Wirtschaft
Klaus Schwab nennt Christine Lagarde als mögliche Nachfolgerin an der Spitze des WEF
Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, gibt Gespräche mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde über seine Nachfolge an der in Genf ansässigen Organisation bis Anfang 2027 bekannt.

In einer bedeutenden Entwicklung für die globale Wirtschaftsführung hat Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF), Gespräche mit der Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, über seine Nachfolge an der in Genf ansässigen Organisation bekannt gemacht. Der 87-jährige Schwab, der kürzlich nach einer externen Untersuchung als Vorsitzender zurückgetreten ist, erklärte, er habe Lagarde im April besucht, um den Führungswechsel zu besprechen. Die Übergabe soll demnach bis Anfang 2027 erfolgen.
Hintergrund und Kontext
Die mögliche Nachfolge kommt für beide Institutionen zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Schwabs Rücktritt im April 2025 folgte auf Vorwürfe des Fehlverhaltens, die er bestreitet. Die 69-jährige Lagarde ist derzeit Präsidentin der EZB. Ihr Mandat läuft bis Oktober 2027. Ein vorzeitiger Rücktritt aus der EZB würde sie nach Wim Duisenberg zur zweiten Präsidentin machen, die die in Frankfurt ansässige Institution vor Ablauf ihrer Amtszeit verlässt. Der Zeitpunkt deckt sich mit den strategischen Zielen der EZB, denn Lagarde soll sich Berichten zufolge verpflichtet haben, das Inflationsziel der Institution von 2 Prozent vor einem allfälligen Wechsel zu erreichen.
Vorbereitungen für den Wechsel
Laut Aussagen Schwabs gegenüber der Financial Times sind die praktischen Vorbereitungen für den Wechsel bereits im Gang. Dazu gehört die Vorbereitung einer Wohnung in der dem WEF gehörenden Villa Mundi mit Blick auf den Genfersee. Sie ist für Lagarde vorgesehen, wenn sie mehr Verantwortung übernimmt. Das WEF bezeichnete diese Information allerdings als «neu» für das Forum, was auf mögliche Kommunikationslücken bei der Planung des Wechsels hindeutet. Zwar gingen die Gespräche zwischen Lagarde und dem Forum über eine Führungsrolle auch nach Schwabs Rücktritt weiter, doch betonen Quellen, dass noch keine formelle Vereinbarung getroffen wurde.
Herausforderungen und Auswirkungen
Der geplante Wechsel wirft für beide Institutionen und die globale Wirtschaftsordnung mehrere wichtige Fragen auf. Für die EZB würde Lagardes möglicher vorzeitiger Rücktritt einen Führungswechsel während einer entscheidenden Phase der geldpolitischen Umsetzung erforderlich machen. Für das WEF würde Lagarde erfahrene Führung mit ausgewiesenen internationalen Qualifikationen einbringen und könnte dazu beitragen, nach den jüngsten Kontroversen wieder Stabilität herzustellen. Aus Schweizer Sicht ist die Entwicklung besonders relevant, da die Präsenz des WEF in Genf ein wichtiger Bestandteil der Rolle des Internationalen Genf in der globalen Gouvernanz ist. Beim Wechsel müsste die institutionelle Stabilität mit den sich wandelnden Bedürfnissen der Organisation in der Weltordnung nach der Pandemie in Einklang gebracht werden.