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Swiss Observer

Neue Archive der Credit Suisse zeigen tiefere Verbindungen zur Nazi-Zeit

Eine neue Untersuchung bringt zuvor unbekannte, mit den Nazis verbundene Konten bei der Credit Suisse ans Licht, darunter Verbindungen zu SS-Einheiten. Sie erweitert das Wissen über die Geschichte der Bank während des Zweiten Weltkriegs.

Neue Archive der Credit Suisse zeigen tiefere Verbindungen zur Nazi-Zeit
AISWI swissinfo.ch

Eine schockierende Enthüllung hat die Annahme erschüttert, die düstersten Geheimnisse der Schweizer Bankengeschichte seien vollständig aufgedeckt worden. Neue Belege bringen die Credit Suisse direkt mit einer berüchtigten deutschen SS-Eliteeinheit in Verbindung. Diese Entdeckung reisst alte Wunden auf und verlangt sofortige Aufmerksamkeit. Es handelt sich nicht bloss um ein Versehen bei der Aktenführung, sondern um eine direkte Verbindung zu den Tätern des Holocaust.

Die brisanten Ergebnisse stammen aus einer erneuten Untersuchung der Bankarchive. Sie zeigen, dass die Verbindungen des Instituts zum Nazi-Regime weitaus tiefer reichten, als bisher eingeräumt wurde. Während die Welt glaubte, dieses Kapitel sei abgeschlossen, sieht die Realität ganz anders aus. Laut einem Schreiben an den US-Senat hat die Untersuchung «Dutzende von Personen und juristischen Personen» identifiziert, die mit Nazi-Gräueltaten in Verbindung standen. Dabei handelt es sich nicht bloss um passive Konten, sondern um eine aktive Finanzinfrastruktur, die den Kriegs- und Völkermordapparat unterstützte. Während die Schweiz mit diesen neuen Informationen ringt, stellt sich die Frage: Wie viel mehr ist noch in den Tresoren verborgen?

Die 3’600 Aktenkisten: Eine Mauer des Schweigens wird durchbrochen

Enorme 3’600 Aktenkisten, die von den Untersuchungsgremien der 1990er-Jahre zuvor nie geprüft worden waren, werden nun geöffnet. Diese materielle Mauer des Schweigens, die jahrzehntelang ungeprüft blieb, bröckelt endlich unter der Prüfung des unabhängigen Ombudsmanns Neil Barofsky. Der gewaltige Umfang dieses übersehenen Materials deutet auf ein systemisches Versagen hin, sich mit dem vollen Ausmass der Aktivitäten der Bank während des Krieges auseinanderzusetzen.

Barofsky, ein ehemaliger US-Staatsanwalt, sichtet diesen Berg an Beweismaterial systematisch. Seine Untersuchung, die in einem Schreiben vom Dezember 2024 beschrieben wird, bestätigt seit Langem erhobene Vorwürfe des US-Senats, wonach die Credit Suisse bei früheren Untersuchungen nicht vollständig kooperiert habe. Die Existenz dieser Akten wirft eine beunruhigende Frage auf: War dies Unfähigkeit oder gezielte Vertuschung? Die Untersuchung bringt Beziehungen ans Licht, die entweder völlig unbekannt waren oder deren unheilvolle Bedeutung deutlich heruntergespielt wurde. Während Barofsky tiefer gräbt, wird die Darstellung der Schweizer Banken-Neutralität während des Zweiten Weltkriegs gewaltsam umgeschrieben, Dokument für Dokument.

Die UBS erbt die Schatten: Verantwortung des Unternehmens

Als die UBS die Credit Suisse in einer Notübernahme übernahm, erwarb sie nicht bloss Vermögenswerte, sondern erbte auch ein belastendes Erbe. Der Bankengigant steht nun im Zentrum der Aufmerksamkeit und ist für die «umfassende Aufarbeitung» der mit den Nazis verbundenen Vergangenheit seiner gescheiterten Konkurrentin verantwortlich. Das Unternehmensdrama rund um diese Untersuchung ist deutlich spürbar: Die Credit Suisse hatte Barofsky 2021 zuvor von seiner Rolle als Aufseher entbunden, nur damit die UBS ihn 2023 wieder einsetzte. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass die neuen Eigentümer die Gefahr für den Ruf erkennen, die in diesen Archiven schlummert.

Die UBS hat sich öffentlich zur Transparenz verpflichtet und erklärt, sie werde zu einer vollständigen historischen Aufarbeitung beitragen. Der Druck ist jedoch enorm. Es geht nicht mehr nur um Geschichte, sondern auch um aktuelle Unternehmensführung und die Integrität des Schweizer Finanzplatzes. Mit der Wiedereinsetzung des unabhängigen Aufsehers versucht die UBS, die Wunde zu veröden. Die Enthüllungen aus Barofskys Schreiben zeigen jedoch, dass die Infektion tief sitzt. Die Bank muss nun ein Minenfeld aus moralischer und rechtlicher Haftung durchqueren, während sie die Überreste der Credit Suisse integriert.

Über den Vergleich hinaus: Eine Geschichte wird neu geschrieben

1998 sollte ein historischer Vergleich über 1,25 Milliarden US-Dollar einen Schlussstrich unter die Kontroverse um Holocaust-Vermögen ziehen. Heute wirkt dieser Betrag weniger wie ein Abschluss als vielmehr wie eine Anzahlung auf eine Wahrheit, die nicht vollständig offengelegt wurde. Die Entdeckung dieser neuen Konten deutet darauf hin, dass der Umfang des ursprünglichen Vergleichs möglicherweise auf unvollständigen Daten beruhte. Damit wird die Endgültigkeit der vor über zwei Jahrzehnten geschlossenen Vereinbarungen infrage gestellt.

Für die Schweiz ist dies ein entscheidender Moment der Aufarbeitung. Die Darstellung, das Land habe für seine Rolle als Bankenplatz während des Krieges vollständig Sühne geleistet, bröckelt. Die finanziellen Vergleiche waren zwar beträchtlich, doch die moralische Schuld bleibt unbeglichen, solange Akten verborgen bleiben. Während die 3’600 Kisten ihre Geheimnisse preisgeben, steht der Schweizer Bankensektor erneut vor einer Glaubwürdigkeitskrise. Wir erleben eine schmerzhafte, aber notwendige Korrektur der historischen Aufzeichnungen, die zeigt: Banken können zwar zusammenbrechen, doch die Wahrheit über ihr Handeln bleibt unbegrenzt lange bestehen.