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Swiss Observer

Umfrage: Widerstand gegen Senkung der Medienabgabe wächst vor Abstimmung vom 8. März

Eine neue Umfrage zeigt, dass sich inzwischen 54% der Stimmberechtigten gegen die Initiative zur Senkung der Radio- und Fernsehgebühren aussprechen. Damit hat sich die Stimmung während des Abstimmungskampfs verändert. Die Senkung der Radio- und Fernsehgebühren ist eines von mehreren wichtigen Themen, darunter die Individualbesteuerung, über die die Schweizer Stimmberechtigten am 8. März abstimmen.

Umfrage: Widerstand gegen Senkung der Medienabgabe wächst vor Abstimmung vom 8. März
AISWI swissinfo.ch

Eine klare Mehrheit von 54% der Stimmberechtigten spricht sich inzwischen gegen die Initiative zur Senkung der Radio- und Fernsehgebühren aus. Damit ist im Abstimmungskampf ein entscheidender Wendepunkt erreicht. Kurz vor der Abstimmung vom 8. März zeigt die jüngste Umfrage von gfs.bern, dass sich das Momentum deutlich verschoben hat. Der Vorschlag, die jährliche Haushaltsabgabe von CHF 335 auf CHF 200 zu senken, stösst auf immer mehr Widerstand. In knapp einem Monat ist die Ablehnung um zwei Prozentpunkte gestiegen, wodurch sich der Abstand zwischen den Lagern vergrössert hat.

Rechnerisch ist das Rennen zwar noch offen, doch die Entwicklung ist eindeutig. Derzeit unterstützen nur 44% der Stimmberechtigten die Initiative, während noch 2% unentschieden sind. Das ist nicht bloss eine Schwankung, sondern eine Verfestigung der öffentlichen Meinung. Die anfängliche Attraktivität einer tieferen Abgabe wird von den Sorgen um die Zukunft des öffentlichen Rundfunks überwogen. Wie die Politologin Martina Mousson festhält, ist ein Nein zwar nicht garantiert, doch für die Befürworter der Initiative stehen die Zeichen auf Rot. Die Schweizer Bevölkerung wird sich der Folgen der Kürzungen bewusst, und die Bereitschaft, das Finanzierungsmodell der SRG abzubauen, nimmt rasch ab.

Parteipolitische Fronten und fehlendes Vertrauen

Die politischen Fronten sind klar gezogen, und die Schweizerische Volkspartei (SVP) ist zunehmend isoliert. Als treibende Kraft hinter dem Initiativtext ist die rechtsgerichtete SVP die einzige grosse politische Kraft, die die Kürzungen massiv unterstützt. Im deutlichen Gegensatz dazu haben die linken Parteien eine entschiedene Ablehnung mobilisiert und ihre Basis wirksam gegen die Vorlage vereint. Der Widerstand beschränkt sich jedoch nicht auf die Linke: Auch die Anhängerinnen und Anhänger anderer Parteien sprechen sich eher gegen die Senkung aus. Das deutet auf eine breitere Allianz zur Verteidigung der öffentlichen Medien hin.

Entscheidend ist, dass sich diese Abstimmung zu einem Stellvertreterkampf um das Vertrauen in die Regierung entwickelt hat. Die Daten zeigen einen starken Zusammenhang: Bürgerinnen und Bürger, die dem Bundesrat vertrauen, lehnen die Initiative überwiegend ab und betrachten die Abgabe als notwendige Säule staatlicher Stabilität. Umgekehrt schliessen sich Menschen mit tiefem Misstrauen gegenüber der Regierung dem Ja-Lager an. Es geht längst nicht mehr nur um eine Ersparnis von CHF 135, sondern um ein Urteil über das Vertrauen in die Institutionen. Der Nein-Trend zeigt sich in fast allen Einkommens- und Bildungsgruppen. Das belegt, dass die Verteidigung des Status quo keine Angelegenheit einer Elite, sondern eine weitverbreitete Haltung ist.

Geschlechtergraben und Aufbegehren der Jugend

Ein deutlicher Geschlechtergraben hat sich als eines der prägenden Merkmale dieses Abstimmungskampfs herauskristallisiert. Frauen bilden das wichtigste Bollwerk gegen die Kürzungen und lehnen die Initiative mit grosser Mehrheit ab. Da sie öffentlich finanzierte Dienstleistungen traditionell stärker unterstützen, erweisen sich die weiblichen Stimmberechtigten als entscheidende Gruppe, die den Widerstand aufrechterhält. Männer sind dagegen weiterhin stark gespalten und in der Frage unentschieden. Diese Unterschiede unterstreichen, dass der Wert der öffentlichen Service-public-Medien je nach Geschlecht unterschiedlich wahrgenommen wird.

Die besorgniserregendste Zahl für die Gegnerinnen und Gegner der Initiative betrifft jedoch die Jugend. Entgegen dem nationalen Trend ist die Unterstützung für die Senkung der Abgabe bei den 18- bis 39-Jährigen tatsächlich gestiegen. Diese Altersgruppe ist die einzige, die sich in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Das deutet auf eine mögliche Entfremdung jüngerer Generationen von den traditionellen Finanzierungsmodellen der Rundfunkmedien hin. Während sich die Gesamtbevölkerung einem Nein zuwendet, deutet die wachsende Zustimmung zur Senkung bei den Jüngeren auf eine anhaltende Schwachstelle für die SRG hin, wenn nicht bei dieser Abstimmung, dann im Ringen um ihre künftige Relevanz.

Der Diaspora-Effekt: eine deutliche Ablehnung

Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer lehnen die Initiative mit überwältigender Mehrheit ab: 58% sprechen sich dagegen aus. Diese Bevölkerungsgruppe, die keine Abgabe bezahlt, stimmt dennoch mit grösserer Entschiedenheit als die in der Schweiz lebende Bevölkerung für deren Erhalt. Diese scheinbar widersprüchliche Haltung hängt mit dem besonderen Profil der Diaspora zusammen: Sie lebt häufig in grossen Städten im Ausland und steht traditionell weiter links als die durchschnittliche Schweizer Wählerschaft.

Für die 800'000 Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die ausserhalb der Landesgrenzen leben, ist die SRG und damit auch SWI swissinfo.ch eine wichtige Verbindung zur Heimat. Ihre Ablehnung der Kürzungen zeugt davon, welchen Wert sie unabhängigen, hochwertigen Informationen über die Schweiz beimessen. Obwohl sie von den finanziellen Kosten nicht betroffen sind, erhöht ihr Abstimmungsverhalten den Nein-Anteil erheblich. Wie Martina Mousson erklärt, entspricht diese deutliche Ablehnung dem bisherigen Abstimmungsverhalten der Diaspora. Der Abstand ist hier jedoch besonders gross und unterstreicht das weltweite Bekenntnis der Schweizerinnen und Schweizer zu einer öffentlichen Medieninfrastruktur.

Über die Abgabe hinaus: die breitere Abstimmungsagenda

Die Medienabgabe ist nur ein Thema in der vielfältigen Abstimmungsagenda vom 8. März. Bei einer anderen Vorlage schwindet die Unterstützung für die Individualbesteuerung von Ehepaaren, was für die Befürworterinnen und Befürworter der Steuerreform Schwierigkeiten bedeuten könnte. Unterdessen scheint die Klimafonds-Initiative bereits Geschichte zu sein: Eine Ablehnung gilt als nahezu sicher, da die Stimmberechtigten vor neuen Verpflichtungen für Umweltausgaben zurückschrecken.

Eine überraschende Ausnahme ist der Gegenvorschlag zur Initiative «Bargeld ist Freiheit»: Er ist die einzige weitere Vorlage, die Lebenszeichen zeigt. Prognosen deuten darauf hin, dass er eine knappe Abstimmung gewinnen könnte. Diese unübersichtliche Mischung von Themen zeigt eine derzeit vorsichtige und skeptische Schweizer Stimmbevölkerung, wenn es um weitreichende Veränderungen geht. Je näher der Abstimmungstag rückt, desto mehr fügt sich das gefestigte Nein zur Medienabgabe in einen breiteren Trend der Zurückhaltung gegenüber staatlichen Institutionen und Steuern ein. Das Ergebnis vom 8. März wird nicht nur die Höhe einer Abgabe bestimmen, sondern auch die aktuelle Stimmungslage der Schweiz abbilden.