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Swiss Observer

Parlament verhindert Verkauf des strategischen Raumfahrtunternehmens Beyond Gravity

Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier stimmen dafür, die Privatisierung des viertgrössten Akteurs der europäischen Raumfahrtindustrie zu verhindern, und berufen sich dabei auf nationale Sicherheitsinteressen.

Parlament verhindert Verkauf des strategischen Raumfahrtunternehmens Beyond Gravity
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Ständerat hat in Bezug auf die technologischen Vermögenswerte des Landes eine definitive Grenze gezogen. Mit einem deutlichen Stimmenverhältnis von 28 zu 15 haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier am Montag die Aussicht auf einen Verkauf des staatseigenen Raumfahrtunternehmens Beyond Gravity zunichtegemacht. Damit schliesst sich der Ständerat dem Nationalrat an, der sich bereits im September klar gegen den Verkauf ausgesprochen hatte. Die Botschaft an die Exekutive ist eindeutig: Schweizerische strategische Interessen stehen nicht zum Verkauf.

Dabei handelt es sich nicht bloss um einen bürokratischen Aufschub, sondern um ein vollständiges Verbot. Die Motion, die ursprünglich von der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats eingebracht wurde, verpflichtet die Regierung nun, alle Pläne für eine Veräusserung unverzüglich zu stoppen. Mit einer derart klaren Mehrheit hat das Parlament seine Zuständigkeit für die eidgenössische Industriestrategie geltend gemacht und die Vorstellung zurückgewiesen, eine Privatisierung sei für erfolgreiche Staatsunternehmen der Standardweg. Die rasche und geschlossene Haltung beider Kammern unterstreicht die wachsende Dringlichkeit in Bern, nationale Vermögenswerte vor ausländischen Übernahmen oder einer Zersplitterung zu schützen.

Ein strategisches Schwergewicht: den viertgrössten Akteur verteidigen

Beyond Gravity ist nicht einfach eine weitere Tochtergesellschaft, sondern ein europäisches Schwergewicht. Als viertgrösster Akteur der europäischen Raumfahrtindustrie ist das Unternehmen ein zentraler Knotenpunkt der Luft- und Raumfahrtinfrastruktur des Kontinents. Parlamentarierinnen und Parlamentarier argumentierten nachdrücklich, die Veräusserung eines solchen Schwergewichts wäre ein «strategischer Fehler» von enormem Ausmass. Beyond Gravity zu verkaufen, hiesse, freiwillig einen wichtigen Hebel des industriellen Einflusses aufzugeben, insbesondere in einem Sektor, der untrennbar mit der nationalen und kontinentalen Sicherheit verbunden ist.

In einer Zeit, in der Raumfahrttechnologie die geopolitische Bedeutung prägt, ist es von höchster Wichtigkeit, die Kontrolle über diesen Vermögenswert zu behalten. Der Konsens unter den Parlamentarierinnen und Parlamentariern bringt eine klare Erkenntnis zum Ausdruck: Eigentum bedeutet Einfluss. Indem Beyond Gravity unter der Kontrolle des Bundes bleibt, stellt die Schweiz sicher, dass sie weiterhin eine wichtige Gestalterin der europäischen Raumfahrtpolitik ist und nicht bloss eine passive Beobachterin. Die Ablehnung des Verkaufs ist ein direkter Schritt, um den Schweizer Platz am Tisch der strategisch wichtigen Luft- und Raumfahrtverteidigung sowie Innovation zu sichern. Dabei wird langfristiger Einfluss einem kurzfristigen finanziellen Gewinn vorgezogen.

Das Erbe der RUAG: die Aufteilung im Überblick

Um die Tragweite dieser Abstimmung zu verstehen, muss man auf den strukturellen Umbruch von 2020 zurückblicken. Der staatseigene Rüstungskonzern RUAG wurde aufgeteilt, wodurch zwei eigenständige Unternehmen mit unterschiedlichen Aufgaben entstanden. RUAG MRO blieb die Technologiepartnerin der Schweizer Armee und konzentrierte sich auf die Instandhaltung im Inland. Der internationale Geschäftsbereich, der hauptsächlich aus Beyond Gravity besteht, wurde dagegen auf den Wettbewerb auf dem globalen Markt ausgerichtet.

Die Trennung war jedoch nie als Auftakt zu einem Rückzug gedacht. Während RUAG MRO die Verteidigungsfähigkeit im Inland sicherstellt, bringt Beyond Gravity Schweizer Ingenieurskunst in den Orbit. Der Eingriff des Parlaments stoppt eine Entwicklung, die dazu hätte führen können, dass dieser internationale Geschäftsbereich von seinen Wurzeln beim Bund abgeschnitten wird. Die Abstimmung bekräftigt die Strategie mit zwei Pfeilern: eine starke Verteidigungsfähigkeit im Inland aufrechtzuerhalten und zugleich eine staatlich gestützte Präsenz auf dem lukrativen und strategisch wichtigen internationalen Raumfahrtmarkt zu sichern.

Souveränität statt Profit: das neue sicherheitspolitische Gebot

Die Motion geht nun zur Umsetzung an die Regierung und markiert einen bedeutenden Wandel in der Schweizer Industriepolitik. Dies ist ein Sieg der Sicherheitsdoktrin über rein wirtschaftliche Überlegungen. In einer Welt voller geopolitischer Instabilität hat das Parlament entschieden, dass die Risiken eines Kontrollverlusts über sensible Raumfahrttechnologie die Vorteile einer Privatisierung bei Weitem überwiegen. Die Regierung muss nun einen Auftrag umsetzen, der den Verkauf ausdrücklich verbietet, und dabei neu prüfen, wie staatseigene Unternehmen zur nationalen Widerstandsfähigkeit beitragen.

Dieser Entscheid entspricht einer breiteren Haltung zur «Festung Schweiz» und zur Notwendigkeit, Schwachstellen in der nationalen Infrastruktur zu erkennen und zu beheben. Indem die Schweiz Beyond Gravity unter staatlicher Kontrolle hält, stärkt sie ihre industrielle Basis gegen äussere Unwägbarkeiten. Die Botschaft ist klar: Bei der Eroberung des Weltraums wird die Schweiz ihre Souveränität nicht aufs Spiel setzen. Die Regierung muss nun die Zukunft von Beyond Gravity als dauerhaftem strategischem Staatsvermögen gestalten und sicherstellen, dass das Unternehmen weiterhin erfolgreich ist, ohne das private Kapital, das einst im Raum stand.