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Swiss Observer

Parlament heisst strengere Asylregeln gut und schränkt Familiennachzug ein

In einem bedeutenden Kurswechsel hat das Schweizer Parlament einem Vorstoss zur Verschärfung der Asylpolitik des Landes zugestimmt. Die neuen Massnahmen sollen die Zahl der Gesuche senken, die Verfahren beschleunigen und den Familiennachzug für Asylsuchende stärker einschränken.

Parlament heisst strengere Asylregeln gut und schränkt Familiennachzug ein
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz verschärft ihre Migrationspolitik mit einem beispiellosen parlamentarischen Auftrag. In einem entscheidenden Schritt, der eine härtere Haltung an den Landesgrenzen signalisiert, hat der Nationalrat einen weitreichenden Vorstoss zur Neuausrichtung der Asylstrategie des Landes angenommen. Dabei handelt es sich nicht bloss um einen Vorschlag, sondern um einen direkten Auftrag an den Bundesrat, die Zahl der Gesuche drastisch zu senken und die Ausschaffung abgewiesener Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller zu beschleunigen.

Der von der rechtsgerichteten Schweizerischen Volkspartei (SVP) eingebrachte Vorstoss verlangt eine konsequente Beschleunigung der Asyl- und Beschwerdeverfahren. Die Botschaft aus Bern ist unmissverständlich: Das System ist überlastet, und die Geduld mit administrativen Verzögerungen ist erschöpft. Die Abstimmung erfolgte unmittelbar nach einem gleichlautenden Entscheid des Ständerats am Vortag und besiegelt damit den gemeinsamen Vorstoss beider Kammern für eine restriktivere Migrationspolitik. Die politischen Abläufe kommen rasch voran, und der Druck auf den Asylbereich hat nun einen kritischen Siedepunkt erreicht.

Familiennachzug eingeschränkt, Ausgangssperren verhängt

Der neue Auftrag greift tief in bestehende humanitäre Verfahren ein, insbesondere indem er den Familiennachzug stark einschränkt. Für Asylsuchende, die Angehörige in die Schweiz holen möchten, schliesst sich die Tür rasch. Diese umstrittene Massnahme ist ein zentraler Bestandteil der SVP-Strategie, die Attraktivität der Schweiz als Zielland zu verringern.

Die Verschärfung geht jedoch über bürokratische Verfahren hinaus. In einem Schritt, der die physische Kontrolle über die Asylsuchenden deutlich verstärkt, hat das Parlament die Möglichkeit von zehn Tagen Ausgangssperre oder Haft für «renitente» Asylsuchende in Bundesasylzentren gutgeheissen. Für Personen, die als unkooperativ gelten, entsteht damit eine neue, harte Realität: An die Stelle administrativer Verwarnungen tritt ein unmittelbarer Freiheitsentzug. Der Bundesrat muss diese strengen Massnahmen nun umsetzen. Damit soll die asylbezogene Kriminalität durch direkte Eingriffe und strengere Unterbringung eingedämmt werden.

Härteres Vorgehen gegen Kriminalität und Protestkosten

Über die Asyldebatte hinaus nahm die ausserordentliche Session zur Sicherheit auch die öffentliche Ordnung und das Strafverfahren ins Visier. Ein Vorstoss der Mitte wurde angenommen, der Veranstalterinnen und Veranstalter von Demonstrationen dazu verpflichten soll, die Sicherheitskosten zu übernehmen. Dieser politische Kurswechsel stellt Aktivistinnen und Aktivisten vor eine erhebliche finanzielle Belastung und könnte die öffentliche Protestkultur in der Schweiz verändern.

Gleichzeitig erzielten die Grünliberalen mit einem Vorstoss zu mehrfach straffälligen Personen ohne gültigen Aufenthaltsstatus einen Erfolg. Die neue Regelung verlangt einfachere und schnellere Verfahren für diese Personen und baut bürokratische Hürden ab, die rechtliche Schritte bisher verzögert haben. Von der Strasse bis in die Gerichtssäle zielt der parlamentarische Konsens auf Effizienz und Rechenschaftspflicht: Sicherheitskosten und Strafverfahren sollen künftig mit neuer Konsequenz behandelt werden.

Rechtsgerichteter Erfolg verändert die Schweizer Politik

Obwohl die rechtsgerichtete Agenda die Session dominierte, war das Gesetzespaket kein geschlossenes Ganzes. In einem seltenen Erfolg für die Linke fand ein Vorstoss der Sozialdemokratischen Partei zum Schutz von Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt Unterstützung, unabhängig von deren Aufenthaltsstatus. Dieser humanitäre Zugeständnis steht jedoch in starkem Gegensatz zur überwältigenden Dynamik hin zu Einschränkungen und konsequenter Durchsetzung.

Die Annahme der zentralen Vorstösse der SVP durch beide Kammern gilt zum jetzigen Zeitpunkt weithin als Formsache, doch die Folgen sind weitreichend. Der Bundesrat ist nun gesetzlich verpflichtet, eine Strategie vorzulegen, die dieser restriktiven Vorstellung entspricht. Während die Schweiz mit Sicherheitsbedenken und Migrationsdruck ringt, hat sich das Parlament für einen Kurs der Abschottung entschieden. Die Zeit nachsichtiger Verfahrensverzögerungen ist vorbei; ein neues, deutlich härteres Kapitel der Schweizer Asylpolitik hat begonnen.