Politik
Parlamentarier fordern Untersuchung zu Schweizer Geschenken an Donald Trump
Gegen Schweizer Wirtschaftsführer, die Donald Trump Berichten zufolge Luxusgeschenke überreicht haben, wurde Strafanzeige eingereicht. Dies löste Forderungen nach einer Korruptionsuntersuchung aus.

Eine gegen prominente Schweizer Wirtschaftsführer eingereichte Strafanzeige hat in der Schweiz einen politischen Sturm ausgelöst und Forderungen nach einer formellen Korruptionsuntersuchung laut werden lassen. Die von zwei Grünen-Politikern eingereichte Anzeige wirft ihnen vor, mit Luxusgeschenken an US-Präsident Donald Trump während der Handelsverhandlungen möglicherweise gegen die Schweizer Anti-Korruptionsgesetze verstossen zu haben. Die Kontroverse überschattet ein kürzlich abgeschlossenes Handelsabkommen, mit dem die US-Zölle auf Schweizer Waren deutlich gesenkt wurden, und wirft unangenehme Fragen zur Ethik der «Goldbarren-Diplomatie» und ihren möglichen Auswirkungen auf den internationalen Ruf der Schweiz auf.
Der Skandal um die «Goldbarren-Diplomatie»
Anfang November 2025 traf eine Delegation von Schweizer Wirtschaftsführern, darunter die CEOs von Rolex und des Edelmetallhändlers MKS PAMP, in Washington mit Donald Trump zusammen. Ihr Ziel war es, den US-Präsidenten dazu zu bewegen, die hohen Zölle von 39 Prozent auf Schweizer Importe zu senken. Bei dem Treffen überreichten die Wirtschaftsführer Trump mehrere grosszügige Geschenke, darunter eine Rolex-Tischuhr und einen gravierten Goldbarren von einem Kilogramm. Nur zehn Tage später wurde ein Durchbruch bekannt gegeben: Die USA stimmten zu, die Zölle auf Schweizer Waren auf 15 Prozent zu senken. Diese Abfolge der Ereignisse führte zu Vorwürfen der Einflussnahme, wobei Kritiker den Vorfall als «Goldbarren-Diplomatie» bezeichneten. Der Wert der Geschenke ist weiterhin unbekannt, und auch ihr endgültiger Verbleib ist unklar, was die Kontroverse zusätzlich anheizt.
Die rechtliche Herausforderung
Die Grünen-Politiker Raphaël Mahaim und Greta Gysin haben die Bundesanwaltschaft formell aufgefordert, die Rechtmässigkeit der Geschenke zu untersuchen. In ihrer Strafanzeige argumentieren sie, das Verhalten der Wirtschaftsführer könnte nach Schweizer Strafrecht einen «nicht gebührenden Vorteil» darstellen und gegen die Anti-Korruptionsbestimmungen verstossen haben. «Wir sind der Ansicht, dass die fraglichen Vorgänge gerichtlich geklärt werden sollten», erklärten die Politiker und betonten, dass «die Glaubwürdigkeit unserer Institutionen, die Achtung der Rechtsstaatlichkeit und der internationale Ruf der Schweiz» auf dem Spiel stünden. Sie warnen, dass der transaktionale Politikstil der Trump-Regierung Praktiken normalisieren könnte, die einst als undenkbar galten, und die Grenzen zwischen Diplomatie und Korruption verwische.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Die Kontroverse hat in der Schweiz eine hitzige Debatte ausgelöst. Während die Grünen-Politiker ernsthafte Bedenken geäussert haben, verteidigen andere das Vorgehen der Wirtschaftsführer. Céline Amaudruz von der rechtsgerichteten SVP bezeichnete den rechtlichen Schritt als «übertrieben» und argumentierte, solche Geschenke würden in der Schweiz dem Staat gehören, womit jede persönliche Einflussnahme ausgeschlossen sei. Sie lobte das Ergebnis des Handelsabkommens und hob dessen Vorteile für die Schweizer Wirtschaft hervor. Auch Wirtschaftsführer bezeichneten die Senkung der Zölle als grossen Erfolg, der eine mögliche Krise für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft abgewendet habe. Der Vorfall hat jedoch einen kulturellen Gegensatz zwischen dem auf Konsens ausgerichteten politischen System der Schweiz und dem transaktionaleren Ansatz der Trump-Regierung deutlich gemacht.
Wie geht es weiter?
Die Bundesanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie eine formelle Untersuchung des Falls eröffnet. Wird das Verfahren weitergeführt, könnte es schliesslich vor das Bundesstrafgericht gelangen und einen wichtigen Präzedenzfall für die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA sowie für die internationale Wirtschaftsdiplomatie schaffen. Der Ausgang des Falls wird sowohl in der Schweiz als auch im Ausland aufmerksam verfolgt werden, da er weitreichende Folgen dafür haben könnte, wie Schweizer Unternehmen künftig mit ausländischen Regierungen zusammenarbeiten. Die Kontroverse erinnert eindringlich an die komplexen Fragen und ethischen Dilemmata, die an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und internationalen Beziehungen entstehen können.