbar sind, aber bedauerlicherweise fehlen. Während sich die Konsumgewohnheiten Jugendlicher zunehmend ins Digitale verlagern, kommen die gesetzlichen Rahmenbedingungen kaum nach. So bleibt ein grosses Loch im Schutznetz, das Jugendliche in der Schweiz schützen soll.
Durchgreifen: Neue Gesetze nehmen Verstösse ins Visier
Die Zeit der Verwarnungen ist vorbei, nun folgen Konsequenzen. Seit dem 1. Oktober 2024 verfügt die Schweiz über schärfere gesetzliche Instrumente. Zuvor waren den Behörden in vielen Kantonen die Hände gebunden: Sie konnten sich lediglich auf Sensibilisierungskampagnen beschränken, die nur langsam Wirkung zeigten. Nun ermöglicht eine einheitliche gesetzliche Grundlage allen Kantonen, Verkaufsstellen, die bei Testkäufen erwischt werden, direkt mit einer Busse zu belegen. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt entscheidend von der Aufklärung zur Durchsetzung des Gesetzes.
Sucht Schweiz hält fest, dass die stagnierenden Einhaltungsquoten der vergangenen Jahre vermutlich auf das Fehlen einer solchen Sanktionsdrohung zurückzuführen waren. Mit der Möglichkeit, Unternehmen direkt zu sanktionieren, ist das finanzielle Risiko bei Verstössen stark gestiegen. Detailhändler, Bars und Onlineanbieter sind nun gewarnt: Nachlässigkeit kostet nicht mehr nur Ansehen, sondern auch Geld. Es wird erwartet, dass diese Gesetzesänderung die Zahl der illegalen Verkäufe in den kommenden Jahren deutlich senken und Unternehmen dazu bewegen wird, Vorschriften über den Profit zu stellen.