Wirtschaft
On Running darf Schweizerkreuz auf im Ausland hergestellten Schuhen verwenden
Der Schuhhersteller On hat seinen Kampf um die Verwendung des Schweizerkreuzes auf seinen Schuhen erfolgreich gewonnen, nachdem das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum seine Regeln gelockert hat. Die Änderung erlaubt Unternehmen, die in der Schweiz Forschung und Design betreiben, das Nationalsymbol zu verwenden, auch wenn die Herstellung im Ausland erfolgt.

Der Kampf ist vorbei, und die Innovation hat gesiegt. In einem wegweisenden Entscheid, der die wirtschaftliche Landschaft unseres Landes neu gestaltet, hat der Schuhhersteller On erfolgreich das Recht erlangt, seine Schuhe mit dem ikonischen Schweizerkreuz zu versehen. Dieser Sieg markiert das Ende eines heftigen, langjährigen Streits mit den Bundesbehörden und signalisiert einen dramatischen Wandel darin, wie die Schweiz ihre wirtschaftlichen Exporte im 21. Jahrhundert definiert.
Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) hat offiziell nachgegeben und seine strenge Praxis gelockert, um einer modernen Realität Rechnung zu tragen: Wert entsteht im Kopf und nicht nur am Fliessband. Während die physische Herstellung von Ons Hochleistungsausrüstung im Ausland erfolgt, schlägt das geistige Herz des Produkts unbestreitbar in Zürich. Der Entscheid bestätigt den Standpunkt des Unternehmens, dass das Schweizerkreuz für Schweizer Ingenieurskunst und Designqualität steht, unabhängig davon, wo die abschliessenden Näharbeiten stattfinden. Das ist nicht bloss ein Sieg für ein Schuhunternehmen, sondern eine entscheidende Weiterentwicklung der Schweizer Marke selbst.
Die Neudefinition des Labels «Swiss Made»
Jahrzehntelang war die Definition von «Swissness» eng an Vorgaben zur physischen Produktion gebunden. Der jüngste Schritt des IGE trägt jedoch einem tiefgreifenden Wandel in der Weltwirtschaft Rechnung. Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet, erlauben die gelockerten Regeln Unternehmen nun, das Nationalsymbol zu verwenden, wenn sie ihre wesentliche Forschung, Entwicklung und ihr Design in der Schweiz betreiben, selbst wenn sich die Fabriken in Asien befinden.
Dies ist eine pragmatische und notwendige Aktualisierung veralteter Vorschriften. On Running argumentierte erfolgreich, dass der wahre Wert seiner Produkte am Zürcher Hauptsitz entsteht. Da die gesamte 16-jährige Firmengeschichte in Schweizer Designlabors verwurzelt ist, haben die Behörden nun eingeräumt, dass die Stärke der Schweizer Wirtschaft «nicht nur in der Produktion, sondern auch in Innovation, Forschung, Entwicklung und Design» liegt. Dieser Entscheid schafft einen wichtigen Präzedenzfall und könnte anderen Schweizer Hightech-Unternehmen den Weg ebnen, ihr nationales Erbe in ihrer Markenführung wieder stärker geltend zu machen.
Ein Finanzgigant auf Wachstumskurs
Der Zeitpunkt dieses juristischen Siegs könnte kaum besser sein, denn On festigt seinen Status als globaler Finanzgigant. Das Unternehmen hat seine eigenen Rekorde übertroffen: Der Umsatz stieg 2025 um beeindruckende 30 Prozent auf 3,01 Milliarden Franken. Erstmals die Schwelle von 3 Milliarden Franken zu überschreiten, ist nicht nur ein Meilenstein, sondern ein klares Zeichen der Dominanz auf dem hart umkämpften Sportbekleidungsmarkt.
Angetrieben wird dieses explosive Wachstum von einer grossen Belegschaft in Zürich. Mehr als 1100 Mitarbeitende arbeiten inzwischen am Hauptsitz des Unternehmens und treiben dort die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten voran, die die Verwendung des Schweizerkreuzes rechtfertigen. Diese Zahlen zeichnen ein klares Bild: On leistet einen bedeutenden Beitrag zur lokalen Wirtschaft. Der Umfang des Erfolgs dürfte dem Argument zusätzliches Gewicht verliehen haben, dass On in jeder Hinsicht ein Aushängeschild der Schweizer Wirtschaft ist.
Bestätigung nach rechtlichen Auseinandersetzungen
Der Weg zu diesem Entscheid war von energischen rechtlichen Auseinandersetzungen geprägt. Noch im September 2025 sah sich On heftigem Widerstand von Swissness Enforcement gegenüber. Die Organisation reichte in China formelle Beschwerden gegen die Verwendung des Schweizerkreuzes auf in Asien hergestellten Produkten der Marke ein. Diese Schritte drohten, der Marke in wichtigen internationalen Märkten ihre Identität zu nehmen und schufen ein unsicheres Umfeld für die Expansion des Unternehmens.
Die heutige Klarstellung des IGE bringt diese Kritik jedoch faktisch zum Verstummen. Indem die Behörden Ons Argument bestätigten, dass Design und Innovation den Kern der «Swissness» ausmachen, entzogen sie den ausländischen Beschwerden die Grundlage. Das Unternehmen begrüsste den Entscheid als «zeitgemäss», eine höfliche Art zu sagen, dass die Vorschriften endlich mit der Realität moderner globaler Lieferketten Schritt gehalten haben. Der Streit ist beendet, die Marke bleibt bestehen.
Die Zukunft des Schweizer Markenauftritts
Dieser Entscheid ist mehr als eine Bewilligung für ein Schuhunternehmen, er ist ein Modell für die Zukunft der Schweizer Industrie. Indem das Schweizerkreuz von der Fabrikhalle entkoppelt wird, positioniert sich die Schweiz als globales Zentrum für Wissen und Innovation statt als Werkstatt. Die Botschaft an die Welt lautet, dass Schweizer Qualität durch präzise Ingenieurskunst, avantgardistisches Design und intellektuelle Strenge definiert wird, unabhängig davon, wo die Formen gegossen werden.
Für On ist der Weg nun frei, das eigene Erbe ohne rechtliche Unklarheiten zu nutzen. Während das Unternehmen in beispiellosem Tempo weiterwächst, wird das Schweizerkreuz auf seiner Ferse als Symbol für Innovation aus Zürich stehen. Die Behörden haben richtig entschieden: In einer globalisierten Wirtschaft müssen wir unser Können exportieren, und dieses Können verdient es, die Nationalflagge zu tragen.