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Swiss Observer

Nestlé tritt aus globaler Allianz zur Methanreduktion aus

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé tritt zwei Jahre nach seiner Mitgründung aus einer internationalen Initiative zur Verringerung der Methanemissionen in der Milchindustrie aus, hält aber an separaten Umweltverpflichtungen fest.

Nestlé tritt aus globaler Allianz zur Methanreduktion aus
AISWI swissinfo.ch

In einem Schritt, der in der Nachhaltigkeitsbranche für Schockwellen gesorgt hat, hat sich der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé abrupt von genau jener globalen Allianz zurückgezogen, an deren Aufbau er vor gerade einmal zwei Jahren mitgewirkt hatte. Der multinationale Konzern mit Sitz in Vevey hat die Verbindungen zur Methanreduktionsinitiative, die der Environmental Defense Fund (EDF) im Dezember 2023 gegründet hatte, offiziell gekappt. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine bürokratische Umstrukturierung, sondern um einen erheblichen Riss in der gemeinsamen Front der Lebensmittelbranche im Kampf gegen den Klimawandel.

Nestlés Austritt ist besonders verblüffend angesichts seiner Rolle als Gründungsmitglied. Während Konkurrenten wie Danone, Kraft Heinz und Starbucks dem Abkommen weiterhin angehören, hat Nestlé beschlossen, sich zurückzuziehen. Der Entscheid wirft sofort grundlegende Fragen dazu auf, wie dauerhaft Klimaversprechen von Unternehmen sind, wenn die Kontrolle gemeinschaftlichen Handelns zu intensiv wird. Indem Nestlé eine Allianz verlässt, die Transparenz in der Milchlieferkette durchsetzen soll, riskiert das Unternehmen, einen Rückzug von gemeinsamer Rechenschaftspflicht zu signalisieren, auch wenn es beteuert, an seinen eigenen internen Standards festzuhalten.

Der Methanauftrag

Kein Zweifel: Methan ist ein stiller Beschleuniger der Klimakrise, und die Milchindustrie steht dabei im Zentrum. Die Allianz wurde gegründet, um eine enorme, unvermeidbare biologische Realität anzugehen: Methan, das bei der Verdauung von Kühen und bei der Lagerung von Mist entsteht. Die Mitglieder der Allianz, darunter Branchenschwergewichte wie Danone, haben sich verpflichtet, diese Emissionen genau zu messen, offenzulegen und drastisch zu senken. Es ist ein datenbasierter Kampf gegen eines der stärksten Treibhausgase, die der Wissenschaft bekannt sind.

Nestlé ist in diesem Bereich kein unbedeutender Akteur. Zusammen mit Holcim und ABB gehört das Unternehmen zu den grössten CO2-Emittenten im Swiss Market Index. Der ökologische Fussabdruck seiner Lieferkette ist enorm. Mit dem Austritt aus der Allianz entzieht sich Nestlé einem standardisierten Offenlegungsrahmen, der einen direkten Vergleich mit anderen Unternehmen ermöglicht. Während die verbleibenden Mitglieder mit einheitlichen Messgrössen vorangehen, führt Nestlés Austritt zu einem zersplitterten Bild. Dadurch könnte der Schweizer Konzern den «Erfolg» nach eigenen Massstäben definieren, statt sich an einem globalen Referenzwert messen zu lassen.

Alleingang: Die Verteidigung des Konzerns

Nestlés Begründung für diesen abrupten Austritt wirkt kühl, kalkuliert und geschäftsmässig. «Nestlé überprüft regelmässig seine Mitgliedschaften in externen Organisationen», erklärte ein Sprecher und bestätigte, dass der Schritt Teil eines Routineprozesses gewesen sei. Das Unternehmen weist vehement zurück, dass dies auf eine nachlassende Entschlossenheit hindeute, und beteuert, es sei auch unabhängig weiterhin «entschlossen, seine Klimaziele zu erreichen». Es argumentiert, sein interner Fahrplan zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in der gesamten Lieferkette bleibe unverändert.

Diese Strategie des Alleingangs ist jedoch ein riskantes Spiel mit dem Vertrauen der Öffentlichkeit. In der komplexen Welt der ESG-Verpflichtungen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) dienen Allianzen mit unabhängigen Dritten als wichtige Prüfinstanzen für Fortschritte. Indem Nestlé sich auf interne Überprüfungen zurückzieht, verlangt das Unternehmen von der Öffentlichkeit gewissermassen, ihm einfach zu glauben. Ohne den externen Druck der EDF-Allianz sind die Verfahren zur Überprüfung von Nestlés Methanreduktionen weniger transparent. Das lässt Anspruchsgruppen fragen, ob das Unternehmen seine Abläufe strafft oder lediglich dem Rampenlicht ausweicht.

Das Muster des Schweizer Rückzugs

Nestlés Rückzug ist kein Einzelfall. Er scheint Teil eines beunruhigenden Trends hin zu einer Abschottung Schweizer Unternehmen gegenüber globalen Klimavereinbarungen zu sein. Erst vor wenigen Monaten, im August, kappte der Bankenkonzern UBS unter der Leitung von Sergio Ermotti seine Verbindungen zur von den Vereinten Nationen geförderten Net-Zero Banking Alliance (NZBA). Wie Nestlé ist auch UBS stark in den Vereinigten Staaten und auf den globalen Märkten präsent. Und wie Nestlé entschied sich die Bank, eine gemeinsame Verpflichtung zum Erreichen von Netto-Null-Emissionen bis 2050 aufzugeben.

Dieses sich abzeichnende Muster deutet auf einen strategischen Kurswechsel bei den Schweizer Wirtschaftsmächten hin. Erleben wir einen kalkulierten Rückzug aus verbindlichen internationalen Abkommen? Die Abkehr von gemeinsamem globalem Handeln zugunsten des Ermessens einzelner Unternehmen könnte die Wirksamkeit branchenweiter Standards untergraben. Wenn die grossen Unternehmen im Swiss Market Index weiterhin ihre externen Allianzen auflösen, erleidet die globale Dynamik für eine standardisierte Klimarechenschaftspflicht einen schweren Rückschlag. Die Schweiz ist seit Langem stolz auf Qualität und Präzision. Im Kampf gegen den Klimawandel zählt jedoch nur Zusammenarbeit.