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Swiss Observer

Novartis schliesst Morphosys, 330 Stellen betroffen

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis kündigt an, die kürzlich übernommene deutsche Biotechfirma Morphosys bis Ende 2025 zu schliessen. Hunderte Stellen sind betroffen.

Novartis schliesst Morphosys, 330 Stellen betroffen
AISWI swissinfo.ch

Novartis zieht den Stecker. In einem entschlossenen Schritt, der die volatile Natur der Biotechbranche unterstreicht, hat der Basler Pharmariese bestätigt, dass er den Betrieb von Morphosys bis Ende 2025 einstellen wird. Die Schliessung der deutschen Biotechfirma, die vor weniger als einem Jahr übernommen wurde, wird den Abbau von rund 330 Stellen in Deutschland und den USA zur Folge haben. Es handelt sich nicht um eine blosse Restrukturierung, sondern um die vollständige Auflösung der physischen Präsenz des übernommenen Unternehmens.

Die Geschwindigkeit dieses Entscheids ist bemerkenswert. Während die Tinte auf dem Übernahmevertrag kaum trocken ist, hat Novartis bereits festgestellt, dass die eigenständige Infrastruktur von Morphosys nicht mehr benötigt wird. Im Zuge der Integration werden sämtliche Aktivitäten des Portfolios direkt in das riesige Ökosystem des Schweizer Konzerns aufgenommen. Für die Hunderte von Mitarbeitenden, denen der Stellenabbau bevorsteht, ist die Botschaft hart, aber klar: In Basel hat Effizienz Vorrang. Dieser Schritt signalisiert eine rasche Beschleunigung der Strategie von Novartis, die Abläufe zu straffen und alle Vermögenswerte abzustossen, die nicht unmittelbar zum Geschäftsergebnis beitragen.

Die Milliardenwette wird zum Verlustgeschäft

Anfang dieses Jahres flossen beträchtliche 2,5 Milliarden CHF (2,7 Milliarden Euro) in die Übernahme von Morphosys. Diese mutige Wette wird nun von der harten Realität eingeholt. Novartis, bekannt für seine durchdachten finanziellen Manöver, musste eine erhebliche Abwertung seines wertvollen Vermögenswerts hinnehmen. In einem Schritt, der die Anleger aufschreckte, senkte das Unternehmen kürzlich den Buchwert von Morphosys um satte 800 Millionen US-Dollar. Das ist keine geringfügige Anpassung, sondern ein klares Eingeständnis, dass die ursprüngliche Bewertung zu optimistisch war.

Die finanziellen Aussichten sind herausfordernd. Novartis verfügt zwar weiterhin über eine solide Bilanz, doch die Abschreibung von beinahe einer Milliarde US-Dollar innerhalb weniger Monate nach einem Kauf macht die erheblichen Risiken deutlich, die mit Übernahmen und Fusionen in der Pharmaindustrie verbunden sind. Die massive Wertberichtigung deutet darauf hin, dass sich die erwarteten Erträge deutlich langsamer oder in deutlich geringerem Umfang einstellen als von den Schweizer Führungskräften prognostiziert. Sie führt eindrücklich vor Augen, dass auch die mächtigsten Akteure der Pharmawelt nicht vor den Schwankungen bei der Bewertung von Vermögenswerten gefeit sind.

Pelabresib: Das Medikament bleibt hinter den Erwartungen zurück

Im Zentrum der Turbulenzen steht Pelabresib, das Kronjuwel des Morphosys-Portfolios, das rasch an Glanz verliert. Novartis kaufte das Unternehmen vor allem, um Zugang zu diesem experimentellen Medikament gegen Myelofibrose zu erhalten, einer potenziell tödlichen chronischen Erkrankung des Knochenmarks. Die Hoffnung war, ein Blockbuster-Medikament zu erhalten, das den Markt beherrschen würde. Stattdessen muss sich das Unternehmen mit besorgniserregenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments auseinandersetzen.

Die jüngste Korrektur um 800 Millionen US-Dollar steht in direktem Zusammenhang mit diesen klinischen Bedenken. Der medizinische Bedarf an wirksamen Behandlungen für Myelofibrose bleibt zwar gross, doch der weitere Weg für Pelabresib ist von Unsicherheit geprägt. Novartis muss das Potenzial eines Medikaments neu bewerten, das die Ausgaben in Milliardenhöhe eigentlich rechtfertigen sollte. Diese Entwicklung wirft einen langen Schatten auf die Forschungs- und Entwicklungspipeline und zeigt einmal mehr, dass in der risikoreichen Welt der Medikamentenentwicklung vielversprechende Aussichten nicht immer auch entsprechende Ergebnisse bedeuten.

Strategische Härte: der Schweizer Ansatz

Novartis entschuldigt sich nicht. In einer Erklärung, die den nüchternen Pragmatismus der Schweizer Unternehmenskultur widerspiegelt, hielt das Unternehmen fest, dass «alle Fusions- und Übernahmeaktivitäten ... mit einem gewissen Risiko verbunden sind». Die Schliessung ist ein kalkulierter Schritt im Rahmen einer umfassenderen Strategie, die Organisation für die Zukunft zu optimieren. Indem Novartis das geistige Eigentum übernimmt und gleichzeitig die betrieblichen Gemeinkosten abbaut, will sich der Konzern in einem gnadenlosen globalen Markt schlank und wettbewerbsfähig aufstellen.

Für die Schweizer Pharmabranche unterstreicht dieser Schritt den Ruf eines disziplinierten Portfoliomanagements. Die menschlichen Folgen sind unbestreitbar: 330 qualifizierte Stellen fallen weg. Aus Sicht der Aktionäre ist die unternehmerische Logik jedoch kaum angreifbar. Novartis richtet sich mit Nachdruck auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten aus, tut dies aber nach eigenen Bedingungen. Während Morphosys, ein Unternehmen mit einer Geschichte, die bis ins Jahr 1992 zurückreicht, in der Vergangenheit verschwindet, schreitet Novartis voran und zeigt: In Basel steht Sentimentalität der Strategie nie im Weg.