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Swiss Observer

Öffentliches Vertrauen in Schweizer Banken sinkt laut Studie auf Stand vor der Krise von 2008

Eine neue Umfrage der Schweizerischen Bankiervereinigung zeigt, dass das öffentliche Vertrauen in Banken auf 53 Prozent gesunken ist. Damit liegt es wieder auf einem Stand, der zuletzt vor der Finanzkrise von 2008 erreicht wurde. Gleichzeitig wächst die Kritik an Gewinnstreben und Nachhaltigkeit.

Öffentliches Vertrauen in Schweizer Banken sinkt laut Studie auf Stand vor der Krise von 2008
AISWI swissinfo.ch

Das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Schweizer Bankensektor ist deutlich geschwunden und auf prekäre 53 Prozent gesunken. Dieser Wert markiert eine deutliche Rückkehr zu den düsteren Stimmungswerten vor der Finanzkrise von 2008 und macht damit fast zwei Jahrzehnte des Wiederaufbaus des Ansehens zunichte. Die jüngste Umfrage des Banking Monitor der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBV) zeigt einen Sektor, der unter Beschuss steht und mit einer zunehmend desillusionierten Öffentlichkeit zu kämpfen hat.

Besonders dramatisch ist der Rückgang im Vergleich zum Höhepunkt der Branche im Jahr 2021. Damals schnellten die Zustimmungswerte auf beeindruckende 75 Prozent hoch, gestützt durch die rasche Umsetzung des Covid-19-Kreditprogramms, durch das Banken als Retter der KMU-Wirtschaft dastanden. Dieses Wohlwollen ist jedoch verflogen. Seit dem Höchststand ging es unaufhaltsam bergab. Die eigene Analyse der SBV räumt ein, dass der Sektor nun «als unter Druck stehend wahrgenommen» werde. Das ist eine diplomatische Untertreibung für eine Branche, die bei fast der Hälfte der stimmberechtigten Bevölkerung mit einer Vertrauenskrise konfrontiert ist.

Gewinn vor Mensch: die Imagekrise

Erdrückende 75 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind inzwischen der Ansicht, dass Finanzinstitute den reinen Gewinn über ihre gesellschaftliche Verantwortung stellen. Diese vernichtende Zahl steht im Zentrum des Imageproblems der Branche. Die Schweizer Bevölkerung anerkennt zwar, dass Banken für den Wohlstand des Landes wirtschaftlich notwendig sind, reagiert aber zunehmend intolerant auf das, was sie als übermässige Gier wahrnimmt. Die Erzählung von der «Dienerin der Wirtschaft» wird von Schlagzeilen über Rekordgewinne und Boni für Führungskräfte übertönt.

Hinzu kommt der anhaltende Schatten von finanziellem Fehlverhalten. 61 Prozent der Befragten nannten ausdrücklich Bedenken wegen Geldwäscherei und Finanzskandalen als wichtige Gründe für ihr Misstrauen. Trotz wiederholter regulatorischer Reformen und verschärfter Kontrollen zur Einhaltung der Vorschriften bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck bestehen, dass die Branche nicht vollständig reinen Tisch gemacht hat. Die Botschaft aus der Bevölkerung ist klar: Das Streben nach Rendite geht auf inakzeptable Kosten für die Integrität.

Wachsende Skepsis gegenüber Nachhaltigkeit und KI

Die aggressive Vermarktung von «grüner» Finanzierung durch die Bankenbranche stösst auf eine Welle der Skepsis. Der Glaube an die Nachhaltigkeitsbemühungen des Sektors schwindet. Nur eine knappe Mehrheit von 52 Prozent glaubt, dass Banken nachhaltiger handeln als noch vor fünf Jahren. Das entspricht einem starken Rückgang um 15 Prozentpunkte seit dem Zeitraum 2022/2023. Die Öffentlichkeit scheint ESG-Versprechen, die nicht mit ihrer Wahrnehmung der Realität übereinstimmen, zunehmend überdrüssig zu sein. Das signalisiert, dass die Zeit des ungehemmten Greenwashings vorbei ist.

Gleichzeitig sieht sich die Branche mit einer technologischen Gegenreaktion konfrontiert. Der Vorstoss in Richtung Digitalisierung und künstliche Intelligenz spaltet die Bevölkerung, insbesondere ältere Menschen. Während Banken die Effizienz betonen, fürchtet die Öffentlichkeit den Verlust des persönlichen Kontakts. Die Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit und möglicher Arbeitsplatzverluste durch Automatisierung nehmen zu. Die Branche bewegt sich auf einem schmalen Grat: Sie treibt eine Hightech-Zukunft voran, während ihre Kundschaft ängstlich an traditionellen Werten wie persönlicher Betreuung festhält.

Das Loyalitätsparadox: das System verachten, die Bankberaterin oder den Bankberater schätzen

In einer bemerkenswerten kognitiven Dissonanz bleibt die Zufriedenheit mit einzelnen Banken unerschütterlich, obwohl das Vertrauen in das «Bankensystem» stark sinkt. Erstaunliche 83 Prozent der Befragten geben an, mit ihrem eigenen Finanzinstitut zufrieden zu sein. Diese Diskrepanz verdeutlicht einen entscheidenden Unterschied: Die Schweizerinnen und Schweizer vertrauen ihrer persönlichen Kundenberaterin oder ihrem persönlichen Kundenberater, misstrauen aber zutiefst den anonymen Strukturen der globalen Finanzwelt.

Bei ihrem eigenen Geld stufen die Befragten Sicherheit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit hoch ein und stellen weitergehende Anliegen wie Nachhaltigkeit oft zurück. Diese «nicht vor meiner Haustür»-Haltung gegenüber der Kritik an Banken legt nahe, dass das Ansehen der Branche auf einer übergeordneten Ebene zwar beschädigt ist, die Beziehungen auf individueller Ebene aber weiterhin den wichtigsten Schutzwall gegen einen vollständigen Ansehensverlust bilden. Während die SBV sich in diesem feindseligen Umfeld öffentlicher Meinung zurechtfindet, wird die Pflege der Loyalität einzelner Kundinnen und Kunden die einzige Rettungsleine sein, die einen weiteren Bedeutungsverlust verhindern kann.