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Swiss Observer

Neue Vorschriften gegen Fahrzeuglärm treten in der ganzen Schweiz in Kraft

Strenge Vorschriften gegen vermeidbaren Fahrzeuglärm, darunter Tuning und unnötiges Hochdrehen des Motors, werden nun landesweit durchgesetzt.

Neue Vorschriften gegen Fahrzeuglärm treten in der ganzen Schweiz in Kraft
AILe News

Die Ära der dröhnenden Motoren auf Schweizer Strassen kommt abrupt und teuer zu einem Ende. Seit Januar 2025 droht Fahrerinnen und Fahrern, die vermeidbaren Lärm verursachen, eine saftige Busse von bis zu 10 000 CHF. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) zieht eine klare Grenze: Die Zeiten des unnötigen Hochdrehens des Motors, knallender Auspuffe und aggressiven Fahrens sind vorbei. Es handelt sich nicht um eine unverbindliche Empfehlung, sondern um eine landesweit geltende Vorschrift, deren Missachtung schwerwiegende finanzielle Folgen hat.

Auch die Bussen für kleinere Verstösse sind deutlich gestiegen. Die Busse für das unnötige Laufenlassen des Motors, eine verbreitete Angewohnheit während Schweizer Wintern, ist von zuvor 60 CHF auf 80 CHF erhöht worden. Die Botschaft aus Bern ist unmissverständlich: Ruhe ist nicht länger freiwillig. Ob ein modifiziertes Motorrad einen Bergpass hinaufbrettert oder ein Sportwagen an einer Ampel in Zürich den Motor aufheulen lässt: Die Behörden verfügen nun über die nötigen gesetzlichen Mittel, um hart gegen Lärmbelästigung vorzugehen.

Eine Krise der öffentlichen Gesundheit: Die tödlichen Folgen von Lärm

Bei diesem Vorgehen geht es nicht bloss um Belästigung, sondern um einen entscheidenden Eingriff zur Rettung von Menschenleben. Gesundheitsbehörden bezeichnen Strassenlärm als stillen Killer. Derzeit sind in der ganzen Schweiz rund 1 Million Menschen gesundheitsschädlichen Dezibelwerten ausgesetzt. Die Folgen sind gravierend und messbar. Wie RTS berichtet, steht die Lärmbelastung im Land in direktem Zusammenhang mit jährlich rund 450 vorzeitigen Todesfällen.

Das neue Gesetz, das 2021 vom Parlament verabschiedet wurde, ist eine direkte Reaktion auf diesen gesundheitlichen Umweltnotstand. Während die Luftqualität oft die Schlagzeilen beherrscht, löst Lärmbelastung Stressreaktionen aus, die zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafstörungen führen. Indem die Regierung die Lärmbelastung auf Schweizer Strassen begrenzt, will sie diese düsteren Zahlen senken. Die Schwelle für Gesundheitsschäden liegt bei 82 Dezibel. Damit wird eine klare Grenze zwischen Verkehr und einer Gefahr für die Öffentlichkeit gezogen.

Das Radarnetz: Technologie gegen Dezibel

Lärmsünderinnen und -sünder aufzuspüren, ist eine technische Herausforderung, der sich die Schweizer Behörden entschlossen stellen. Die Kantone Basel-Landschaft und Genf haben bei der Einführung moderner «Lärmradare» eine Vorreiterrolle übernommen. Diese Geräte sind so eingestellt, dass sie bei 82 Dezibel auslösen, also genau ab dem Punkt, an dem Lärm zu einer Gesundheitsgefahr wird. Zum Vergleich: Ein gewöhnliches, nicht modifiziertes Auto erreicht typischerweise einen moderaten Geräuschpegel von 50 bis 65 Dezibel. Jedes Fahrzeug, das den Alarm bei 82 Dezibel auslöst, ist deutlich lauter als üblich.

Erste Versuche zeigen, dass sich zwar die Mehrheit der Fahrerinnen und Fahrer an die Regeln hält, eine hartnäckige Minderheit jedoch weiterhin dagegen verstösst. Während der Testphasen lösten rund 1 % der Fahrzeuge die Radargeräte aus, wobei Motorräder unter den Lärmsündern überproportional häufig vertreten waren. Eine flächendeckende automatisierte Kontrolle bleibt jedoch komplex. Anders als bei Geschwindigkeitskameras ist es technisch anspruchsvoll, in dichtem Verkehr eine einzelne Lärmquelle zu isolieren. Deshalb erfordert die Suche nach lauten Fahrzeugen oft weiterhin menschliches Eingreifen.

Die Polizei auf der Jagd: Gezieltes Vorgehen gegen Lärmsünder

Wo die Technik an ihre Grenzen stösst, greift die Schweizer Polizei mit gezielten, konsequenten Kontrollen ein. Die Zahlen aus dem Kanton Waadt verdeutlichen das Ausmass des Problems. Allein 2024 hielt die Polizei 800 Fahrzeuge an, die im Verdacht standen, gegen die Lärmvorschriften zu verstossen. Das Ergebnis war eindeutig: 290 dieser Fahrzeuge, also beachtliche 36 %, waren übermässig laut.

Diese hohe Trefferquote zeigt, dass die Polizei nicht wahllos kontrolliert, sondern gezielt nach Verstössen sucht. Patrouillen werden strategisch in Gebieten eingesetzt, die für Poser und illegale Rennen bekannt sind. Der hohe Anteil an Verstössen legt nahe, dass es für eine bestimmte Gruppe von Schweizer Fahrerinnen und Fahrern eine bewusste Lebensweise ist, die Lärmvorschriften zu missachten. Mit dem Inkrafttreten der neuen Gesetze dürften diese gezielten Kontrollen zunehmen. Damit wird jede Fahrt mit einem nicht vorschriftsgemässen Fahrzeug zu einem riskanten Glücksspiel.

Nulltoleranz gegenüber Modifikationen

Für Autoenthusiastinnen und -enthusiasten sowie Tunerinnen und Tuner ist die Party offiziell vorbei. Die Polizei hat klargestellt: Es ist illegal, ein modifiziertes Fahrzeug zu fahren, dessen Lärmpegel die ursprünglichen Werksspezifikationen überschreitet. Es gibt keinen Graubereich. Erfüllt ein Auto oder Motorrad nicht den Lärmpegel, der bei seiner ersten Zulassung erfasst wurde, darf es nicht auf Schweizer öffentlichen Strassen gefahren werden.

Dieser Ansatz der Nulltoleranz richtet sich direkt gegen die Zubehörbranche. «Vermeidbarer Lärm» umfasst auch die technische Verstärkung von Geräuschen durch Umbauten. Wer weiterhin glaubt, ein lauter Auspuff sei eine Form des persönlichen Ausdrucks, gerät nun in Konflikt mit dem Bundesrecht. Im Verlauf des Jahres 2025 dürfte sich die Geräuschkulisse der Schweiz stark verändern. Benzinbegeisterte müssen ihre Fahrzeuge entweder leiser machen oder mit der vollen finanziellen Härte des Staates rechnen.