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Swiss Observer

PostFinance kündigt umfassende Umstrukturierung mit 141 Stellenabbau

Die staatseigene PostFinance plant einen deutlichen Stellenabbau, der vor allem Verwaltungsstellen in Bern betrifft. Als Gründe nennt sie den Marktdruck und die Notwendigkeit einer strategischen Neuausrichtung.

PostFinance kündigt umfassende Umstrukturierung mit 141 Stellenabbau
AISWI swissinfo.ch

Eine Schockwelle geht heute durch den Schweizer Bankensektor: PostFinance, der staatseigene Finanzriese, kündigt einen drastischen Abbau ihrer Belegschaft an. In einem Schritt, der das Ende des gewohnten Geschäftsbetriebs signalisiert, hat das Institut bestätigt, bis November 2025 bis zu 141 Stellen abzubauen. Dabei geht es nicht bloss um einen kleinen Stellenabbau, sondern um einen tiefgreifenden strukturellen Umbruch, der auch 73 Anpassungen von Arbeitsverträgen umfasst und damit die Arbeitsbedingungen von über 200 Mitarbeitenden verändert.

Die Ankündigung zerstört die Illusion, staatlich unterstützte Unternehmen seien vor solchen Einschnitten gefeit. PostFinance steht vor einer harten Realität: Die Leistung muss steigen, sonst droht dem Institut die Bedeutungslosigkeit. Das Ausmass des Abbaus verdeutlicht, wie ernst die Lage ist. Die Geschäftsleitung hat klargemacht, dass Effizienz nicht länger ein Ziel, sondern eine Überlebensnotwendigkeit ist. Mit Beginn des Konsultationsverfahrens ist die Botschaft unmissverständlich: Die Zeit des überdimensionierten Verwaltungsapparats ist vorbei, an seine Stelle tritt ein schlankerer und offensiver ausgerichteter Betrieb.

Der perfekte Sturm: Volatilität zwingt zum Handeln

Die Marktvolatilität ist kein Schlagwort mehr, sondern der Hammer, der auf den Amboss der Schweizer Finanzbranche trifft. PostFinance kämpft mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, das von Unsicherheit bei den Anlegern und einem belastenden Zinsumfeld geprägt ist. Diese äusseren Belastungen haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verschärft. Dadurch ist ein perfekter Sturm entstanden, der die Rentabilität geschmälert und die Führung zum Handeln gezwungen hat.

Die Zahlen sprechen für sich, und die Entwicklung ist alarmierend. Die Geschäftsleitung nennt ausdrücklich das «schwierige Zinsumfeld» als einen Hauptauslöser für die Umstrukturierung. Während die Konkurrenz versucht, sich anzupassen, ergreift PostFinance sofort schmerzhafte Massnahmen, um die Verluste einzudämmen. Die Volatilität der globalen Märkte hat Schwachstellen des traditionellen Bankenmodells offengelegt und macht eine rasche Neuausrichtung nötig. Es ist eine direkte Reaktion auf ein Finanzumfeld, in dem Zögern teuer ist. Indem PostFinance den Marktdruck jetzt entschlossen angeht, versucht sie, sich gegen weitere wirtschaftliche Turbulenzen abzusichern. Die Kosten dafür trägt jedoch die Belegschaft.

Bern im Visier: Abbau in der Verwaltung

Die Hauptstadt trägt die Hauptlast dieses unternehmerischen Kahlschlags. Der Abbau erfolgt nicht gleichmässig, sondern konzentriert sich gezielt auf Verwaltungsfunktionen am Hauptsitz in Bern. Diese Konzentration des Stellenabbaus trifft den Kern des operativen Betriebs des Unternehmens. Für eine Stadt, die von der Stabilität staatlich verbundener Arbeitsplätze profitiert, ist der Abbau von 141 Stellen ein schwerer Schlag für den lokalen Arbeitsmarkt im kaufmännischen Bereich.

CEO Beat Röthlisberger hat die Lage klar benannt und ihre Tragweite anerkannt. «Uns ist bewusst, dass diese Nachricht für viele unserer Mitarbeitenden schmerzhaft ist und Unsicherheit und Besorgnis auslösen wird», sagte er. Mitgefühl hält den Umstrukturierungsprozess jedoch nicht auf. Das Unternehmen hat die üblichen Konsultationsverfahren eingeleitet und gut strukturierte Sozialpläne zugesichert. Für die Belegschaft in Bern bleibt die Realität dennoch hart. Während die Frist im November 2025 näher rückt, herrscht am Hauptsitz spürbare Anspannung. Die Mitarbeitenden stehen vor einer Zeit grosser Unsicherheit.

Anpassen oder untergehen: die Strategie zum Überleben

In der gnadenlosen Welt der modernen Finanzbranche bedeutet Stillstand das Aus. «Tatenlos zuzusehen, kommt nicht infrage», erklärt CEO Röthlisberger und kündigt damit eine klare strategische Neuausrichtung an. PostFinance baut nicht nur Kosten ab, sondern versucht auch, ihre Ertragsquellen neu aufzustellen. Die Umstrukturierung ist der erste Schritt einer umfassenderen Strategie zur Stärkung des «zinsunabhängigen Geschäfts», also einer wichtigen Abkehr von der Abhängigkeit von schwankenden Zinssätzen.

Es ist ein riskantes Spiel mit der Effizienz. Die Geschäftsleitung argumentiert, Kostendisziplin sei eine unabdingbare Voraussetzung für künftiges Wachstum und Investitionen. Durch die Straffung des Organisationsmodells will PostFinance Kapital freisetzen, um in die Bedürfnisse der Kundschaft und in die digitale Transformation zu investieren. Der Weg in diese neue, rentable Zukunft ist jedoch von schwierigen Entscheidungen geprägt. Die Bank setzt darauf, dass sie mit einer schlankeren und flexibleren Struktur die Konkurrenz übertreffen und wieder Tritt fassen kann. Ob diese strategische Neuausrichtung die angestrebte Rentabilität bringt, bleibt die entscheidende Frage für das kommende Jahr.