Kultur
Nemo dominiert die Swiss Music Awards mit einem Doppelsieg
Eurovision-Sieger Nemo gewinnt bei den Swiss Music Awards in Zürich die Auszeichnungen «Best Single» für «The Code» und «Best Solo Act», während Patent Ochsner an der Zürcher Preisverleihung die Kategorie «Best Band» für sich entscheidet.

Frisch gekrönt von einem historischen Triumph am Eurovision Song Contest hat Nemo nun auch offiziell die heimische Bühne erobert und am Mittwochabend bei den Swiss Music Awards in Zürich zwei wichtige Trophäen gewonnen. Der in Biel geborene Künstler machte aus vier Nominierungen zwei klare Siege und holte sich die prestigeträchtigen Titel «Best Solo Act» und «Best Single» für die Hit-Single The Code. Dieser Doppelsieg markiert einen entscheidenden Wandel in der Schweizer Kulturlandschaft und krönt ein Jahr, in dem Nemo den lokalen Ruhm hinter sich gelassen hat und zu einem weltweiten Phänomen geworden ist.
Die Stimmung in Zürich war elektrisierend, als Nemo die Trophäen entgegennahm und damit ein Vermächtnis festigte, das inzwischen von Malmö bis zum Hallenstadion reicht. Zwar blieb der Künstler ein Clean Sweep aller vier Nominierungen verwehrt, doch das Gewicht dieser beiden besonderen Auszeichnungen, die sowohl individuelle Kunstfertigkeit als auch Songwriting würdigen, unterstreicht die enorme Wirkung von The Code. Das ist nicht nur ein Sieg für Nemo, sondern auch eine Bestätigung für mutige, genreübergreifende Kunst, die beim Schweizer Publikum grossen Anklang gefunden hat.
Aussenseiter sorgen in der Live-Kategorie für eine Überraschung
Für die grösste Überraschung des Abends sorgte Dabu Fantastic, das Patent Ochsner den Titel «Best Live Act» vor der Nase wegschnappte. Der Sieg widerspricht allen Erwartungen in einer Kategorie, die normalerweise von etablierten Rockgrössen dominiert wird. Das Duo selbst schien vom Ergebnis sichtlich erschüttert und hatte seine Chancen zuvor mit einem bemerkenswerten Sportvergleich abgetan. «Gegen Patent Ochsner anzutreten, ist wie gegen die brasilianische Nationalmannschaft Fussball zu spielen: Gewinnen ist nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich», räumten sie vor der Preisverleihung ein.
Dieser Überraschungssieg bedeutet einen tiefgreifenden Wandel in der Rangordnung der Live-Musik. Patent Ochsner bleibt zwar eine feste Grösse der Branche, doch der Triumph von Dabu Fantastic deutet darauf hin, dass sich Wählerinnen und Wähler sowie Fans auf der Bühne nach alternativer Energie sehnen. Eine Band zu schlagen, die oft als «brasilianische Nationalmannschaft» des Schweizer Rocks gilt, ist keine Kleinigkeit. Es ist ein karriereprägender Moment, der Dabu Fantastic von beliebten Mitfavoriten zu unbestrittenen Schwergewichten der Live-Szene macht.
Veteranen Patent Ochsner holen die Auszeichnung als beste Band
Trotz der Überraschung in der Live-Kategorie bewiesen die Rockveteranen von Patent Ochsner ihre anhaltende Vormachtstellung und sicherten sich die begehrte Auszeichnung «Best Band». Der Sieg bekräftigt ihre Stellung als Rückgrat der Schweizer Musikszene, die sie seit Jahrzehnten innehaben. Frontmann Büne Huber, der kein Blatt vor den Mund nimmt, beschrieb die Auszeichnung mit bewegender Aufrichtigkeit und sagte den Reporterinnen und Reportern, sie fühle sich «wie eine Liebeserklärung» des Schweizer Publikums an.
Der Sieg der Berner Gruppe bildet ein wichtiges Gegengewicht zu den jüngeren Erfolgen des Abends. In einer Branche, die zunehmend auf virale Trends und flüchtige Momente fixiert ist, zeigt der Triumph von Patent Ochsner, dass tief verwurzeltes musikalisches Erbe und beständige Qualität weiterhin grossen Respekt geniessen. Die Band mag den Live-Wettstreit gegen Dabu Fantastic verloren haben, doch mit dem Titel als beste Band des Landes hat sie den Kampf um die musikalische Seele der Schweiz wohl gewonnen.
Awards spiegeln den Wandel hin zur digitalen Dominanz
Bei den Swiss Music Awards wurden Auszeichnungen in insgesamt 14 Kategorien vergeben. Dabei zeigte sich, wie sich die Messlatte für musikalischen Erfolg im Jahr 2025 verändert. Die Preisverleihung würdigte ausdrücklich Künstlerinnen und Künstler, die nicht nur auf traditionellen Bühnen, sondern auch auf Streaming-Plattformen und in sozialen Netzwerken grosse Reichweite erzielt haben. Dieser moderne Ansatz schafft gleiche Voraussetzungen und ermöglicht es viralen Entdeckungen, sich mit erfahrenen Tourneekünstlern zu messen.
Mit der Aufteilung der Preise in nationale und internationale Kategorien würdigten die Awards die doppelte Rolle der Schweiz: Sie fördert lokale Talente und konsumiert globale Hits. Die Anerkennung digitaler Wirkung ist längst kein Randthema mehr, sondern zentral für das Ansehen der Branche. Wenn sich der Konfettiregen in Zürich legt, ist die Botschaft klar: Die Schweizer Musikbranche passt sich rasch einer digital geprägten Realität an und belohnt jene, die im endlosen Scrollen ebenso gut Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie im Konzertsaal.