Verteidigung
Führungskrise: Chefs der Schweizer Armee und des Nachrichtendienstes treten zurück
Die beiden Chefs der Schweizer Armee und der Nachrichtendienste kündigen unter Kritik an Beschaffungsproblemen ihren Rücktritt an

Ein gewaltiger Umbruch erschüttert die höchsten Führungsebenen der Schweizer Sicherheit. In einem beispiellosen Schritt, der den Sicherheitsapparat des Landes ins Wanken bringt, haben sowohl der Chef der Schweizer Armee, Thomas Süssli, als auch der Direktor des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB), Christian Dussey, ihren Rücktritt eingereicht. Das ist kein gewöhnlicher Wechsel, sondern ein schwerer Riss in der Führung der «Festung Schweiz».
Berichte der Neuen Zürcher Zeitung, die später durch Quellen aus dem Umfeld des Bundesrats gegenüber SRF bestätigt wurden, belegen den doppelten Abgang. Während das Verteidigungsdepartement Anfragen zunächst abblockte, ist die Realität nun unbestreitbar: Die beiden mächtigsten Personen im Bereich der Schweizer Sicherheit treten gleichzeitig zurück. Dieses Führungsvakuum entsteht in einer Zeit, in der die geopolitische Instabilität in Europa eine verlässliche Führung verlangt. Damit ist der Zeitpunkt dieser Rücktritte ebenso alarmierend wie bedeutsam.
Gestaffelter Rückzug
Die Rücktrittsankündigungen kommen überraschend, doch der Rückzug wird sich über längere Zeit hinziehen. Thomas Süssli, der die Armee seit 2020 führt, wird seinen Posten nicht sofort räumen, sondern bis Ende dieses Jahres im Amt bleiben. Der Nachrichtendienstchef Christian Dussey, der 2022 ernannt wurde, will noch länger im Amt bleiben, nämlich bis März 2026.
Dieser gestaffelte Rücktrittsplan deutet auf einen verzweifelten Versuch hin, inmitten des Chaos für Kontinuität zu sorgen. Die Aussenwirkung ist jedoch eindeutig: Zwei Chefs bleiben nun monatelang, wenn nicht jahrelang, als «lame ducks» im Amt. Ein Übergang dieses Ausmasses erfordert Präzision, doch die anhaltende Präsenz zurückgetretener Führungskräfte führt oft zu einer Machtblockade. Der Bundesrat steht nun vor der gewaltigen Aufgabe, Nachfolger zu finden, die das Vertrauen wiederherstellen können, während die derzeitige Führung ihre Arbeit schrittweise beendet.
Beschaffungsprobleme erzwingen den Rücktritt
Seit Monaten deutete alles darauf hin. Süsslis Amtszeit war von zunehmender Kritik geprägt, insbesondere wegen misslungener Beschaffungsprojekte, die dem Ruf der Armee geschadet haben. Dabei geht es nicht um kleinere administrative Fehler, sondern um systemische Versäumnisse bei der Beschaffung der Ausrüstung, die zur Verteidigung der Eidgenossenschaft erforderlich ist.
Der Druck nahm unaufhaltsam zu. Angesichts der Kritik an der Armee wegen Ineffizienz und strategischer Fehltritte wurde die Position des Armeechefs immer unhaltbarer. Auch wenn die offiziellen Stellungnahmen von geplanten Übergängen sprechen mögen, stehen diese Rücktritte unverkennbar im Zusammenhang mit Problemen bei der Leistung. Die Schweizer Bevölkerung erwartet von ihrer Armee Präzision und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Finanzen. Die jüngsten Beschaffungsskandale haben diese Erwartungen schwer erschüttert.
Die Führung der Verteidigung wird vollständig neu besetzt
Mit diesen beiden Rücktritten ist die Führung der Schweizer Verteidigung vollständig geköpft. Vorausgegangen war die überraschende Ankündigung im Januar, dass Bundesrätin und Verteidigungsministerin Viola Amherd Ende März 2025 zurücktreten wird. Innerhalb von drei Monaten verliert das Departement damit seine politische Chefin, seinen militärischen Befehlshaber und seinen Nachrichtendienstchef.
Die Folgen sind enorm. Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) wird praktisch neu aufgestellt. Während sich Amherd darauf vorbereitet, ihr Amt in wenigen Wochen abzugeben, wird ihr Nachfolger ein Departement im Umbruch übernehmen und neue Chefs für Armee und Nachrichtendienst ernennen müssen. Diese historische Neubesetzung markiert das Ende einer Ära und stürzt das Departement in eine Zeit grosser Ungewissheit, gerade während die Sicherheitsherausforderungen in Europa einen Höhepunkt erreichen.