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Swiss Observer

Parteienbündnis stellt sich gegen Reform zur Individualbesteuerung

Ein Bündnis hat 65'672 Unterschriften für ein Referendum gegen die Individualbesteuerung eingereicht. Damit ist der Weg frei für eine mögliche Abstimmung im März 2026 über die umstrittene Steuerreform.

Parteienbündnis stellt sich gegen Reform zur Individualbesteuerung
AISWI swissinfo.ch

65'672 Unterschriften haben den Plänen der Regierung zur Einführung der Individualbesteuerung einen Strich durch die Rechnung gemacht und eine landesweite Auseinandersetzung über die Schweizer Steuerpolitik erzwungen. Die Unterschriften wurden an diesem Donnerstag eingereicht und übertreffen das erforderliche Quorum deutlich. Das signalisiert einen enormen öffentlichen Widerstand gegen den Parlamentsentscheid. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine verfahrensbedingte Verzögerung, sondern um eine Kampfansage an eine Systemreform, die laut den Gegnerinnen und Gegnern grundlegend mangelhaft ist.

Die schiere Zahl der gesammelten Unterschriften unterstreicht, wie umstritten das Thema ist. Während das Parlament die Reform vorantrieb, um die seit Langem bestehende «Heiratsstrafe» zu beseitigen, signalisiert die Stimmbevölkerung tiefe Skepsis. Nun läuft die Zeit bis zu einer wichtigen Auseinandersetzung an der Urne: Das Bündnis bestätigt, dass das Schweizer Volk voraussichtlich im März 2026 abstimmen wird. Der Versuch der Regierung, das Steuersystem zu modernisieren, ist an der direkten Demokratie gescheitert. Einmal mehr zeigt sich: In der Schweiz hat das Volk das letzte Wort.

Das Bündnis: eine geeinte Front gegen den Wandel

Ein starkes, breit aufgestelltes Bündnis hat sich mobilisiert, um die geplante Steuerreform zu Fall zu bringen. Es handelt sich nicht um eine Randbewegung, sondern um einen politisch einflussreichen Zusammenschluss aus der Mitte, der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), der Evangelischen Volkspartei (EVP) und der ultrakonservativen Eidgenössisch-Demokratischen Union (EDU). Verstärkung erhalten sie vom Schweizer Bauernverband und der Familienorganisation IG Familie 3plus. So ist eine schlagkräftige Opposition entstanden, die sozial- und wirtschaftskonservative Kräfte vereint.

Das Bündnis argumentiert, das vorgeschlagene Modell der Individualbesteuerung sei ein trojanisches Pferd, das die steuerliche Anerkennung der traditionellen Familie beseitige. Indem es agrarische Interessen mit konservativen politischen Schwergewichten zusammenführt, hat es einen Stimmblock geschaffen, der die Debatte im Vorfeld der Abstimmung dominieren kann. Die Botschaft ist einheitlich und kämpferisch: Die Reform schaffe keine Gleichstellung, sondern benachteilige die traditionelle Familienstruktur, in der ein Elternteil möglicherweise unbezahlt oder Teilzeit arbeitet.

Bürokratischer Albtraum: 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen

Die Gegnerinnen und Gegner bezeichnen die Reform als «Bürokratiemonster» und warnen vor einer administrativen Explosion, die das Steuersystem lähmen werde. Das Bündnis rechnet mit einer drastischen Zunahme des Papierkrams und schätzt, dass die Umstellung auf die Individualbesteuerung jährlich 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen zur Folge haben wird. Das wäre sowohl für den Staat als auch für die Bürgerinnen und Bürger ein logistischer Albtraum. Verheiratete Paare müssten ihre Steuererklärung getrennt einreichen, wodurch sich ihr Aufwand verdoppeln würde.

Die Folgen dieses administrativen Mehraufwands wären weitreichend. Neben dem Ärger über das Ausfüllen der Formulare warnt das Bündnis vor explodierenden Verwaltungskosten und der Absurdität, Paare jedes Jahr dazu zu zwingen, ihr Vermögen künstlich aufzuteilen. Das System ignoriere die Realität gemeinsamer Haushaltsfinanzen und ersetze ein funktionierendes gemeinsames System durch einen kostspieligen, komplexen Apparat, der niemandem ausser der Bürokratie selbst diene.

Wirtschaftliche Folgen: Der Mittelstand im Visier

Das Bündnis ist überzeugt, dass die finanziellen Folgen der Reform klar sind: Der Mittelstand zahlt, während Wohlhabende profitieren. Entgegen dem Versprechen der Regierung, für mehr Fairness zu sorgen, würde die Umstellung auf die Individualbesteuerung laut den Gegnerinnen und Gegnern Einverdienerfamilien, Alleinstehenden und dem Mittelstand eine deutlich grössere Belastung aufbürden. Hauptsächlich profitieren würden ihrer Ansicht nach gut verdienende Doppelverdienerhaushalte, die bereits finanziell abgesichert sind.

Diese Erzählung trifft einen Nerv in der sozioökonomischen Verunsicherung der Schweiz. Das Bündnis macht geltend, die Reform beseitige die Heiratsstrafe für die Mehrheit nicht, sondern schaffe neue Ungleichheiten. Indem das vorgeschlagene System den wirtschaftlichen Beitrag unbezahlter Familienarbeit ignoriere, bestrafe es angeblich Paare mit unterschiedlich hohen Einkommen. Das Bündnis stellt die Reform nicht als Modernisierung dar, sondern als Umverteilung von den Durchschnittsfamilien hin zu den Spitzenverdienenden.

Showdown 2026: Der Kampf um die Familienbesteuerung

Nun zeichnet sich für März 2026 eine entscheidende Auseinandersetzung ab. Bei diesem Referendum geht es um mehr als eine Abstimmung über das Steuersystem: Es ist auch eine Abstimmung über den Stellenwert der Familie in der Schweizer Gesellschaft. Der Versuch des Parlaments, das Steuersystem an moderne individualistische Prinzipien anzupassen, wird nun einem harten Belastungstest unterzogen. Konservative und zentristische Kräfte sehen in der gemeinsamen Steuererklärung eine Säule des familiären Zusammenhalts.

Mit dem Start der Kampagnen dürfte sich die Debatte über die Definitionen von Fairness und Gleichstellung verschärfen. Die Regierung muss nun eine komplexe Reform gegen eine einfache, wirksame Botschaft verteidigen: höhere Steuern und mehr Papierkram. Mit 65'672 bereits eingereichten Unterschriften liegt die Dynamik derzeit bei den Herausforderern. Die Schweiz stellt sich auf einen hitzigen politischen Winter ein, während das Land darüber entscheidet, ob es eine individuelle Steueridentität begrüsst oder an der gemeinsamen wirtschaftlichen Einheit der Ehe festhält.