Kultur
Locarno Film Festival eröffnet mit Schwerpunkt auf britischem Nachkriegskino
Die 78. Ausgabe startet mit einer besonderen Retrospektive zu britischen Filmen aus den Jahren 1945 bis 1960, zeigt das neueste Werk der armenischen Regisseurin Tamara Stepanyan und ehrt Jackie Chan.

Heute wird die 78. Ausgabe des renommierten Locarno Film Festivals eröffnet. Damit markiert sie einen weiteren Höhepunkt im reichen Schweizer Kulturkalender. Den Auftakt macht ein traditionelles Konzert des Orchestra della Svizzera italiana im Palexpo FEVI. Danach wird auf der ikonischen Piazza Grande «Le Pays d'Arto» der armenischen Regisseurin Tamara Stepanyan gezeigt.
Das diesjährige Festival präsentiert ein beeindruckendes Programm mit 222 Filmen, darunter 100 Weltpremieren. Dies unterstreicht Locarnos anhaltende Bedeutung in der internationalen Filmwelt. Im Eröffnungsfilm spielt die französische Schauspielerin Camille Cottin die Hauptrolle in einer packenden Geschichte über Entdeckungen und Konflikte in Armenien.
Retrospektive zum britischen Nachkriegskino
Ein Herzstück des diesjährigen Festivals ist eine umfassende Retrospektive zum britischen Nachkriegskino der Jahre 1945 bis 1960. Die sorgfältig kuratierte Auswahl mit dem Titel «Great Expectations: British Postwar Cinema 1945–1960» stellt die traditionelle Vorstellung infrage, diese Zeit sei eine «Durststrecke» des britischen Filmschaffens gewesen.
Die Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalarchiv des British Film Institute und der Cinémathèque suisse organisiert wird, beleuchtet einen entscheidenden Moment der britischen Kulturgeschichte. Sie geht über konventionelle Historienfilme und Kriegserzählungen hinaus und zeigt Filme, die den gesellschaftlichen Wandel im Grossbritannien der Nachkriegszeit einfingen.
Wettbewerb und Auszeichnungen
Im Hauptwettbewerb des Festivals treten 18 Filme um den begehrten Goldenen Leoparden (Pardo d'Oro) an. Dazu gehören zwei bemerkenswerte Schweizer Koproduktionen: «Le Lac» des Neuenburger Regisseurs Fabrice Aragno und «Le bambine» der italienischen Schwestern Valentina und Nicole Bertani.
Das diesjährige Festival ehrt Legenden des internationalen Kinos: Jackie Chan erhält am Samstag auf der Piazza Grande den Ehrenleoparden für sein Lebenswerk. Die britische Schauspielerin Emma Thompson wird am Freitag mit dem Leopard Club Award ausgezeichnet, mit dem ihre herausragenden Verdienste um das Kino gewürdigt werden.
Höhepunkte des Programms
Das Festivalprogramm vereint etablierte und aufstrebende Talente. Zu den bemerkenswerten Beiträgen gehören «Yakushima's illusion» der japanischen Regisseurin Naomi Kawase mit der luxemburgischen Schauspielerin Vicky Krieps sowie «Mare's Nest» des britischen Regisseurs Ben Rivers. Die Auswahl von Abdellatif Kechiches «Mektoub, My Love: Canto Due» hat bereits grosse internationale Aufmerksamkeit in der Presse ausgelöst.
Der Jury des Internationalen Wettbewerbs steht der französisch-kambodschanische Regisseur Rithy Panh vor. Damit ist bei der Bewertung der Wettbewerbsfilme eine globale Perspektive gewährleistet. Das Festival setzt seine Tradition fort, künstlerische Exzellenz mit kultureller Vielfalt zu verbinden, und dauert bis zum 16. August.