Landwirtschaft
Lumpy-Skin-Krankheit beeinträchtigt traditionelle Alpabzüge
Mehrere Schweizer Kantone mussten traditionelle Alpabzüge wegen eines Ausbruchs der Lumpy-Skin-Krankheit im benachbarten Frankreich absagen oder anpassen. Betroffen ist eine von der UNESCO anerkannte Kulturpraxis.

Die geschätzten Alpabzüge der Schweiz, eine von der UNESCO anerkannte kulturelle Tradition, sind so stark wie noch nie beeinträchtigt: Ausbrüche der Lumpy-Skin-Krankheit im benachbarten Frankreich zwingen mehrere Schweizer Kantone, diese historischen Anlässe abzusagen oder anzupassen. Besonders betroffen sind die Grenzregionen Wallis und Waadt, wo die Behörden strenge Präventionsmassnahmen zum Schutz des lokalen Viehbestands ergriffen haben.
Gesundheitsmassnahmen und Auswirkungen auf die Region
Als Reaktion auf die 78 Ausbruchsfälle in Frankreich haben die Schweizer Behörden strenge Überwachungszonen eingerichtet, insbesondere im Bezirk Nyon, wo rund 1700 Rinder unter Schutzmassnahmen stehen. Alle Rinder, Büffel und Bisons in 11 Gemeinden müssen geimpft werden, während Tiertransporte innerhalb der Überwachungszonen verboten sind. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bestätigt, dass das Virus zwar keine Gefahr für den Menschen darstellt, die Gesundheit der Rinder und die Milchproduktion jedoch erheblich beeinträchtigt. Übertragen wird es durch Insekten.
Kulturelle Anpassungen und alternative Feiern
Die Gemeinden beweisen bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit, indem sie ihre traditionellen Feste anpassen. In Sembrancher haben die Organisatoren den Alpabzug neu gestaltet: Mit dabei sind Bernhardinerhunde, Pferde, Schafe und Ziegen sowie traditionelle Elemente wie Alphornbläser und Fahnenschwinger. Grossanlässe wie der Alpabzug in St-Cergue, der grösste im Kanton Waadt, wurden hingegen auf 2026 verschoben. Diese Anpassungen zeigen, wie entschlossen die Gemeinden sind, ihre kulturellen Verbindungen zu bewahren und zugleich die notwendigen Gesundheitsmassnahmen einzuhalten.
Folgen für Wirtschaft und traditionelles Erbe
Die Beeinträchtigung dieser von der UNESCO anerkannten Anlässe geht über die unmittelbaren kulturellen Folgen hinaus und wirkt sich auf den Tourismus und die lokale Wirtschaft in den Alpenregionen aus. Während einige Gemeinden wie L’Etivaz ihre Feiern beibehalten können, weil sie ausserhalb der Überwachungszonen liegen, müssen andere ihre Anlässe deutlich anpassen oder absagen. Die Situation verdeutlicht, wie schwierig es ist, das kulturelle Erbe zu bewahren und gleichzeitig die Gesundheit der Landwirtschaft zu schützen. Zugleich zeigt sie, wie widerstandsfähig die Schweizer Alpgemeinden sind und dass sie ihre Traditionen auch unter schwierigen Umständen aufrechterhalten.