Wirtschaft
Wegweisender Schweizer Bio-Grosshändler nach 42 Jahren Konkurs
Horai, ein traditionsreicher Berner Bio-Grosshändler, hat Konkurs angemeldet. Als Gründe nennt das Unternehmen rückläufige Verkäufe in Fachgeschäften, zunehmenden Wettbewerb durch Discounter und eine sinkende Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten. Die Schliessung spiegelt die grösseren Herausforderungen des Schweizer Bio-Markts wider.

Eine tragende Säule der Berner Bio-Bewegung ist zerbrochen. Horai, der traditionsreiche Grosshändler, der den ökologischen Handel der Region über mehr als vier Jahrzehnte prägte, hat offiziell Konkurs angemeldet. Die Schliessung in Fraubrunnen bedeutet das schmerzliche Ende einer 42-jährigen Geschichte und erschüttert die lokale Landwirtschaftsgemeinschaft. Horai wurde 1984 gegründet, lange bevor «Bio» für Grossverteiler zum Schlagwort im Marketing wurde, und stand für nachhaltigen Handel. Heute ist dieses Zeugnis verstummt.
Die Folgen für die Menschen sind unmittelbar und schmerzhaft. Mit der Einstellung des Betriebs verlieren alle 18 Mitarbeitenden voraussichtlich ihre Stelle. Die Löhne sind Berichten zufolge zwar bis Ende April gesichert, doch der psychologische Schlag für die Belegschaft und die Gemeinschaft, die dieses Genossenschaftsmodell aufgebaut hat, ist kaum zu ermessen. Verwaltungsratspräsident Kaspar Ramseier bestätigte den Zusammenbruch. Damit zeigt sich, dass selbst etablierte Unternehmen vor dem heftigen wirtschaftlichen Gegenwind, der derzeit den Schweizer Detailhandel trifft, nicht gefeit sind.
Discounter und Inflation setzen dem Fachhandel stark zu
Die Zahlen sprechen für sich: Angesichts des wirtschaftlichen Drucks schwindet die Kundentreue. Horais Niedergang wird unmittelbar auf den starken und anhaltenden Umsatzrückgang bei den belieferten Fachgeschäften und Restaurants zurückgeführt. Die Ursache? Eine heftige Kombination aus aggressivem Wettbewerb durch grosse Discounter und sinkender Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten. Während die Inflation zu spüren ist, wenden sich Schweizer Kundinnen und Kunden zunehmend von teureren Fachgeschäften ab und greifen im Supermarkt zu günstigeren Bio-Alternativen.
Es ist ein Kampf um Margen, und Horai hat ihn verloren. Das Unternehmen erklärte ausdrücklich, die Fixkosten angesichts stark sinkender Bestellmengen nicht mehr decken zu können. Die Nachfrage nach Bio-Produkten besteht zwar weiterhin, doch die Bereitschaft, für die mit hohen Gemeinkosten verbundene, ethisch ausgerichtete Distribution zu bezahlen, ist eingebrochen. Der Markt wird mit preisgünstigeren Bio-Produkten überschwemmt. Das zwingt Pioniere, die bei Preis oder Qualität keine Abstriche machen wollen, in die Zahlungsunfähigkeit. Die Entwicklung führt deutlich vor Augen: Im aktuellen wirtschaftlichen Klima wiegt die Preissensibilität stärker als das ökologische Erbe.
Erschütterungen in der Lieferkette: 150 Betriebe stehen ohne Partner da
Der Zusammenbruch von Horai ist kein Einzelfall, sondern ein systemisches Versagen, das ein Netzwerk von fast 150 Unternehmen betrifft. Von kleinen Bio-Boutiquen bis zu Restaurants mit direktem Bezug vom Hof wurde die Lieferkette unterbrochen. Diese Betriebe, die auf Horais sorgfältig zusammengestellte Auswahl an Produzenten zählten, müssen nun in einem ohnehin angespannten Markt rasch neue Logistikpartner finden. Die Auswirkungen dürften kleinere Detailhändler dazu zwingen, entweder die Preise weiter zu erhöhen oder bei ihren Beschaffungsstandards Abstriche zu machen.
Horai war mit seiner Eigentümerstruktur einzigartig: Produzenten, Lieferanten, Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitende waren am Unternehmen beteiligt. So entstand ein eng vernetztes Ökosystem, das sich nun auflöst. Diese gegenseitige Abhängigkeit, einst Horais grösste Stärke, ist zur Schwachstelle geworden. Mit dem Grosshändler verlieren auch die kleinen Produzenten an gemeinsamer Verhandlungsmacht. Sie waren auf Horai angewiesen, um ihre Waren auf den Markt zu bringen, ohne sich den enormen Mengenanforderungen nationaler Supermarktketten beugen zu müssen.
Das Ende der Ideologie? Die Marktrealität setzt sich gegen die Prinzipien durch
Horais Konkurs markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die Schweizer Landwirtschaft: Die Zeit des kompromisslosen Idealismus prallt auf die nüchternen Marktgegebenheiten der Logistik. Das Unternehmen hielt sich bekanntermassen an eine strikte Lieferdistanz von höchstens 100 Kilometern, um seinen CO₂-Fussabdruck zu minimieren. Diese ökologisch vorbildliche Selbstbeschränkung dürfte jedoch seine Möglichkeiten eingeschränkt haben, zu wachsen oder sich an einen Markt anzupassen, in dem die Konkurrenz Effizienz und Reichweite höher gewichtet als die Verringerung des CO₂-Ausstosses.
Dieser Konkurs wirft für die Branche eine unbequeme Frage auf: Können strenge ökologische Grundsätze in einer von Discountern geprägten Wirtschaft bestehen? Die Schliessung deutet darauf hin, dass