Kunst und Kultur
Lausanner Studio Emphase gestaltet die nächste Generation Schweizer Banknoten
Die Schweizerische Nationalbank hat das Lausanner Designstudio Emphase mit der Gestaltung der nächsten Banknotenserie beauftragt. Das Siegerkonzept «Die Schweiz und ihre Höhenlagen» greift Themen aus Natur und Architektur auf. Die Banknoten sollen frühestens Anfang der 2030er-Jahre in Umlauf kommen.

Eine mutige neue Ära für das Schweizer Bargeld hat offiziell begonnen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich entschieden, das Lausanner Kreativstudio Emphase mit der Gestaltung des Erscheinungsbilds der nächsten Banknotenserie des Landes zu beauftragen. In einem hart umkämpften Auswahlverfahren, an dem zunächst Talente aus allen Teilen der Eidgenossenschaft teilnahmen, setzte sich Emphase in der Schlussrunde gegen fünf weitere hochkarätige Finalisten durch. Dieser Erfolg markiert einen bedeutenden Wandel: Die künstlerische Ausrichtung des greifbarsten Finanzwerts der Schweiz liegt nun fest in den Händen von Kreativen aus der Romandie.
Die am Mittwoch bekannt gegebene Entscheidung bestätigt, dass das visionäre Konzept des Studios, «Die Schweiz und ihre Höhenlagen», den Bankrat am stärksten überzeugte. Die aktuelle Serie wird weithin für ihre technische Qualität gelobt, doch die nächste Generation verspricht, die Grenzen des ästhetischen Erzählens noch weiter zu verschieben. Mit diesem prestigeträchtigen Auftrag hat Emphase nicht nur einen Vertrag gewonnen, sondern sich auch einen Platz in der Geschichte des Schweizer Designs gesichert. Der Entscheid unterstreicht das Bekenntnis zur Innovation und soll dafür sorgen, dass der Schweizer Franken weltweit der Goldstandard für Banknotendesign bleibt.
Vertikale Perspektiven: Das Konzept der «Höhenlagen»
Das gewählte Thema, «Die Schweiz und ihre Höhenlagen», verspricht eine deutliche Abkehr von traditionellen Porträts oder abstrakten Konzepten. Emphase’ Siegerentwurf fängt die vertikale Dualität der Schweizer Landschaft meisterhaft ein und spannt einen Erzählbogen, der von den Tälern zu den Gipfeln aufsteigt. Die Gestaltung ist eigenständig und ambitioniert: Eine Seite der Banknoten wird mit detailreichen botanischen Illustrationen geschmückt sein, die die vielfältige Flora des Landes würdigen. Auf der Rückseite werden Themen aus Architektur, Kultur und Verkehr sowie die raue Landschaft zu sehen sein.
Diese Gegenüberstellung ist eine kraftvolle Metapher für die Schweiz selbst: eine Nation, die tief in der Natur verwurzelt ist und durch Ingenieurskunst und kulturelle Errungenschaften zugleich in die Höhe strebt. Das Konzept bildet nicht einfach Landschaften ab, sondern deutet das Schweizer Erleben über die Höhenlage. Indem es organisches Pflanzenleben mit den klaren Linien der Schweizer Infrastruktur verbindet, schafft das Design einen visuellen Dialog zwischen Natur und menschengemachter Welt. Diese thematische Tiefe deutet darauf hin, dass die kommende Serie mehr sein wird als blosses Zahlungsmittel: eine Galerie im Taschenformat, die die Identität der Schweiz einfängt und die topografische Seele des Landes mit bisher unerreichter künstlerischer Ausdruckskraft widerspiegelt.
Breite öffentliche Beteiligung prägt die Auswahl
Der Weg zu diesem Entscheid war von einer beispiellosen Beteiligung der Öffentlichkeit geprägt. Bei einer eindrücklichen Demonstration des demokratischen Interesses an Design gaben im Sommer 2025 mehr als 100'000 Menschen während der öffentlichen Konsultation ihre Stimme ab. Diese enorme Beteiligung zeigt, wie wichtig der Schweizer Bevölkerung die Gestaltung ihres Bargelds ist. Der Wettbewerb begann mit einem grossen Teilnehmerfeld von mehr als 300 Designerinnen und Designern, die in der Schweiz tätig sind. Dieses Feld wurde zunächst auf zwölf Konzepte und schliesslich auf den einzigen Siegerentwurf reduziert.
Die endgültige Entscheidung lag zwar beim Bankrat der SNB, doch die grosse Zahl öffentlicher Rückmeldungen und die Prüfung durch einen beratenden Expertenrat sorgten für ein gründliches und umfassendes Auswahlverfahren. Die zwölf in die engere Wahl gekommenen Entwürfe, die das Interesse der Öffentlichkeit geweckt haben, werden vom 5. bis 15. März im SNB Forum in Zürich ausgestellt. Die Ausstellung bietet einen seltenen Einblick in die kreative Vielfalt des Landes und zeigt die hochwertigen Konzepte, gegen die sich Emphase letztlich durchsetzte. Die Wahl von Emphase ist nicht nur ein Erfolg für das Studio, sondern bestätigt auch ein Verfahren, das fachliche Kritik mit einer breiten öffentlichen Meinung in Einklang brachte.
Der lange Weg zur Ausgabe in den 2030er-Jahren
Trotz der Begeisterung über die Ankündigung muss sich die Schweizer Öffentlichkeit in Geduld üben. Die SNB hat klargemacht, dass sich Perfektion nicht beschleunigen lässt. Die neuen Banknoten werden frühestens Anfang der 2030er-Jahre in Umlauf kommen. Dieser lange Zeitrahmen ist entscheidend: Aus einem künstlerischen Siegerkonzept ein sicheres und in grosser Stückzahl produzierbares Zahlungsmittel zu machen, ist eine komplexe ingenieurtechnische Aufgabe. Die aktuellen Entwürfe von Emphase sind Vorlagen, und das endgültige Erscheinungsbild der Noten kann sich im Zuge der Integration der Sicherheitsmerkmale noch deutlich verändern.
Der Bankrat der SNB hat bei der endgültigen Gestaltung das letzte Wort. Er stellt sicher, dass die ästhetische Schönheit des Konzepts «Höhenlagen» weder die Integrität der Banknoten noch ihre Fälschungssicherheit beeinträchtigt. Mit Blick auf das nächste Jahrzehnt wächst die Vorfreude. Die Schweiz druckt nicht einfach Geld, sondern gestaltet eine künftige Ikone. Bis dahin bleibt die aktuelle Serie in Gebrauch, doch der Countdown zu einem visuell neu definierten Bild der Schweiz hat offiziell begonnen.