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Swiss Observer

Schweizer Parlament unterstützt Motion für bessere Besoldung von Frauen in der Armee

Um mehr Frauen für den Militärdienst zu gewinnen, hat das Schweizer Parlament einer Motion zugestimmt, die finanzielle Nachteile für Frauen in der Armee beseitigen soll. Im Fokus stehen die tiefen Ansätze der Erwerbsersatzentschädigung für Frauen, die vor ihrem Dienst Teilzeit gearbeitet haben. Die Armee will den Frauenanteil auf 10 Prozent erhöhen.

Schweizer Parlament unterstützt Motion für bessere Besoldung von Frauen in der Armee
AISWI swissinfo.ch

Die Besoldungsstruktur der Schweizer Armee ist endgültig im 21. Jahrhundert angekommen. In einem entscheidenden Schritt stimmte der Ständerat am Dienstag einer wichtigen Motion zu, mit der die finanziellen Nachteile beseitigt werden sollen, die Frauen in der Armee seit Langem treffen. Der Nationalrat hatte bereits grünes Licht gegeben. Damit signalisiert die Politik den gemeinsamen Willen, ein System zu beenden, das Armeeangehörige effektiv für ihre Entscheidungen im zivilen Berufsleben bestraft.

Das heutige System ist schlichtweg veraltet. Da die Entschädigungen auf dem Einkommen vor dem Dienst beruhen, erhalten Frauen, die vor ihrem Militärdienst statistisch häufiger Teilzeit arbeiten, überproportional oft die tiefsten Ansätze. Dieser gesetzgeberische Erfolg markiert einen wichtigen Kurswechsel: Der Wert eines Armeeangehörigen soll sich nach Rang und Dienstleistung richten und nicht nach dem früheren Lohn im zivilen Berufsleben. Der Bundesrat unterstützt die Änderung und räumt ein, dass die Modernisierung der Besoldung ein erster Schritt hin zu einer modernen Armee ist.

Das ehrgeizige Ziel von 10 Prozent

Die Schweizer Armee kämpft mit einem frappierenden Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern, und die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild. Derzeit machen Frauen nur 1,5 Prozent der Armee aus, ein Wert, der deutlich hinter internationalen Standards zurückbleibt. Die Armeeführung hat ein ehrgeiziges und ambitioniertes Ziel gesetzt: den Anteil auf 10 Prozent zu erhöhen. Das ist keine geringfügige Steigerung, sondern erfordert eine beinahe siebenfache Zunahme des Frauenanteils.

Diese Steigerung ist unmöglich, wenn finanzielle Fehlanreize nicht beseitigt werden. Die Armee räumt ein, dass sie hochqualifizierte Frauen nicht gewinnen kann, wenn die finanziellen Bedingungen grundsätzlich diskriminierend sind. Indem die Besoldung an die Verantwortung statt an die Vergangenheit geknüpft wird, versucht die Armee, sich von einer Männerdomäne zu einer attraktiven Arbeitgeberin für Frauen zu wandeln. Die Zeit drängt: Angesichts des Ziels von 10 Prozent sind diese finanziellen Reformen nicht nur gerecht, sondern auch für den Betrieb der Armee entscheidend.

Systemische Mängel aufgedeckt

Wie tief die Ungleichheit reicht, zeigte Marcel Dobler von der FDP auf. Nach den geltenden Regeln kann eine Offizierin im Rang eines Majors, die ihrem Land über 1'000 Tage gedient hat, genau gleich viel erhalten wie ein Rekrut an seinem ersten Tag in der Rekrutenschule. Dieser Unterschied besteht einzig deshalb, weil die Majorin vor dem Dienst möglicherweise Teilzeit gearbeitet hat.

Diese bürokratische Absurdität vermittelt eine demoralisierende Botschaft: Erfahrung und Rang spielen keine Rolle, wenn die Einkommensgeschichte im zivilen Berufsleben nicht dem traditionellen Vollzeitmodell entspricht. Dobl ers Motion, die nun von beiden Räten unterstützt wird, stellt diese Logik direkt infrage. Sie hält fest, dass sich der Wert im Militärdienst aus der geleisteten Dienstleistung ergibt. Diese Lücke zu schliessen ist nicht bloss eine finanzielle Anpassung, sondern gibt hochrangigen Offizierinnen, die für ihre Führungsarbeit zu tief entschädigt wurden, ihre Würde zurück.

Die Reihen verstärken

Während die Abstimmung über die Lohngleichheit die Schlagzeilen beherrschte, arbeitet der Ständerat gleichzeitig daran, weitere Lücken in der Landesverteidigung zu schliessen. In einem parallelen Entscheid hiessen die Ratsmitglieder eine Motion von Rémy Wyssmann von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) gut, die es ehemaligen Armeeangehörigen ermöglichen soll, in den Dienst zurückzukehren. Damit sollen erfahrene Personen gewonnen werden, die die Armee bereits verlassen haben, aber bereit sind, erneut Dienst zu leisten.

Der Gesetzgebungsprozess verläuft jedoch nicht ganz reibungslos. Eine separate Motion, die verhindern soll, dass französisch-schweizerische Doppelbürger sich ihren Militärpflichten entziehen, wurde wegen Verfahrensstreitigkeiten an den Nationalrat zurückgewiesen. Beide Räte sind sich zwar im Grundsatz einig, dass Doppelbürger ihren Status nicht nutzen sollten, um dem Dienst zu entgehen. Über die Umsetzung der Regeln besteht jedoch weiterhin Uneinigkeit. Angesichts der sich wandelnden Sicherheitslage ist die Botschaft der Schweiz klar: Die Armee braucht mehr Personal, faire Besoldung und strengere Regeln, um einsatzfähig zu bleiben.