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Swiss Observer

Letzte Schweizer Papierfabrik kündigt mitten in der Branchenkrise Abbau von 65 Stellen an

Perlen Papier, der letzte Papierhersteller der Schweiz, plant wegen der schwachen Nachfrage und steigender Kosten, 65 Stellen abzubauen. Dies markiert einen bedeutenden Wandel in der Schweizer Industrielandschaft.

Letzte Schweizer Papierfabrik kündigt mitten in der Branchenkrise Abbau von 65 Stellen an
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Industrielandschaft erlebt einen schweren Schlag: Perlen Papier, der letzte verbliebene Papierhersteller des Landes, bestätigt den Abbau von 65 Stellen. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Unternehmensumstrukturierung, sondern um ein deutliches Zeichen für die Notlage, in der sich die europäische Industrie befindet. Das Unternehmen mit Sitz in Root LU sieht sich gezwungen, seine Belegschaft drastisch zu reduzieren, um angesichts anhaltend schwacher Nachfrage und stark steigender Betriebskosten seine Zukunft zu sichern.

Die am Montag bekannt gegebene Entscheidung markiert einen düsteren Wendepunkt für den traditionsreichen Standort. Das Unternehmen hatte versucht, die Krise mit Effizienzmassnahmen zu bewältigen. Nun räumt die Geschäftsleitung jedoch ein, dass der Stellenabbau «unvermeidbar» sei. Der Entscheid verdeutlicht die brutale Realität eines sich konsolidierenden Marktes, in dem Tradition und Geschichte keinen Schutz vor den harten wirtschaftlichen Fakten bieten. Mit dem nahenden Herbst 2025 läuft den betroffenen Mitarbeitenden die Zeit davon. Für eine Belegschaft, die seit Langem das Rückgrat der Schweizer Papierproduktion bildet, geht damit eine Ära zu Ende.

Das Paradox einer unrentablen Produktion

In einer verblüffenden wirtschaftlichen Wendung schreibt Perlen Papier rote Zahlen, obwohl das Verkaufsvolumen von Papier gestiegen ist. Das Unternehmen verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust. Das widerspricht der herkömmlichen Geschäftslogik und zeigt, wie schwierig das aktuelle Marktumfeld ist. Ursache ist ein enormer, erdrückender Preisdruck, der die Margen bis an den äussersten Rand geschmälert hat.

Es handelt sich um eine Krise des Werts, nicht bloss des Volumens. Der europäische Papiermarkt befindet sich in einer rigorosen Konsolidierung, und die Schweizer Industrie gerät dabei zwischen die Fronten. Frühere Sparmassnahmen des Unternehmens haben sich als unzureichend erwiesen, um die Verluste einzudämmen. Die Geschäftsleitung setzt nun auf dringende Abwehrmassnahmen: Ab Herbst 2025 müssen die Kosten kräftig gesenkt werden, um einen vollständigen Zusammenbruch zu verhindern. Die Situation ist eine deutliche Warnung an andere Schweizer Industriezweige: Effizienz allein schützt nicht mehr vor einem Markt, der tiefere Preise um jeden Preis verlangt.

Die Maschinen laufen trotz Stellenabbau weiter

Trotz des starken Abbaus von Personal wird das mechanische Herz von Perlen Papier weiterschlagen. Das Unternehmen hat bestätigt, dass seine beiden grossen Papiermaschinen in Betrieb bleiben. Damit wird die Versorgung mit gestrichenem Magazinpapier und Zeitungspapier ohne Unterbruch sichergestellt. Dieser Entscheid steht für eine Strategie des «schlanken Überlebens»: Die Produktionskapazität bleibt erhalten, während die Zahl der für ihren Betrieb benötigten Mitarbeitenden drastisch sinkt.

Diese Betriebskontinuität ist für die Kundschaft des Unternehmens entscheidend, denn sie ist auf die «gewohnte Qualität» der Schweizer Produktion angewiesen. Das Nebeneinander von dröhnenden Maschinen und einer schrumpfenden Belegschaft zeichnet jedoch ein dystopisches Bild der modernen Industrie. Der Standort in Root entwickelt sich zu einer schlank organisierten, automatisierten Produktionsfestung, die die Maschineneffizienz gegenüber der Beschäftigungsdichte priorisiert. Während das Unternehmen auf dieses schlankere Modell umstellt, bleibt die Frage: Kann dieser auf das Wesentliche reduzierte Betrieb weiteren Marktschwankungen standhalten, oder ist dies lediglich eine vorübergehende Verschnaufpause?

Erschütterung in der Gemeinde Root

Die Auswirkungen dieses Unternehmensentscheids sind weit über die Fabriktore hinaus zu spüren und erschüttern die Grundlagen der Gemeinde Root. Gemeindepräsident Heinz Schumacher fand deutliche Worte: «Es ist keine gute Nachricht, wenn ein Unternehmen in der Gemeinde Stellen abbaut.» Seine Sorge spiegelt die grosse Unruhe in der lokalen Bevölkerung wider, für die Perlen Papier seit Langem eine Säule der wirtschaftlichen Stabilität ist.

Ein Sozialplan zur Unterstützung der 65 Mitarbeitenden, denen die Entlassung droht, ist Berichten zufolge in Arbeit. Der Verlust dieser Stellen ist jedoch ein schwerer Schlag für die lokale Wirtschaft. In einer Gemeinde dieser Grösse sichern 65 Arbeitsplätze den Lebensunterhalt von Familien und stützen lokale Unternehmen sowie die Steuereinnahmen. Der vom Unternehmen angekündigte «Sozialplan» wird in den kommenden Monaten genau geprüft werden. Während die Schweiz mit dem Schwund ihrer industriellen Basis ringt, steht die Lage in Root beispielhaft für die Herausforderungen, vor denen Industriestandorte im ganzen Land stehen: das Überleben von Unternehmen mit sozialer Verantwortung in Einklang zu bringen.