Umwelt
Plastikverschmutzung erreicht die alpine Tierwelt der Schweiz
Eine bahnbrechende Studie zeigt, dass ein Drittel der Segler-Nester in Europa Plastikabfälle enthält. Damit werden beispiellose Umweltprobleme für Vogelarten sichtbar, die sich überwiegend in der Luft aufhalten.

In einer bahnbrechenden Studie, die in der Umweltforschung für Aufsehen gesorgt hat, haben Forschende beunruhigende Belege dafür gefunden, dass die Plastikverschmutzung Wildtiere in den Schweizer Alpen beeinträchtigt. Die Studie zeigt, dass ein Drittel der Segler-Nester in Europa, darunter auch in der Schweiz, Plastikabfälle enthält. Für diese Arten, die sich überwiegend in der Luft aufhalten, stellt dies eine beispiellose Umweltbelastung dar.
Ergebnisse und Methodik der Forschung
Die umfassende Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment, untersuchte 487 Nester in sieben europäischen Ländern, darunter auch in der Schweiz. Das Schweizerische Institut für Vogelkunde in Sempach spielte eine wichtige Rolle bei dieser internationalen Forschungsarbeit. Die Forschenden analysierten das Nistmaterial von drei europäischen Seglerarten. Dabei zeigte sich, dass 36,5 Prozent aller untersuchten Nester Plastikabfälle enthielten.
Auswirkungen auf verschiedene Seglerarten
Die Studie zeigte deutliche Unterschiede bei der Plastikbelastung der verschiedenen Seglerarten. Besonders auffällig war, dass 85 Prozent der Nester von Fahlseglern Plastik enthielten. Dies wurde vor allem auf ihre Vorliebe für städtische Lebensräume zurückgeführt. Laut Livio Rey vom Schweizerischen Institut für Vogelkunde ist die Belastung besonders besorgniserregend, weil diese Vögel aussergewöhnlich lange in der Luft bleiben können: Alpensegler bis zu acht Monate und Mauersegler bis zu zehn Monate. Da sie nur selten den Boden berühren, sammeln sie Nistmaterial im Flug.
Auswirkungen auf die Umwelt
Die Studie konzentrierte sich in erster Linie darauf, das Vorkommen von Plastik in Nestern zu dokumentieren. Die Forschenden beobachteten jedoch auch beunruhigende mögliche Folgen für die Sicherheit der Vögel. In vier dokumentierten Fällen hatten sich Vögel in Plastikabfällen verfangen, was auf unmittelbare körperliche Gefahren hinweist. Zudem birgt das mögliche Austreten von Chemikalien aus Kunststoffen unbekannte langfristige Risiken für diese Arten. Das Forschungsteam merkte an, dass Kunststoffmaterialien zwar eine bessere Wärmedämmung für Nester bieten könnten, die gesamten Auswirkungen auf die Umwelt aber weiter untersucht werden müssten.
Künftige Herausforderungen für den Naturschutz
Diese Entdeckung stellt den Bemühungen zum Schutz der Schweizer Wildtiere neue Herausforderungen. Die Belastung durch Plastik in der Luft betrifft Arten, von denen bisher angenommen wurde, sie seien relativ wenig menschlich verursachter Verschmutzung ausgesetzt. Die Ergebnisse unterstreichen, dass umfassende Ansätze für den Umgang mit Plastikabfällen nötig sind, insbesondere in den Alpenregionen, in denen diese Vögel nisten. Die Schweizer Umweltbehörden müssen nun Strategien entwickeln, um dieser neu auftretenden Bedrohung für die einheimische Tierwelt zu begegnen.