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Swiss Observer

Neuer Schokoladen-Themenpark für 400 Millionen Franken in Broc angekündigt

In Broc im Kanton Freiburg ist ein neuer gross angelegter, schokoladenorientierter Themenpark geplant. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 400 Millionen Franken. Das Projekt ist eine Partnerschaft zwischen Nestlé Schweiz und Jogne Invest und soll das bestehende Cailler-Museum am historischen Produktionsstandort für Schokolade erweitern.

Neuer Schokoladen-Themenpark für 400 Millionen Franken in Broc angekündigt
AILe News

Eine beträchtliche Summe von 400 Millionen Franken soll in den Kanton Freiburg fliessen. Damit handelt es sich um eine der ambitioniertesten Tourismusinvestitionen der jüngeren Schweizer Geschichte. Nestlé Schweiz und die Investmentgesellschaft Jogne Invest haben offiziell Pläne vorgestellt, das historische Zuhause der Cailler-Schokolade in einen erstklassigen Themenpark zu verwandeln. Es geht nicht bloss um eine Renovation, sondern um eine umfassende Neugestaltung des Standorts Broc: Je 200 Millionen Franken sind für den Park selbst und für wichtige Infrastruktur vorgesehen.

Das Projekt ist ein mutiges Bekenntnis zur wirtschaftlichen Zukunft der Region. Während andere Branchen mit Unsicherheiten ringen, setzen diese Partner verstärkt auf die Anziehungskraft Schweizer Schokolade. Der enorme Umfang der Investition signalisiert einen Wandel vom einfachen Fabriktourismus hin zu einem ambitionierten, immersiven Unterhaltungskonzept. Mit einer Investition von fast einer halben Milliarde Franken setzen die Projektverantwortlichen ein klares Zeichen: Broc dürfte zum Zentrum des europäischen Schokoladentourismus werden. Die Pläne, die Ende März öffentlich aufgelegt werden sollen, dürften die lokale Diskussion beherrschen, während sich die Region auf ein Jahrzehnt tiefgreifender Bauarbeiten vorbereitet.

Eine immersive Schokoladenwelt schaffen

Das geplante Projekt umfasst eine Fläche von 30 000 Quadratmetern und ist damit deutlich grösser als das heutige Museum. Der Entwurf verbindet Landwirtschaft und Industrie auf ausgeklügelte Weise: Vorgesehen sind weitläufige Gewächshäuser mit lebenden Kakaobäumen sowie ein Dach-«Emporium», das die Silhouette des Orts prägen soll. Die Designer wollen über das passive Museumserlebnis hinausgehen. Sie entwickeln ein sinnliches Erlebnis, bei dem Geschmack und Geruch von Schokolade im Zentrum stehen. Ein vollständiger Besuch dürfte bis zu fünf Stunden dauern.

Jahrelang stillgelegte Fabrikwerkstätten sollen wiederbelebt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So soll die raue Wirklichkeit der Produktion im 19. Jahrhundert mit Unterhaltung des 21. Jahrhunderts verbunden werden. Das Besuchserlebnis wird damit deutlich ausgeweitet. Während die heutige Führung einen Einblick bietet, verspricht der neue Park ein vollständiges Eintauchen. Der Anbau von Kakao in den Schweizer Voralpen ist besonders kühn: Er stellt die klimatischen Bedingungen der Region infrage und bringt die tropischen Ursprünge der Schokolade direkt nach Freiburg. Es geht nicht nur um ein Bauprojekt, sondern darum, die gesamte Lieferkette der Schokolade an einem einzigen, zu Fuss erkundbaren Ort zusammenzuführen.

Im Spannungsfeld zwischen Kulturerbe und Moderne

Das Projekt steht vor einer zentralen Herausforderung: Ein Standort, der seit 1898 ununterbrochen in Betrieb ist, soll modernisiert werden. Die Cailler-Fabrik ist nicht nur eine Produktionsstätte, sondern auch ein Bauwerk im Bundesinventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung. Dieser Status zwang die Projektverantwortlichen, frühere Entwürfe zu verwerfen, nachdem die eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege und Landschaftsschutz bei einer Prüfung im Jahr 2025 eine Redimensionierung des Projekts verlangt hatten, um die architektonische Integrität des Standorts zu bewahren.

Das Spannungsfeld zwischen Erhalt und Fortschritt prägt den aktuellen Vorschlag. Die überarbeiteten Pläne bewegen sich auf einem schmalen Grat: Sie sollen eine futuristische touristische Infrastruktur schaffen, ohne mehr als ein Jahrhundert Industriegeschichte auszulöschen. Bestehende Gebäude mit dem Laden und dem Café werden dem neuen Konzept weichen, während die historische Bausubstanz im Kern geschützt bleibt. Die Projektverantwortlichen mussten sich den Vorgaben des Bundes beugen. Das zeigt, dass selbst ein Budget von 400 Millionen Franken den strengen Schutz des Schweizer Kulturerbes nicht umgehen kann. Der gefundene Kompromiss soll das industrielle Erbe des 19. Jahrhunderts mit den kommerziellen Anforderungen der 2030er-Jahre in Einklang bringen.

Die regionale Verkehrsinfrastruktur neu gestalten

Um die erwarteten Besucherströme zu bewältigen, muss die lokale Verkehrslogistik umfassend umgestaltet werden. Im nahe gelegenen Gebiet Liaubon ist ein neues unterirdisches Parkhaus mit 700 gebührenpflichtigen Plätzen geplant. Damit soll der Fahrzeugverkehr aus den Dorfstrassen herausgehalten werden. Von dort aus werden die Besucherinnen und Besucher weder zu Fuss noch mit dem Auto weiterreisen, sondern mit einer neuen Seilbahn direkt zu den Werkstoren gelangen. Diese Infrastruktur soll nicht nur den Komfort erhöhen, sondern auch die Besucherströme lenken.

Die lokalen Behörden setzen darauf, mit diesem Verkehrskonzept Staus zu verhindern. Indem Parkplätze und Attraktion räumlich voneinander getrennt werden, soll sich das Verhalten der Besucherinnen und Besucher ändern und die Anreise mit dem Zug besonders attraktiv werden. Das ist ein logistisches Wagnis. Gelingt es, entsteht ein reibungsloser Besucherstrom, der den Wohnkern von Broc umgeht. Misslingt es, droht das Dorf unter dem Erfolg zu leiden, den es selbst anstrebt. Die räumlich getrennte Planung von Hotels und Parkplätzen deutet auf ein «Resort»-Konzept hin: Die Verkehrsbelastung soll ausgelagert und zugleich ein möglichst grosser Teil der wirtschaftlichen Erträge abgeschöpft werden.

Eine Million Besucherinnen und Besucher erwartet

Die Zahlen sind beeindruckend. Mit jährlich 480 000 Gästen im Jahr 2025 ist Cailler bereits die meistbesuchte Attraktion des Kantons. Der neue Park soll Rekorde brechen und bis zu einer Million Besucherinnen und Besucher pro Jahr anziehen. Das wäre ein Zuwachs von mehr als 100 Prozent und würde die Tourismuslandschaft Freiburgs grundlegend verändern. Die lokalen Behörden argumentieren, dass dieser starke Anstieg der Besucherzahlen die Region stärken werde. Die schiere Menge wirft jedoch Fragen zur Kapazität und Nachhaltigkeit auf.

Die erste Bauetappe soll voraussichtlich 2030 abgeschlossen sein. Der Region bleiben damit weniger als vier Jahre, um sich auf diesen Zustrom vorzubereiten. Das Ziel ist klar: Broc soll sich von einem regionalen Zwischenhalt zu einem wichtigen europäischen Reiseziel entwickeln. Werden die Prognosen erfüllt, wären die wirtschaftlichen Auswirkungen beträchtlich. Der lokale Gastgewerbesektor könnte belebt werden, während die Grenzen der lokalen Infrastruktur auf die Probe gestellt würden. Mit der öffentlichen Auflage des Projekts verspricht die Aussicht auf eine Million Besucherinnen und Besucher sowohl einen verlockenden wirtschaftlichen Aufschwung als auch eine erhebliche logistische Herausforderung.