Umwelt
Wolfsrudel Moesola soll vollständig abgeschossen werden
Die Bündner Behörden genehmigen nach wiederholten Angriffen auf Nutztiere den ersten Abschuss eines ganzen Wolfsrudels in der Saison 2025/26.

Das Schicksal des Wolfsrudels Moesola ist besiegelt. In einem entscheidenden Schritt, der die erste aggressive Regulierungsmassnahme der Saison 2025/2026 markiert, hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die vollständige Beseitigung des Rudels offiziell genehmigt. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Massnahme zur Bestandskontrolle: Der gezielte Abschuss darf sofort beginnen, ab dem 25. September 2025.
Die Behörden im Kanton Graubünden verlieren keine Zeit. Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei hat die Verfügung heute veröffentlicht und signalisiert damit nach einem Sommer mit zunehmenden Konflikten eine Nulltoleranzpolitik. Während die Wolfsregulierung in den Schweizer Alpen ein umstrittenes Thema bleibt, unterstreicht die rasche Genehmigung der Bundesbehörden die Schwere der Lage im Misox. Mit dieser Anordnung vollzieht der Kanton für diese bestimmte Gruppe einen entscheidenden Strategiewechsel: von der Abschreckung zur vollständigen Beseitigung. Damit wird ein unmissverständliches Zeichen für die bevorstehenden Wintermonate gesetzt.
Angriffe richten sich zunehmend gegen grosse Nutztiere
Der Wendepunkt für das Rudel Moesola war nicht allein die Häufigkeit der Angriffe, sondern auch die Dreistigkeit bei der Wahl seiner Ziele. Schafrisse sind in den Alpen seit Langem ein Streitpunkt, doch dieses Rudel überschritt eine kritische rote Linie, indem es grosse Nutztiere riss. Arno Puorger, der kantonale Leiter für Grossraubtiere, zog eine vernichtende Bilanz: «Zusätzlich zum Schafsriss während der letzten Sommersaison griff das Rudel zweimal Rinder und Pferde an und tötete sie.»
Die Einzelheiten dieser Angriffe zeichnen ein düsteres Bild für die Landwirte vor Ort. Am 29. Juli schlug das Rudel nördlich von Mesocco zu und tötete einen 27-jährigen Esel. Solche Tiere werden oft zum Schutz von Schafen eingesetzt, was die zunehmende Dreistigkeit des Rudels zeigt. Am 5. September eskalierte die Gewalt erneut auf der Alp Montagna, wo die Wölfe eine elf Monate alte Färse tödlich verletzten. Diese Vorfälle zeigen einen gefährlichen Verhaltenswandel: Statt opportunistisch kleinere Weidetiere zu jagen, greift das Rudel koordiniert schwere Nutztiere an. Damit sah sich der Kanton gezwungen, die landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen der Region zu schützen.
Jäger mobilisieren sich für eine strenge Winterfrist
Für die kantonalen Wildhüter und die zugelassenen Jäger läuft nun die Zeit. Der Zeitraum für den Abschuss ist klar festgelegt und äusserst kurz: Die Einsätze sind vom 25. September 2025 bis zum 31. Januar 2026 erlaubt. Den Behörden bleiben damit etwas mehr als vier Monate, um das ganze Rudel im anspruchsvollen, zerklüfteten Gelände der Gemeinde Mesocco aufzuspüren und zu beseitigen.
Der Abschuss eines ganzen Rudels in den Hochalpen ist eine logistische Herausforderung. Mit dem Einsetzen des Winters werden Schneehöhe und Sichtverhältnisse zu entscheidenden Faktoren. Der Einsatz erfordert Präzision und die Einhaltung strenger Jagdvorschriften, während zugleich der Druck wächst, weitere Verluste bei den Nutztieren zu verhindern, bevor das Vieh zum Überwintern ins Tal gebracht wird. Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei hat seine Ressourcen mobilisiert, damit diese beispiellose Regulierungsanordnung innerhalb der gesetzlichen Frist effizient umgesetzt wird.
Ein wichtiger Präzedenzfall für den Umgang mit Wölfen in der Schweiz
Dieser Entscheid wirkt weit über die Grenzen Graubündens hinaus. Als erster vollständiger Rudelabschuss der Saison 2025/2026 setzt der Entscheid zu Moesola einen gewichtigen Präzedenzfall dafür, wie die Schweiz den Schutz der Wildtiere mit dem Überleben der Landwirtschaft in Einklang bringt. Die rasche Genehmigung des BAFU deutet auf eine härtere Haltung auf Bundesebene gegenüber «Problemrudeln» hin, die ein für grosse Nutztiere gefährliches Verhalten zeigen.
Die Schweiz ringt weiterhin mit der schwierigen Frage des Zusammenlebens. Während Naturschutzorganisationen sich für den Schutzstatus des Wolfs einsetzen, wird die Situation in den Berggemeinden zunehmend untragbar. Der Abschuss des Rudels Moesola ist eine deutliche Warnung: Wenn das Gleichgewicht durch Angriffe auf Pferde und Rinder gefährdet wird, erfolgt die Reaktion der Behörden rasch und konsequent. Mit dem nahenden Winter werden andere Kantone Graubünden genau beobachten und prüfen, wie sich diese aggressive Bewirtschaftungsstrategie sowohl auf den Raubtierbestand als auch auf die Sicherheit der Alpwirtschaft auswirkt.