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Swiss Observer

Geschütztes Feuchtgebiet zwingt Schweizer Skigebiet zu kleinerem Beschneiungsprojekt

Ein grosses Beschneiungsprojekt in der Region Leysin-Les Mosses wurde zurückgestutzt, nachdem Bundesumweltvorschriften 175 geplante Schneekanonen in einem geschützten Feuchtgebiet verhindert hatten.

Geschütztes Feuchtgebiet zwingt Schweizer Skigebiet zu kleinerem Beschneiungsprojekt
AISWI swissinfo.ch

Der Plan mit 175 Schneekanonen für Leysin und Les Mosses ist vom Tisch. Télé Leysin-Les Mosses-La Lécherette, kurz TLML, hat das regionale Beschneiungsprojekt aufgegeben, nachdem Bundesumweltvorschriften Bauarbeiten im geschützten Feuchtgebiet von Les Mosses verhindert hatten. Der Entscheid, den TLML und der Kanton Waadt am 18. September 2026 bekannt gaben, streicht einen wichtigen Infrastrukturvorschlag aus der Winterstrategie des Alpenresorts.

Das Unternehmen konzentriert sich nun auf Leysin, wo es in den Sektoren Aï, Brion, Les Fers und Choulet 30 bis 40 neue Schneekanonen prüft. Zwei Sesselbahnen in diesen Gebieten wurden kürzlich erneuert. Eine neue öffentliche Vernehmlassung wird bis Ende 2026 erwartet.

Der Rückzug folgt auf jahrelange Einsprachen gegen ein 2018 lanciertes Vorhaben. Ursprünglich sollte das Skifahren in beiden Skigebieten gesichert werden, indem Wasser vom Lac Hongrin durch rund 20 Kilometer Rohrleitungen transportiert würde. Hunderte Einsprachen richteten sich gegen die ökologischen Auswirkungen und den Ressourcenbedarf des Projekts. Der bundesrechtliche Schutzstatus des Feuchtgebiets hat nun die wichtigste Rechtsfrage geklärt. Waadt und TLML erklärten, weitere Beschwerden hätten das Verfahren um mehrere Jahre verlängern können, ohne dass der Ausgang des Projekts absehbar gewesen wäre.

Das Feuchtgebiet schützen

Der Schutz des Feuchtgebiets durch den Bund setzt der Entwicklung in Les Mosses eine rechtliche Grenze. Das Gebiet ist als Feuchtgebiet von nationaler Bedeutung eingestuft. Der Kanton und TLML erklärten, dass die geplanten touristischen Anlagen dort nicht mehr mit dem Bundesrecht vereinbar seien. Diese Feststellung zwang die Betreiberin, die Zukunft der beiden miteinander verbundenen Skigebiete getrennt zu betrachten.

Die rechtlichen Folgen gehen über eine einzelne Bewilligung hinaus. Gegen das ursprüngliche Projekt gingen Hunderte Einsprachen ein, und die Betreiberin warnte, Beschwerden könnten das Verfahren um mehrere Jahre verlängern. Jean-Marc Udriot, Präsident von TLML, sagte gegenüber Keystone-ATS, die Geschäftsleitung habe «Verantwortung übernehmen» müssen, weil das Projekt «auf eine Sackgasse zusteuerte».

Geschützte Feuchtgebiete erfüllen Funktionen, die in einer sich erwärmenden Alpenlandschaft besonders wichtig sind. Sie speichern Wasser, bieten Pflanzen und Tieren Lebensraum und gehören zum national ausgewiesenen Naturerbe der Schweiz. Das Ausgangsmaterial beziffert weder den erwarteten Wasserverbrauch des Projekts noch belegt es ein Gerichtsurteil zu sämtlichen Bestandteilen des Vorhabens. Es zeigt jedoch, wie Umweltrecht Infrastruktur stoppen kann, die eine traditionelle Winterwirtschaft am Laufen halten soll.

Für die Behörden des Kantons Waadt schränkt der Entscheid auch den Spielraum für die öffentliche Planung ein. Die Unterstützung kann sich nun auf ein kleineres Projekt in Leysin konzentrieren, während Les Mosses ein anderes Tourismusmodell verfolgen muss.

Leysin auf zentrale Pisten ausrichten

Das Ersatzprojekt für Leysin ist auf vier zentrale Sektoren und einen deutlich kleineren Umfang ausgelegt. TLML prüft 30 bis 40 Schneekanonen für Aï, Brion, Les Fers und Choulet, Gebiete, die an kürzlich erneuerte Sesselbahnen angebunden sind. Die Betreiberin erklärt, die Anlagen würden die Schneesicherheit erhöhen, einen beständigeren Winterbetrieb ermöglichen und die Attraktivität des Skigebiets steigern.

Der überarbeitete Plan muss noch eine öffentliche Vernehmlassung durchlaufen, die bis Ende 2026 vorgesehen ist. Eine Bewilligung ist deshalb nicht garantiert. Die kantonale Finanzierung ist bis August 2030 gesichert, und der Kanton Waadt bemüht sich um eine Verlängerung der geplanten Bundesbeiträge. Damit erhält das Projekt einen finanziellen Rahmen. In der Vernehmlassung wird sich zeigen, wie die Bevölkerung, Umweltorganisationen und weitere Anspruchsgruppen auf den enger gefassten Plan reagieren.

TLML zufolge bietet der Wintersport in der Region 37 Vollzeitstellen. Diese Zahl erklärt mit, weshalb die Betreiberin weiterhin nach technischen Lösungen sucht, um sich gegen unzuverlässige natürliche Schneeverhältnisse abzusichern. Das Skifahren trägt in einer Berggemeinde, in der die Wintersaison wirtschaftlich wichtig ist, Arbeitsplätze bei Bergbahnen, Skischulen, im Unterhalt und in verwandten Dienstleistungen.

Der überarbeitete Vorschlag steht auch für einen gezielteren Ansatz. Statt die Beschneiung auf das gesamte Gebiet Leysin-Les Mosses auszudehnen, priorisiert TLML Pisten, die an erneuerte Bahninfrastruktur angebunden sind und als zentral für den künftigen Betrieb gelten.

Über die Skisaison hinaus planen

Les Mosses wird auf Naturschnee setzen, während TLML eine Vierjahreszeitenstrategie vorantreibt. Das Unternehmen erklärt, dass der Skibetrieb dort so lange weitergeführt wird, wie es die Schneedecke erlaubt. Ohne die geplanten Schneekanonen kann das Skigebiet nicht dieselbe technisch gesicherte Schneelage bieten, die für Leysin vorgesehen ist. Damit steigt die Bedeutung der Wetterbedingungen und von Angeboten ausserhalb des traditionellen Skikalenders.

TLML zufolge sollen anstehende Gespräche mit Anspruchsgruppen Projekte ermitteln, die einen nachhaltigen, an den Klimawandel angepassten Tourismus fördern können. Das Unternehmen hat nicht angegeben, welche neuen Attraktionen oder Dienstleistungen aus diesen Gesprächen hervorgehen könnten. Die Stossrichtung ist klar: Les Mosses soll auch dann eine touristische Rolle behalten, wenn der Schnee für einen regelmässigen Skibetrieb nicht ausreicht.

Dieser Wandel spiegelt einen breiteren Druck in der ganzen Schweiz wider. Während die Temperaturen steigen, investieren Skigebiete in Beschneiungsanlagen. Gleichzeitig werden Wasserverbrauch, Strombedarf, Auswirkungen von Bauarbeiten und der Schutz der Ökologie genauer unter die Lupe genommen. Der frühere Regionalplan sei laut Ausgangsmaterial als Projekt «aus einer anderen Zeit» kritisiert worden. Gegner hätten ihn als wasser- und energieintensiv sowie als schädlich für die lokale Tier- und Pflanzenwelt bezeichnet.

Der Entscheid führt dazu, dass die beiden Destinationen unterschiedliche Betriebsmodelle verfolgen. Leysin wird eine begrenzte technische Lösung rund um erneuerte Bahnen anstreben. Les Mosses wird prüfen, ob ein breiteres Besucherangebot kürzere oder weniger berechenbare Skisaisons ausgleichen kann.

Die alpine Zukunft der Schweiz neu gestalten

Der Entscheid zu Leysin verleiht der Debatte über die Anpassung der Schweizer Alpen einen konkreten lokalen Rahmen. Ein Skigebiet braucht verlässliche winterliche Bedingungen, um Arbeitsplätze und kürzlich erneuerte Bahninfrastruktur zu sichern. Ein geschütztes Feuchtgebiet hat einen rechtlichen Status, der ein Projekt vor Baubeginn stoppen kann. Dazwischen stehen Fragen zu Wasserüberleitungen, Energieverbrauch und Dauer der Skisaison.

Das ursprüngliche Vorhaben verband den Lac Hongrin über ein 20 Kilometer langes Leitungsnetz mit zwei Skigebieten. Mit seiner Aufgabe endet die Beschneiung in den Waadtländer Alpen nicht. Die Investitionen werden vielmehr auf ein kleineres Projekt in Leysin verlagert, das noch der Vernehmlassung und Bewilligung bedarf. Auch das Skifahren in Les Mosses wird nicht eingestellt. Dort wird weiterhin der Naturschnee darüber entscheiden, wann der Skibetrieb aufgenommen werden kann.

Die Finanzierungszusagen des Kantons Waadt bis August 2030 geben den Behörden und TLML Zeit, das Projekt für Leysin zu überarbeiten und Alternativen für Les Mosses zu entwickeln. Der Kanton bemüht sich zudem um eine Fortsetzung der Unterstützung durch den Bund. Das zeigt, dass es bei der Frage nicht nur um die private Wirtschaftlichkeit des Skigebiets, sondern auch um öffentliche Politik geht.

Für die Schweizer Berggemeinden wird die nächste Phase anhand von Bewilligungen, Betriebstagen, Arbeitsplätzen und Besucherzahlen gemessen werden. Die Ereignisse in Les Mosses liefern einen klaren Präzedenzfall: Infrastruktur zur Anpassung an den Klimawandel muss mit dem Umweltrecht vereinbar sein, und die Planung von Skigebieten reicht heute über die Skipiste hinaus.